Bundesliga Transfer
: Ist Tom Rothe bei Union Berlin sogar der bessere Robin Gosens?

Nach dem „Katastrophen“-Abschied von Robin Gosens haben sich bei Union Berlin die Wogen geglättet. Das Debüt von Ersatzmann Tom Rothe erweckt große Hoffnungen.
Von
Jan Lehmann
Berlin
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1.BL 1. FC Union - FC St. Pauli 2024/25: Fussball, Herren, Saison 2024/2025, 1. Bundesliga (2. Spieltag), 1. FC Union Berlin - FC St. Pauli, v. l. Tom Rothe 1. FC Union Berlin), Robert Wagner (FC St. Pauli), 30.08.2024, Foto: Matthias Koch

Tom Rothe (links) spielt auf Leihbasis beim 1. FC Union Berlin. Bei seinem Debüt für die Eisernen in der Fußball-Bundesliga gegen den FC St. Pauli zeigte der 19-Jährige, warum ihm bei seinem Stammverein Borussia Dortmund perspektivisch sogar die Champions League zugetraut wird.

Matthias Koch

Die Hektik um den Blitz-Abschied von Robin Gosens vom 1. FC Union Berlin hatte am Freitag für Frust und sogar Tränen gesorgt – nun haben sich die Wogen etwas geglättet. Dafür gibt es drei Gründe: zum ersten natürlich den wichtigen 1:0-Heimsieg gegen den FC St. Pauli am Freitag. Dazu gab es warme Abschiedsgrüße von Gosens aus Italien, wo er auf Leihbasis beim Conference-League-Teilnehmer AC Florenz spielen wird.

Der vielleicht wichtigste Balsam für die Linderung des Abschiedsschmerzes war aber das gute Debüt von Tom Rothe. Der 19-Jährige zeigte auf der linken Abwehrseite, warum ihm bei seinem Stammverein Borussia Dortmund perspektivisch die Champions League zugetraut wird.

Union-Trainer Bo Svensson konstatierte: „In der ersten halben Stunde hat er sich schwergetan. Aber in der zweiten Halbzeit fand ich ihn gut.“ Benedict Hollerbach, der den Siegtreffer gegen Aufsteiger St. Pauli erzielt hatte, fand deshalb ausgleichende Worte. Er bedauere den Abschied zwar sehr, so Hollerbach. Aber er wies auch daraufhin: „Wir haben mit Tom einen super Ersatz, der auch den Anspruch hat, ein Startelf-Spieler zu sein. Er hat direkt gezeigt, dass er hungrig ist.“

Tom Rothe träumt von der Nationalmannschaft

Ist Rothe womöglich sogar der bessere Gosens? Zumindest hat er größeres Entwicklungspotenzial. Der 30-jährige Gosens hatte zwar starke Momente im Union-Trikot. Aber er konnte auch nicht verhindern, dass die zurückliegende Saison trotz des Champions-League-Abenteuers viele Schattenseiten hatte. Er selbst verpasste die Teilnahme an der Fußball-EM und will sich nun in Italien wieder für die Nationalelf empfehlen.

Dort könnte auf der linken Seite bald sogar Tom Rothe einer der Konkurrenten um einen Kaderplatz sein. Der 19-Jährige träumt vom Einsatz im DFB-Trikot und könnte nun viel Spielzeit in der Bundesliga bekommen. Ob er den international erfahrenen Gosens gleichwertig ersetzen kann, werden die kommenden Wochen zeigen.

Robin Gosens verabschiedet sich bei Instagram

Mit einem Instagram-Post hat sich Gosens von den Fans der Eisernen verabschiedet: „Ich weiß, was viele von euch vermutlich denken. Jetzt ist er weg, das wollte er von Anfang an. So stand es ja immer überall. Ich will mich deshalb gar nicht erklären. Ich will nur sagen, dass ich jeden Tag gerne zur Alten Försterei gefahren bin. Ich habe es jede Sekunde geliebt, mich für diesen Verein zu zerreißen“, schreibt Gosens.

Union-Geschäftsführer Horst Heldt hatte die Sichtweise des Vereins erklärt: „Robin hat ja von Beginn immer gesagt, dass er, wenn die Möglichkeit besteht, gerne wechseln würde“, so der Sportchef, der hinzufügte: „Wir brauchen Spieler, die voll und ganz alles geben für Union. Und damit einer alles geben kann bei Union, müssen auch alle in seinem Umfeld sich mit der Sache identifizieren. Wenn das nicht der Fall ist, dann macht es keinen Sinn.“

Wie dramatisch der letzte Tag der Transferperiode abgelaufen war, hatte Vize-Kapitän Rani Khedira bei „DAZN“ deutlich gemacht: „Es ist eine Katastrophe“, betonte Khedira. Nach dem Mittagessen habe sich Gosens noch als Spieler von Union Berlin in den Mittagsschlaf verabschiedet. Am Nachmittag sei plötzlich alles anders gewesen. „Wir sind zwar alle Profis, aber wir sind auch Menschen. Robin stand mit Tränen in den Augen da und war völlig aufgelöst“, berichtete Khedira. Er sprach sich für eine Änderung des Transfer-Regelwerks aus: „So etwas sollte man nicht am Spieltag selbst machen. Für eine Mannschaft ist das ganz schwierig.“

1. FC Union Berlin – Spielplan für die Bundesliga-Saison 2024/25