US-Wahl 2024
: Baerbock gratuliert, Putin schweigt – so reagiert die Politik auf Trumps Wahl

Der Wahlsieg Donald Trumps ist sicher, Politiker aus aller Welt reagieren. Die Ampel-Koalition gibt sich schmallippig, der türkische Präsident euphorisch – nur einer will nichts sagen.
Von
rom/dpa/afp
Berlin
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Erdogan Scholz Putin Collage

Euphorisch, nüchtern oder gar nicht – die politische Welt blickt recht unterschiedlich auf Trumps Wahlsieg, das zeigt sich auch an den Reaktionen.

dpa
  • Olaf Scholz und Annalena Baerbock gratulieren Trump zurückhaltend zum Wahlsieg.
  • Erdogan und Orban freuen sich über Trumps Sieg; Putin schweigt.
  • Macron und Netanjahu betonen die Bedeutung der Beziehungen zu den USA.
  • Alice Weidel sieht Trumps Sieg als Vorbild für Deutschland.
  • China und Italien reagieren diplomatisch und betonen die Zusammenarbeit.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Dass in der deutschen Politik (abgesehen von der AfD) allzu viele Donald Trump die Daumen gedrückt haben dürften, wird man ausschließen können – gerade aus der Bundesregierung kamen zuletzt eher distanzierte bis feindselige Botschaften in Richtung des Trump-Lagers. Entsprechend zurückhaltend und nüchtern fallen die ersten Reaktionen von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) in Richtung des künftigen US-Präsidenten aus. Scholz gratulierte am Mittwochvormittag dem US-Republikaner mit eher dürren Worten zu dem sich zu diesem Zeitpunkt abzeichnenden Wahlsieg und bot eine weitere transatlantische Zusammenarbeit an. „Gemeinsam arbeiten Deutschland und die USA seit langem erfolgreich zusammen, um Wohlstand und Freiheit auf beiden Seiten des Atlantiks zu fördern“, schrieb Scholz am Mittwoch auf X. „Das werden wir zum Wohle unserer Bürgerinnen und Bürger fortsetzen.“

„Donald Trump hat die Wahl gewonnen. Dazu gratulieren wir“, sagte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) am Mittwoch in Berlin nach ihrer Rückkehr von einer Ukraine-Reise. Deutschland werde auch für die künftige US-Regierung „ein enger, verlässlicher Verbündeter sein“, versicherte Baerbock. „Das ist unser Angebot.“ Baerbock ergänzte: „Deutschland, Europa und die Vereinigten Staaten sind engste Partner und Verbündete.“ Dabei sei die transatlantische Freundschaft „seit jeher nicht auf eine Partei gebucht“. Dass sich nach Wahlen innen- wie außenpolitische Verhältnisse neu justierten, sei „das Wesen von Demokratie“. Es gelte außerdem, „wie in jeder guten Partnerschaft: Dort, wo es ohne Frage politische Differenzen gibt, ist ein ehrlicher und vor allen Dingen intensiver Austausch wichtiger denn je“, fügte Baerbock hinzu. Während ihres Besuchs in der Ukraine in den vergangenen Tagen habe sie sehr deutlich gespürt, „wie viel für Europäer wie für Amerikaner davon abhängt, dass wir gemeinsam für Freiheit, Völkerrecht und Demokratie eintreten“. Gerechten und dauerhaften Frieden in Europa werde es nur „mit den Ukrainern geben, mit den Europäern und mit den USA“, betonte die Außenministerin. Für sie sei klar, das Europa „jetzt noch mehr sicherheitspolitische Verantwortung“ übernehmen müsse. „Darauf sind wir vorbereitet“, sagte Baerbock.

