Saatgut per Post: Warnung vor diesen Briefen aus China

Aktuell berichten zahlreiche Menschen von mysteriösen Briefen. Darin befindet sich kostenloses Saatgut. Experten des Julius-Kühn-Instituts warnen vor den Briefsendungen. (Symbolbild)
Matthias Balk/dpaIm ersten Halbjahr 2025 hat der Zoll am Flughafen Frankfurt am Main rund 65.000 Sendungen mit kleinen Saatgut-Tütchen aus China sichergestellt. Nach Angaben des Julius-Kühn-Instituts (JKI) erreichten dennoch viele weitere Sendungen die, auf dem Adressetikett genannten, Empfänger. Das Problem: Die hatten das Saatgut nie bestellt. Was dahinter steckt und warum das JKI vor den Blumensamen warnt.
Kostenlose Saatgut-Tütchen im Briefkasten: Behörden alarmiert
„Im ersten Moment mag so ein Tütchen harmlos wirken: Auch wenn man es nicht bestellt hat, freut man sich über die Gratis-Probe und erwägt vielleicht die Aussaat im heimischen Garten“, sagt Dr. Bernhard C. Schäfer vom Julius Kühn-Institut. Aber genau davor warnt der Experte für Pflanzengesundheit und er ist nicht der Einzige. Auch die Pflanzenschutzdienste der Bundesländer und das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) zeigen sich besorgt über derartige Sendungen.
Oft werden solchen Sendungen falsch deklariert und fallen nur deswegen auf. Auch fehlende Pflanzengesundheitszeugnisse, die bei Saatgut aus Nicht-EU-Ländern unbedingt erforderlich sind, sind für den Zoll ein triftiger Grund, die Waren zurückzuschicken. Aufgrund der schieren Menge der Sendungen schaffen solche Briefe es dennoch regelmäßig in private Briefkästen, vor allem in Hessen.
„Von solchem unbekannten Saatgut geht eine Gefahr aus“
Warum die Gratis-Saatgut-Sendungen so gefährlich sind, erklärt Bernhard C. Schäfer vom Julius-Kühn-Institut so: „Von solchem unbekannten Saatgut geht eine Gefahr für unsere Natur, das urbane Grün mit Gärten und Parks und sogar die Landwirtschaft aus. Denn es kann sich dabei um invasive Arten handeln, die sich unkontrolliert ausbreiten und heimische Pflanzen verdrängen. Das Saatgut kann außerdem von Krankheiten und Schädlingen befallen sein“, führt Schäfer weiter aus.
Neu sind solche unbestellten Saatgutsendungen aus China nach Angaben des JKI nicht. Bereits im Jahr 2020 gab es ähnliche Vorkommnisse. Die Motivation hinter den Saatgutsendungen ist bislang unklar. Wie schon im Sommer 2020 gemutmaßt, handelt es sich wahrscheinlich um einen sogenannten „Brushing Scam“.
So funktioniert ein Brushing Scam
Eine Person bekommt Pakete mit Waren, die sie nie bestellt hat. Hinter den Sendungen stehen internationale Drittanbieter, in diesem Fall aus China, die die Adresse im Netz gefunden haben. Ziel ist, den Eindruck zu erwecken, der Empfänger habe die Ware gekauft und positiv bewertet. In Wahrheit schreiben die Betrüger gefälschte Rezensionen im Namen des Empfängers. Diese Fake-Bewertungen pushen die Produkte künstlich nach oben und sollen echte Verkäufe ankurbeln. Da es sich meist um Billigware handelt, lohnt sich der Betrug für die Versender.
Auch die Zeitschrift GEO hat in einem kürzlich erschienen Heft über die Vorkommnisse in 2020 berichtet (Heft 07/2025, S. 68-84). Nach Recherchen des Magazins hat Deutschland seinerzeit diese Fälle auf EU-Ebene in verschiedenen Gremien angesprochen, wobei sich zeigte, dass auch andere Mitgliedstaaten betroffen waren. Das Fehlen des Pflanzengesundheitszeugnisses und die Falschdeklarationen stellen ein großes Risiko für die Pflanzengesundheit in der gesamten EU dar. Daher war man sich auf EU-Ebene einig, China über die Vorfälle zu unterrichten und die Einhaltung der zoll- und pflanzengesundheitlichen Bestimmungen einzufordern.
Saatgut im Briefkasten: So sollten Verbraucher darauf reagieren
Wer unbestelltes Saatgut aus China im Briefkasten findet, sollte dieses auf keinen Fall aussäen und die Tüten am besten über den Hausmüll entsorgen, keinesfalls über den Kompost oder die Biotonne. Bei privaten Bestellungen von Saatgut im Internet sollten Verbraucherinnen und Verbraucher darauf achten, woher das Saatgut geliefert wird und ob ggf. die pflanzengesundheitlichen Einfuhranforderungen erfüllt sind. Saatgutlieferanten außerhalb der EU müssen ihre Online-Kunden hierzu aufklären, gibt das JKI zu bedenken.
Invasive Pflanzen und Tiere eine Gefahr für die heimische Natur
Invasive Pflanzen und Tiere sind aufgrund der Globalisierung, aber auch wegen des Klimawandels eine echte Gefahr für die heimische Natur. Erst im Sommer 2025 musste in Freiburg aufgrund einer drohenden Japankäfer-Plage eine Sperrzone eingerichtet werden. Das hatte weitreichende Folgen für die Anwohnerinnen und Anwohner. Die Käfer zerstören Pflanzenbestände innerhalb kürzester Zeit. Ebenfalls im Süden Deutschlands sorgte im Sommer die Riesenameise „Tapinoma magnum“ für Aufsehen. Die Tiere bauen riesige, unterirdische Nester und gefährden damit Bauwerke. Und auch invasive Hornissenarten sind bereits auf dem Vormarsch.
