Von Ellen Hasenkamp

Die Christdemokraten kommen nicht zur Ruhe: In einem Antrag fordert die Frauen Union (FU) „mehr Frauen in der CDU, in Ämtern und Mandaten“. In dem Papier, das der RUNDSCHAU vorliegt, pochen die CDU-Frauen darauf, dass sich die Partei „konkrete und messbare Ziele zur Erhöhung des Frauenanteils bis zur Parität“ setzt. Die Rede ist von „verbindlichen Mindestvorgaben“, das Wort Quote sowie konkrete Zahlen und Zeitpläne werden vermieden. Dennoch dürfte die Forderung in der Partei auf großen Widerstand stoßen.

Bislang gilt in der CDU das Quorum, wonach der Frauenanteil bei Ämtern und Mandaten bei einem Drittel liegen soll. Dies werde in der Praxis aber „zu oft umgangen und nicht eingehalten“, kritisiert die FU. „Das Quorum allein reicht daher nicht mehr aus.“

FU-Chefin Annette Widmann-Mauz sagte der RUNDSCHAU: „Zur Wettbewerbsfähigkeit einer modernen CDU brauchen wir mehr Frauen in Ämtern und Mandaten. Dazu macht die Frauen Union konkrete Vorschläge.“ Sie verwies auf eine Umfrage der Konrad-Adenauer-Stiftung, wonach 92 Prozent der Frauen und 77 Prozent der Männer sagen, dass Frauen mehr verantwortungsvolle Positionen in Parteien übernehmen sollen.

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer, die ihren Sieg bei der Vorsitzenden-Wahl auch der FU verdankte, hat sich bislang nicht klar zu der Forderung positioniert. Beim FU-Bundesdelegiertentag sprach sie vor wenigen Wochen von einem „dicken Brett“, an dem „wir ganz schön bohren müssen“. Die innerparteilich geschwächte Vorsitzende wird jedenfalls einen Streit auf offener Bühne wie beim CSU-Parteitag am vergangenen Wochenende vermeiden wollen. Parteichef Markus Söder war dort mit einer verbindlichen Frauenquote am Widerstand der Basis krachend gescheitert.

Der Frauenanteil unter den Abgeordneten liegt bei der CDU/CSU etwa im Bundestag deutlich unter dem bei Grünen, Linkspartei und SPD. Lediglich bei der AfD ist der Anteil weiblicher Abgeordneter noch geringer. In Landesparlamenten sowie auf kommunaler Ebene ist die Situation teilweise ähnlich.

In der Umfrage der Adenauer-Stiftung, auf die sich Widmann-Mauz bezieht, spricht sich generell und parteiübergreifend eine große Mehrheit der Deutschen dafür aus, dass Frauen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft mehr Verantwortung übernehmen. 78 Prozent würden es begrüßen, wenn mehr Frauen in verantwortungsvolle Positionen kämen, ergab die Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar Emnid für die CDU-nahe Stiftung.

Diese Auffassung vertreten mehr Frauen (83 Prozent) als Männer (72 Prozent). Am größten ist die Zustimmung mit 87 Prozent unter den Grünen-Anhängern, am niedrigsten unter AfD-Anhängern (57 Prozent).

Mehr Frauen in verantwortlichen Positionen wünschen sich demnach jeweils neun von zehn Deutschen in Unternehmen und Verwaltung sowie in Universitäten und bei Gerichten. Auch Regierungen und Parteien sollen stärker von Frauen bestimmt werden, finden 87 beziehungsweise 85 Prozent. Weibliche Befragte wünschen sich zu 92 Prozent, männliche zu 77 Prozent eine stärkere Rolle von Frauen in den Parteien. Am wenigsten stark ist dieser Wunsch für die Bundeswehr ausgeprägt: 57 Prozent aller Befragten wünschen sich dort mehr weibliche Führungskräfte.

Laut der Umfrage sind die Deutschen dennoch skeptisch, ob sich in der Politik etwas ändern würde, wenn mehr Frauen vertreten wären. Lediglich 41 Prozent erwarten eine Verbesserung. Unter Frauen vertreten 50 Prozent diese Meinung, unter Männern 31 Prozent. Am stärksten erwarten die 64- bis 74-Jährigen eine Verbesserung (57 Prozent). Die 25- bis 34-Jährigen erwarten mit 29 Prozent besonders selten eine Verbesserung.

In der Frage nach einer Frauenquote für den Bundestag zeigen sich die Deutschen gespalten. 49 Prozent sprechen sich dafür aus, dass der Staat „Maßnahmen ergreift, damit mehr Frauen in den Bundestag kommen“. 46 Prozent sind dagegen, fünf Prozent unentschlossen.

Für die repräsentative Umfrage hat das Institut Kantar Emnid den Angaben zufolge im September und im Oktober 2040 telefonische Interviews mit Wahlberechtigten geführt.