Thüringen hat hinter Sachsen im Deutschland-Vergleich die zweithöchste Corona-Inzidenz. Am Donnerstag, 11.11.2021, lag sie bei, 469,2. Überall gilt die sogenannte „Stufe 3“ im Frühwarnsystem der Corona-Verordnung. Das ist die dritte und höchste Warnstufe, die laut Verordnung ausgerufen werden kann. Das sind die aktuellen Regeln.
  • Wie funktioniert das Warnstufen-System?
  • Wo gilt 2G, 3G oder 3G-Plus?
  • Was gilt für Gastronomie und Veranstaltungen?
  • Welche Regeln gelten in Schulen und Kitas?
  • Welche Erleichterungen gibt es für Geimpfte und Genesene?

Warnstufen in Thüringen: Frühwarnsystem soll Fallzahlen senken

Entscheidend für Maßnahmen in Thüringen ist das Frühwarnsystem. Dieses basiert auf drei Werten: Die Sieben-Tage-Inzidenz, die Sieben-Tage-Hospitalisierungsinzidenz und die Intensivbettenbeslastung. Es gibt vier Stufen:
  • Basisstufe: Inzidenz unter 35, Hospitalisierung unter 4,0 oder Intensivebetten unter 3,0 Prozent
  • Warnstufe 1: Inzidenz unter 100, Hospitalisierung bei 4,0 oder ITS-Belastung bei 3,0 Prozent
  • Warnstufe 2: Inzidenz bis 200, Hospitalisierung bei 7,0 oder ITS-Belastung bei 6,0 Prozent
  • Warnstufe 3: Inzidenz über 200, Hospitalisierung bei 12,1 oder ITS-Belastung bei 12,1 Prozent
Je nach Stufe greifen unterschiedliche Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Über die konkreten Maßnahmen entscheiden aber die Landkreise und kreisfreien Städte. Dennoch schlägt die Landesregierung mögliche Corona-Regeln vor:
  • Basisstufe: AHA-Regeln, Testpflicht an Schulen in den ersten Wochen nach den Ferien
  • Warnstufe 1: 3G-Regel in Gastronomie und Hotellerie, Tests an Schulen
  • Warnstufe 2: Beschränkung der Teilnehmerzahlen bei Veranstaltungen
  • Warnstufe 3: Weitgehende Testpflichten, Testpflicht an Schulen

Corona in Thüringen: Diese Regeln gelten seit dem 30. Oktober

Bisher war es so, dass Veranstalter, Gastronomen und andere Freizeiteinrichtungen je nach Vorgaben des Kreises selbst entscheiden konnten, ob sie 2G oder 3G durchsetzen wollen. Das hat sich aber seit dem 30. Oktober geändert: Wenn in einem Kreis in Thüringen die Warnstufe 3 ausgerufen wird, wird 2G oder 3G-Plus verpflichtend. Damit dürfen Ungeimpfte entweder gar nicht oder nur mit einem PCR-Test Zutritt zu bestimmten Bereichen des öffentlichen Lebens haben. Wer sich nicht impfen lassen kann, ist nach wie vor ausgenommen – für diese Personen reicht ein Schnelltest.
Die neue Regelung erhöht den Druck auf Ungeimpfte. Der PCR-Test ist wesentlich teurer als der herkömmliche Schnelltest: Zwischen 50 und 200 Euro kann dieser kosten, je nachdem, wie schnell das Ergebnis da sein soll.
In der kommenden Woche will die Thüringer Landesregierung über die Ausweitung des 2G-Modells entscheiden. Das haben bereits einige Bundesländer getan, wie beispielsweise Sachsen, Bayern, Brandenburg und Berlin.

In welchen Landkreisen in Thüringen gilt welche Warnstufe?

In allen 17 Landkreise und fünf kreisfreien Städte gilt aktuell (Stand 09. November) die Warnstufe 3.
An dem Warnstufen-System in Thüringen gibt es viel Kritik, beklagt wird der „Flickenteppich“, der durch die verschiedenen Regeln, die durch die Landkreise festgelegt werden, entsteht. Eine Umfrage des MDR hat ergeben, dass über 70 Prozent der Thüringer lieber eine einheitliche Verordnung hätte.

