Ende kommender Woche werden die ersten geplanten Truppenbewegungen der US-Streitkräfte in Brandenburg beginnen. Das hat die US-Armee am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Berlin mitgeteilt. Damit startet die größte Verlegung nach Europa seit 25 Jahren.

Schiffe sollen Bremerhaven am 22. Februar erreichen

Die „Defender Europe 2020“-Übung werde aber erst Ende Februar so richtig losgehen, gab Generalleutnant Martin Schelleis, Inspekteur der Streitkräftebasis der Bundeswehr, bekannt. Die Bundeswehr ist als „host nation“, also Gastgeber, für den Transport der US-Truppen durch Deutschland zuständig. „Wenn wie geplant die Schiffe am 22. Februar in Bremerhaven anlanden, werden sie mit Personal besetzt und die Fahrzeuge über Schienen- und Straßentransport auch durch Brandenburg gehen“, so Schelleis.

Washington/Weißkeißel/Warschau

Wann und wo genau die ersten Teile der US-Division auf Deutschlands Transportwegen in Erscheinung treten, wird laut Schelleis immer noch vom Wetter bestimmt: „Die Ankunft der Schiffe ist abhängig von den Stürmen, die über dem Atlantik wehen.“ Als weitere Zielhäfen in Europa stehen neben Bremerhaven auch solche in den Niederlanden und Belgien auf der Liste.

Von dort erfolgt der Transport über Straße und Schiene. Dass Panzer über die Straßen rollen, sei aber nicht geplant. Nur ein kurzes Stück in der Nähe des Truppenübungsplatzes in Bergen (Niedersachsen) werde von Schwerlasttransportern betroffen sein, kündigte der Inspekteur der deutschen Streitkräftebasis an.

Für Deutschland ein Zeichen der „Bündnissouveränität“

Er wertete die deutsche Beteiligung an den Übungen in Bergen (Niedersachsen), Polen und Litauen als ein „Zeichen für Bündnissouveränität“. Deutschland stellt unter anderem Truppen für Kernübungen zur Verfügung und nehme damit auch seine Rolle in der Nato wahr.

Es ist nicht das erste Mal, dass US-Streitkräfte in Deutschland Verfahren zur Verlegung von Streitkräften aus den USA nach Osteuropa üben. Alle neun Monate werde eine Rotationsbrigade ausgewechselt, sagte Major General Andrew M. Rohling, der stellvertretende Kommandeur der US Army Europe. Gemeint sind die Manöver im Rahmen von „Atlantic Resolve“, die den Lausitzern als Truppentransporte durch die Region bereits seit 2014 vertraut sind.

Neu ist die Dimension: Die Truppenverlegung, an der 18 Nationen beteiligt sind, wird bis in den Mai hineingehen und fünfmal so groß wie üblich sein. Von 37 000 Soldaten und Soldatinnen kommen 20 000 aus Amerika per Schiff oder Flugzeug in West-Europa an. Einige werden sogar ohne Ausrüstung kommen, weil geübt werden müsse, die bereitgestellten Geräte und Fahrzeuge zu übernehmen, sagte Rohling weiter.

„Deutschlands Rolle ist wesentlich“

Dieser Vorgang sei nicht nur eine europäische Übung, bei der die Nato-Alliierten und Partner ihre Bereitschaft zum Einsatz zeigen. Laut Rohling wollen die Amerikaner vor allem ihre strategische Bereitschaft ausweiten und ihre Fähigkeiten testen, auf Krisen zu reagieren. „Deutschlands Rolle ist wesentlich, damit das Ganze erfolgreich abläuft.“

Für Sicherheitsvorkehrungen ist die Landespolizei auf der Straße zuständig, Feldjäger begleiten die Transporte. Im Wesentlichen sei es eine Polizeiaufgabe, dass alles reibungslos ablaufe, so Rohling.

„Wir möchten gute Nachbarn sein“, sagte Rohling. Um negative Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung zu vermeiden, sollen verkehrsberuhigte Zeiten und flugberuhigte Zonen genutzt werden.

Transporte sollen vor allem nachts rollen

Das heißt konkret für Brandenburg: Wenn es ab Februar los geht mit den ersten Transporten, sollen diese vor allem nachts laufen. „Wir können nicht ausschließen, dass es zu Staus kommt“, sagt Schelleis. Wann genau das sein werde, könne nur relativ kurzfristig mitgeteilt werden. „Wir werden dann informieren.“

Mit angekündigten Blockadeaktionen und Protesten hat Schelleis kein Problem. Es sei eine Konsequenz ihrer transparenten Informationen, Kritiker auf den Plan zu rufen, die mit der Übung nicht einverstanden sind. Solange der Protest legitim stattfinde, sei dieser „vollkommen in Ordnung“.