Erdogan und Orban reagieren erfreut, Putin schweigt

Aus anderen Ländern kamen deutlich euphorischere Reaktionen. So gratulierte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan seinem „Freund Donald Trump“, nachdem dieser den Sieg bei der US-Präsidentschaftswahl für sich reklamiert hat. „Ich hoffe, dass die Beziehungen zwischen der Türkei und den USA gestärkt werden“, schrieb Erdogan am Mittwoch im Onlinedienst X. Er hoffe zudem, dass „insbesondere die Palästinenser-Frage und der Krieg zwischen Russland und der Ukraine, ein Ende haben werden“.

Der ungarische Ministerpräsident und Trump-Freund Viktor Orban war der erste Gratulant unter den EU-Spitzenpolitikern: „Guten Morgen Ungarn! Auf dem Weg zu einem schönen Sieg“, schrieb Orban zu Bildern von Flaggen Ungarns und der USA. Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu gratulierte Trump zum „größten Comeback der Geschichte“. Trumps „historische Rückkehr ins Weiße Haus bietet die Chance eines Neubeginns für Amerika und für eine kräftige Wiederbelebung der großen Allianz zwischen Israel und Amerika“, erklärte Netanjahu am Mittwoch

Der russische Präsident Wladimir Putin, der von vielen Beobachtern als heimlicher Haupt-Profiteur (und möglicher propagandistischer Unterstützer) eines Trump-Wahlsiegs gesehen wird, schweigt bisher. Putin ließ ankündigen, dass er Trump nicht gratulieren wolle. Zur Begründung verwies Kreml-Sprecher Dmitri Peskow darauf, dass die USA Russland als „unfreundliches Land“ betrachteten. Putin werde den neuen US-Präsidenten an seinen „konkreten Maßnahmen“ messen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gratulierte hingegen Trump zu einem „beeindruckenden Wahlsieg“. Zugleich äußerte er in Online-Netzwerken die Hoffnung, dass Trump der Ukraine helfen werde, zu einem „gerechten Frieden“ zu kommen. Trump hatte im Wahlkampf angekündigt, die Unterstützung für Kiew im Abwehrkrieg gegen Russland massiv zu kürzen.

Alice Weidel sieht Trump als „Vorbild für Deutschland“

Die AfD-Vorsitzende Alice Weidel freute sich hingegen über den sich abzeichnenden Sieg von Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl. „Ich habe bereits Donald Trump gratuliert“, sagte Weidel am Mittwochmorgen im Deutschlandfunk. „Nicht das ‚woke‘ Hollywood hat diese Wahl entschieden, sondern die arbeitende Bevölkerung und die Familien, die um ihre wirtschaftliche Existenz bangen, die jungen Leute, die sich um ihre Zukunft sorgen“, zeigte sich Weidel überzeugt. „Diese Wahl könnte ein Vorbild auch für Deutschland sein.“

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gratulierte Trump als erster Staatschef eines größeren EU-Landes. „Glückwünsche, Präsident Donald Trump“, schrieb er im Onlinedienst X. Zugleich ließ er erkennen, dass Frankreich gegenüber den USA weiterhin seine eigenen Interessen vertreten wolle. „Bereit zur Zusammenarbeit, wie wir es schon vier Jahre getan haben“, schrieb Macron und fügte hinzu: „Mit Ihren Überzeugungen und den meinen.“ Mit Blick auf sein Gespräch mit Scholz schrieb Macron: „Wir werden in diesem neuen Kontext für ein geeinteres, stärkeres und souveräneres Europa arbeiten.“

China reagierte diplomatisch-zurückhaltend. „Wir werden die Beziehungen zwischen China und den USA weiterhin auf der Grundlage des gegenseitigen Respekts, der friedlichen Koexistenz und der Zusammenarbeit zum Vorteil beider Seiten handhaben“, sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Mao Ning. „Wir respektieren die Wahl des amerikanischen Volkes“, fügte sie hinzu.

Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni gratulierte Trump im Onlinedienst X und betonte: „Die USA und Italien sind Schwesternationen“, die gemeinsame Werte teilten. „Es ist eine strategische Verbindung, die wir weiter ausbauen werden.“

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