Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat eindringlich dazu aufgerufen, alles zur Eindämmung der in Großbritannien aufgetauchten veränderten Variante des Coronavirus zu tun. Das Virus könne in sehr kurzer Zeit „die Führerschaft gegenüber dem alten Virus“ übernehmen, sagte Merkel am Dienstag nach Angaben mehrerer Sitzungsteilnehmer in der ersten Online-Sitzung der Unionsfraktion nach der Winterpause. Das Auftreten der Mutation sei sehr beunruhigend.
Würde diese Virusvariante in Deutschland die Oberhand bekommen, wäre man wieder mitten im exponentiellen Wachstum der Infektionszahlen. Zwar hätten die Krankenhäuser über die Jahreswende Herausragendes geleistet, sie seien aber in einigen Bereichen sehr stark an der Belastungsgrenze. „Deshalb ist hier wirklich große Sorgfalt geboten“, wurde Merkel zitiert. „Deutschland steht vor acht bis zehn sehr harten Wochen“, soll Merkel nach einem Bericht des ARD Hauptstadtstudios bereits am Dienstagvormittag in der AG Sicherheit der Unions-Bundestagsfraktion gewarnt haben. Laut dem Bericht soll eine Verlängerung des Lockdowns offenbar nicht ausgeschlossen worden sein.

Brinkhaus will über kürzere Oster- und Sommerferien nachdenken

Ähnlich äußerte sich am Dienstag auch Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus, der angesichts der neuen wohl hochansteckenden Variante des Coronavirus in Großbritannien offen für eine weitere Verlängerung und Verschärfung der Kontaktbeschränkungen in Deutschland ist. „Wenn es notwendig ist, weil die Gesundheit auch einfach vorgeht, und weil eine lang andauernde Pandemie teurer ist als eine kurze Pandemie, bin ich sehr dafür, dass man dann, wenn es denn tatsächlich noch schlagender wird, die Maßnahmen auch nochmal anschärft“, sagte der CDU-Politiker am Dienstag vor Online-Beratungen der Unionsfraktion im Bundestag. „Ob das acht, zehn, zwölf Wochen dauert, das kann niemand sagen.“
Kommentar zur Corona-Pandemie Zeit für eine ehrliche Analyse

Cottbus

Brinkhaus sagte, die geltenden Mobilitäts- und Kontaktbeschränkungen müssten konsequent umgesetzt werden. Auch die Schulen müssten weiterhin geschlossen bleiben. „Wir müssen deswegen jetzt im Sinne der Planungssicherheit auch darüber nachdenken, inwieweit wir die Osterferien, inwieweit wir die Sommerferien verkürzen, um den Stoff entsprechend auch nachzuholen.“

Schwerste Phase der Pandemie für Sachsens Ministerpräsident

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer stellt ebenfalls infrage, ob es baldige Lockerungen des Corona-Lockdowns geben wird. „Wir sind in den schwersten Wochen der Pandemie“, twitterte der CDU-Politiker am Dienstag. Niemand könne verlässlich einschätzen, was die Mutation des Virus in Deutschland anrichten wird. Deshalb sei derzeit noch nicht klar, welche Lockerungen es im Februar oder März geben wird. Ein Auftreten der Mutation würde ohne Lockdown in die Katastrophe führen. In Sachsen sind gilt der Lockdown mit geschlossenen Schulen bis zum 7. Februar. Das Land ist seit Wochen bundesweiter Negativ-Spitzenreiter bei den Infektionszahlen.

Amtsärzte erwarten nur schrittweise Lockerungen

Zweifel an möglichen Lockerungen nach dem 31. Januar haben auch Mediziner. „Ich bin mir sehr unsicher, ob wir Ende des Monats zu einem Ende des Lockdown kommen können“, sagte die Vorsitzende des Berufsverbands der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, der Funke-Mediengruppe. Den aktuellen Ansteckungszahlen nach zu urteilen werde es schwer, bis dahin unter die angestrebten 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner je Woche zu kommen. Es reiche zudem nicht, wenn diese Marke einmal erreicht wird. „Die Ansteckungszahlen müssen dauerhaft so niedrig bleiben.“ Fest stehe: „Lockerungen werden in jedem Fall nur schrittweise kommen können und nicht auf einen Schlag.“
Um die hohen Infektionszahlen einzudämmen, gelten seit Montag in allen Bundesländern schärfere Regeln. Dazu gehören strengere Kontaktbeschränkungen: Der eigene Haushalt darf sich nur noch mit einer weiteren Person treffen. In Landkreisen mit mehr als 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen soll man sich ohne triftigen Grund nicht mehr als 15 Kilometer vom Wohnort entfernen dürfen.

Industrie gegen kompletten Lockdown

Die Industrie hat vor einem kompletten Herunterfahren der Wirtschaft in der Corona-Krise gewarnt. Der neue Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, sagte am Dienstag in Berlin, es gebe keine Evidenz dafür, dass in Industrieunternehmen Hotspots entstünden. Falls die Produktion in der Industrie etwa für vier Wochen ganz heruntergefahren würde, dauere es weitere vier Wochen, um sie wieder hochzufahren. Dies würde dann nicht ohne Folgen für das Wirtschaftswachstum bleiben.

Bad Liebenwerda/Elsterwerda/Doberlug-Kirchhain

Zuletzt hatte Bodo Ramelow, Ministerpräsident von Thüringen, sich dafür ausgesprochen, die Wirtschaft wegen der Corona-Infektionszahlen in eine Pause zu schicken. Die allgemeine Wirtschaft sollte für eine gewisse Zeit weitgehend angehalten werden, hatte der Linken-Politiker gesagt.
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