Brand in Großröhrsdorf: Nach Feuer in Stadtkirche – Verdächtiger widerspricht früheren Angaben

Blick auf die Ruine der Stadtkirche in Großröhrsdorf in Sachsen. Nach dem Brand der protestantischen Kirche aus dem 18. Jahrhundert ist die Ruine nahezu enttrümmert. Das Feuer in der barocken Kirche im Landkreis Bautzen war in der Nacht zum 4. August 2023 ausgebrochen und hatte den Dachstuhl, das Kirchenschiff und Teile des Glockenturms zerstört. (Luftaufnahme mit einer Drohne).
Robert Michael / dpaDer wegen des Kirchenbrands von Großröhrsdorf Verdächtige hat nach Angaben seines Anwalts früheren Äußerungen zur Tat widersprochen. Dem vom Landgericht Görlitz bestellten psychiatrischen Gutachter habe er eine andere Variante erklärt, sagte sein Verteidiger, der Bautzener Rechtsanwalt Florian Berthold, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Das stehe im Widerspruch zu dessen Äußerungen in Vernehmungen und bei einer Ermittlungsrichterin. Zuvor berichtete die „Sächsische Zeitung“.
Der Beschuldigte ist wegen schwerer Brandstiftung angeklagt. Der Prozess gegen den 41-Jährigen beginnt am Montag (5. Februar) vor der Großen Strafkammer in der Außenstelle Bautzen. Berthold erwartet zum Auftakt eine Erklärung, ohne deutlicher zu werden.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten aus der Lausitz vor, am 4. August 2023 um 1.45 Uhr Feuer in dem protestantischen Gotteshaus gelegt zu haben. Dazu soll er Benzin in ein zuvor eingeschlagenes Fenster in das barocke Gebäude gegossen und entzündet haben. Das Schiff der Barockkirche war zum Großteil ausgebrannt.
Mann hatte Tat gestanden und ist in Untersuchungshaft
Eine Woche später wurde der Mann aus der rund 25 Kilometer von der Kleinstadt entfernten Gemeinde Räckelwitz festgenommen. Laut Staatsanwaltschaft hat er die Tat gestanden und ist seitdem in Untersuchungshaft.

In einer Augustnacht 2023 war ein Feuer in der Stadtkirche in Großröhrsdorf ausgebrochen. Eine Woche später wird ein Mann gefasst, der das Feuer gelegt haben soll.
Jens Kaczmarek / LausitzNews.deNach Angaben von Berthold bestritt er die Vorwürfe in der ersten Vernehmung. Später, nach Mitternacht, habe er etwas gesagt, was seitens der Ermittler als „Geständnis gewertet werden könnte“. Aber er sei dabei ohne rechtliche Beratung und Anwalt gewesen, kritisierte er. Es gehe in dem Fall um ein schweres Delikt, das mit Freiheitsstrafe zwischen einem und 15 Jahren bedroht sei, sowie um einen Schaden in Millionenhöhe.
Die Flammen hatten den Dachstuhl und das Innere des Kirchenschiffs vernichtet, der obere Teil des einst 50 Meter hohen, weithin sichtbaren Glockenturms stürzte ins Innere ab. Viele historische Kunstschätze sowie Teile der Architektur sind verloren.
Stadtkirche in Großröhrsdorf
Die evangelische Stadtkirche in Großröhrsdorf wurde in den Jahren von 1731 bis 1736 erbaut. Von 2012 bis 2018 wurde die Kirche renoviert.
Sie wird, wie viele Dorfkirchen, inzwischen nur bei Bedarf genutzt; die Gemeinde hat ein weiteres Gotteshaus in Kleinröhrsdorf.
Die Stadtkirche Großröhrsdorf samt Friedhof befindet sich auf einer Erhöhung in dem Ort rund 25 Kilometer östlich von Dresden.