Schulen und Kitas: Schulen sollen auf Warnstufe 3

Für das Schuljahr 2021/22 hat die Thüringer Regierung ein Ampelsystem entwickelt. Diese sieht wie folgt aus:
  • Grün: Regelbetrieb
  • Gelb: Wechselmodell
  • Rot: Home-Schooling, Einrichtung muss schließen
Wegen der hohen Inzidenzzahlen hat die Thüringer Regierung am 21. Oktober bekanntgegeben, dass in allen Thüringer Schulen nach den Herbstferien die Warnstufe 2 eingeführt wird. Nachdem nun aber jeder Landkreis im Freistaat in Warnstufe 3 liegt, müssen die Regeln für Schulen und Kitas weiter verschärft werden. Das berichtet der MDR am Freitag, 5. November.
Damit gelten folgende Grundregeln der Warnstufe 3:
  • Verpflichtende Tests zweimal pro Woche, außer für Geimpfte und Genesene. Schülerinnen und Schüler ohne 3G-Nachweis, die nicht am Testsystem in Schulen teilnehmen, sollen in gesonderten Lerngruppen lernen und müssen auch im Unterricht Maske tragen. Eltern, die Tests verweigern, müssen ein Bußgeld bezahlen.
  • Maskenpflicht für Personal in Schulhaus und Unterricht, Schülerinnen und Schüler ab Klasse 5 im Schulhaus und Unterricht, Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 bis 4 im Schulhaus
  • Befreiungsmöglichkeiten vom Unterricht für Schülerinnen und Schüler mit Risikomerkmalen für einen schweren Krankheitsverlauf, die gleichzeitig nicht impfbar sind, sowie für lediglich erstgeimpfte Schülerinnen und Schüler.
  • Kita-Kinder dürfen nur noch in festen Gruppen betreut werden.
  • Testpflicht für Vereinssport – auch an der frischen Luft. Nicht testen lassen müssen sich Kinder unter sechs Jahren sowie alle, die sich regelmäßig in der Schule testen oder geimpft/genesen sind.

Diese Regeln gelten für Veranstaltungen in Thüringen

Für Feiern und Veranstaltungen im Freien mit mehr als 70 Personen muss das Gesundheitsamt informiert werden, damit Kontaktdaten erfasst werden können. Erlaubt sind Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen draußen und mehr als 500 Personen drinnen. Dafür muss aber auch das zuständige Gesundheitsamt informiert werden.

Impfzentren in Thüringen schließen zum Jahresende

Mit Blick auf die Feiertage im Dezember rufen das Thüringer Sozialministerium und die Kassenärztliche Vereinigung des Landes (KVT) nachdrücklich zum Impfen gegen das Corona-Virus auf. Wer sich bis zum 18. November das erste Mal immunisieren lasse, erreiche mit einem zweiten Termin bis zum 9. Dezember noch rechtzeitig zu Heiligabend vollständigen Impfschutz, heißt es in einer am Freitag in Erfurt veröffentlichten gemeinsamen Erklärung. Ähnlich verhalte es sich mit Silvester mit dem 25. November sowie dem 16. Dezember als Stichtagen.
Die aktuelle Thüringer Impfquote reiche noch nicht, um sicher durch den Herbst und den Winter zu kommen, warnte Sozialministerin Heike Werner (Linke). Vor der Schließung der Impfstellen zum Jahresende müsse jetzt der große Endspurt beginnen. Jeden Samstag seien Immunisierungen in den Impfstellen für die ganze Familie ohne Termin möglich.
Wegen der Schließung der Impfstellen können laut Ministerium dort nur noch bis zum 27. November Erstimpfungen erfolgen. Danach stünden die Thüringer Ärztinnen und Ärzte für die Vakzination in ihren Praxen bereit, sagte die KVT-Vorsitzende Annette Rommel. Die mobilen Impfteams blieben zudem weiterhin bestehen, um Auffrischungsimpfungen in Pflegeeinrichtungen durchzuführen und die Landkreise und kreisfreien Städte bei deren geplanten Sonder-Impfaktionen zu unterstützen.