Es ist das größte Manöver der US-Armee in Europa seit 25 Jahren. Bei „Defender 2020“ soll die Truppenverlegung durch Europa im ganz großen Stil geübt werden. Gegen wen wollen sich die USA eigentlich in Polen, im Baltikum oder in der Lausitz verteidigen? Offiziell gegen niemanden. Russland fühlt sich trotzdem angesprochen.

„Natürlich werden wir reagieren“, erklärt Russlands Außenminister Sergej Lawrow laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Tass. „Wir können solche Prozesse, die große Sorgen auslösen, nicht ignorieren.“ Russland werde aber so reagieren, dass keine unnötigen Risiken entstehen, führte Lawrow weiter aus.

Washington/Weißkeißel/Warschau

Defender 2020“ oder „Defender Europe 20“, wie es im Sprachgebrauch der US-Armee heißt, ist eine militärische Großübung der USA. Geübt wird die Verlegung von Soldaten samt ihrer schweren Geräte aus den USA quer durch Europa nach Polen und ins Baltikum. Bei der Übung soll auch die Zusammenarbeit in Europa trainiert werden. „Diese Fähigkeit ist wichtig, um kurzfristig Stärke zeigen zu können, unsere Einsatzbereitschaft beruhigt unsere Alliierten und schreckt mögliche Gegner ab“, erklärte der kommandierende General der US-Streitkräfte in Europa, Christopher G. Cavoli, bei der Ankündigung des Manövers im Oktober 2019.

Lawrow: Gegen wen will sich Amerika verteidigen?

„Defender“ bedeutet „Verteidiger“. Das greift Lawrow in seinen Äußerungen auf. „Gegen wen wollen sie sich verteidigen?“, fragt er rhetorisch. Einen gleichwertigen Gegner werde die Nato in Europa nicht finden. Russland Militärausgaben und -Technik seien weit geringer. „Ich habe keine Ahnung, wo sie einen vergleichbaren Gegner finden wollen“, setzt Lawrow nach.

„Defender Europe 2020 ist kein amerikanischer Alleingang, sondern zeigt, wie verbündete Partner im Krisenfall zusammenarbeiten können. Mit der Übung geben die USA ein deutliches Bekenntnis zur Nato und damit zur Sicherheit Europas“, erklärt hingegen der US-Generalkonsul in Sachsen, Timothy Eydelnant.

20 000 US-Soldaten sollen samt ihrer Panzer per Schiff aus den USA nach Europa verlegt werden. Die Schiffe werden in den kommenden Wochen unter anderem in Bremerhaven anlanden, von wo die Fahrzeuge dann per Schiene und Straße unter anderem auf den Truppenübungsplatz Oberlausitz verlegt werden. Von dort geht es weiter zu gemeinsamen Übungen mit den Nato-Partnern in Polen und im Baltikum.

Erstes Schiff landet in Antwerpen

Das erste Schiff ist am Montag bereits in Antwerpen eingetroffen. Wie das belgische Verteidigungsministerium berichtet, handelt es sich um britische Logistik-Einheiten, die das Manöver unterstützen. Bilder zeigen Militärfahrzeuge, die in Antwerpen ausgeladen und für den weiteren Transport vorbereitet werden. Einen genauen Termin für die Ankunft der ersten US-Schiffe hat die US-Army noch nicht verkündet. Bisher war vom 22. Februar die Rede. Dies sei auch abhängig vom Wetter auf dem Atlantik, hieß es.

Dass die Amerikaner im Zuge des Manövers Europas Fähigkeit zur raschen Truppenverlegung nach Osten verbessern wollen, stößt in Russland auf Bedenken. „Die ganze Region ist bereits jetzt übersättigt mit militärischen Einrichtungen und Waffen“, betont Außenminister lwrow. Die Osterweiterung der Nato habe bereits erheblichen Schaden für die strategische Stabilität in Europa verursacht.

Manöver- und Miltär-Wettrüsten mit Russland Polen oder die Lausitz als Nato-Aufmarschgebiet?

Berlin/Warschau/Washington

Lawrow: Wir reagieren auf unserem eigenen Territorium

„Defender Europe 2020 und die damit verbundenen Truppenbewegungen haben nichts mit Bedrohung oder Provokation zu tun“, erklärt hingegen US-Generalkonsul Eydelnant. Lawrow spricht dennoch von einer Provokation, auf die man antworten werde. Er betont allerdings: „Alles, was wir als Antwort auf Nato-Drohungen gegen unsere Sicherheit unternehmen werden, geschieht auf unserem eigenen Territorium.“