Asiatische Hornisse in Sachsen: Experten warnen vor Ausbreitung

Asiatische Hornissen in Sachsen? Experten sagen: Das ist nur eine Frage der Zeit. Wie man die Tiere erkennt, was bei einer Sichtung zu tun ist und warum „Vespa velutina nigrithorax“ so problematisch ist.
Boris Roessler/dpaExperten sind sicher, dass die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse in Sachsen lediglich eine Frage der Zeit ist. In Deutschland hat sich das invasive Tier bereits angesiedelt. Warum das problematisch ist, wie man die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) erkennt und welche Prognosen Wissenschaftler für die Ausbreitung der Art in Sachsen geben – ein Überblick.
Asiatische Hornisse in Sachen: „Nur eine Frage der Zeit“
Gesicherte Nachweise des Tieres gibt es dem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie zufolge bisher nicht im Freistaat. Dennoch ist sich Insektenexperte Matthias Nuß vom Naturschutzbund Nabu in Sachsen sicher: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die sich hier etablieren wird“. Und mehr noch: Es würde ihn wundern, wenn es einen Faktor gäbe, der die Verbreitung Richtung Osten verhindere.
Bisher gingen beim Landesamt jede Woche mehrere Meldungen über vermeintliche Asiatische Hornissen ein. Oft entpuppten sich die Tiere aber als heimische Hornissen oder Wespenarten wie die Borstige Dolchwespe. Nuß berichtet allerdings auch von einem Foto aus der Nähe von Zwickau, das eindeutig eine Asiatische Hornisse zeige. Es sei auf einer Insekten-Plattform online gestellt, später aber wieder gelöscht worden.
Hier hat sich die Asiatische Hornisse bereits angesiedelt
Laut dem Landesamt findet die Verbreitung derzeit vor allem in Hessen und Niedersachsen, aber auch in östliche Richtung statt. Ein Vorkommen der Art in Sachsen könne daher nicht ausgeschlossen werden. „Es ist auch immer möglich, dass einzelne Tiere über weitere Strecken unbemerkt transportiert werden.“ Eine Karte zeigt, dass bereits der gesamte Westen Deutschlands, von der Nordseeküste bis hinunter in den Schwarzwald, zum Zuhause der Hornissenart geworden ist.
Darum ist die Asiatische Hornisse in Deutschland problematisch
Asiatische Hornissen verhalten sich laut Umweltbundesamt in der Regel eher defensiv, das haben sie mit ihren europäischen Artgenossen gemeinsam. Aber: Wenn ihr Nest gefährdet ist, können die Tiere ein starkes Abwehrverhalten zeigen. Man solle daher immer einen Abstand von fünf Metern zu Nestern einhalten, raten Experten. Auf Stiche können Menschen laut Bundesamt für Naturschutz (BfN) allergisch reagieren, wie es auch bei heimischen Hornissen oder Wespen häufig vorkommt. In Spanien und Portugal habe die Anzahl der Fälle mit allergischen Reaktionen nach Stichen der Asiatischen Hornisse aber stark zugenommen, berichtet das BfN in einem Maßnahmenblatt.
Zum echten Problem wird das Tier für Honigbienenvölker. Die Hornissenart jagt Bienen, die laut Umweltbundesamt bis zu 80 Prozent der Beute ausmachen und somit zu einer Bedrohung der heimischen Imkerei führen. Die Honigbienen reagieren auf Bedrohungen vor dem Bienenstock unter anderem mit einem Rückgang der Flüge zur Futtersuche. Das Bundesamt für Naturschutz geht außerdem davon aus, dass die Asiatische Hornisse als invasive Tierart die Artenvielfalt an sich bedrohen könnte, da neben Honigbienen auch andere Insekten auf dem Speiseplan stehen. Auch mögliche Fraßschäden im Wein- und Obstbau gelten als problematisch.
Asiatische Hornisse in Sachsen erkennen und melden
Die Asiatische Hornisse ist schwarz gelb gefärbt und wirkt insgesamt etwas dunkler als die heimische Hornisse (Vespa crabro). Das auffälligste Unterscheidungsmerkmal sind die gelben Beine der asiatischen Art. Die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale im Überblick:
- Kopf: Die Asiatische Hornisse hat einen schwarzen Kopf mit oranger Stirn. Die Europäische Hornisse einen rötlich-schwarzen Kopf.
- Brust (Thorax): ist bei der Asiatischen Hornisse einheitlich schwarz, bei der Europäischen Hornisse rotbraun mit schwarzer V-Zeichnung.
- Hinterleib: Bei der Asiatischen Hornisse vorn schwarz, nur die Spitze ist orangegelb. Bei der Europäischen Hornisse ist der Hinterleib wechselnd rotbraun-schwarz, zur Spitze hin gelb mit schwarzer Zeichnung.

Die Asiatische Hornisse (links) und die Europäische Hornisse (rechts) im Vergleich.
Collage: Axel Heimken/Karl-Josef Hildenbrand/dpaWer vermutet, eine Asiatische Hornisse gesehen zu haben, kann den Fund per E-Mail an das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) melden. Die Adresse lautet Artenerfassung.LfULG@smekul.sachsen.de.
Wichtig sei dabei, unbedingt ein Foto mitzuschicken und – falls möglich – den genauen Fundort (Ort, Adresse, falls vorhanden: GPS-Daten). Im Falle eines Nestes ist zudem eine genauere Beschreibung des Nistortes (z.B. 10 m hoch im Baum, Hecke, Schuppen) hilfreich für die Behörden. Auch das Beobachtungsdatum, gegebenenfalls sogar die Uhrzeit sollten mit angegeben werden. Auf keinen Fall sollte versucht werden, die Tiere zu töten oder die Nester selbständig zu entfernen.
Nicht die erste invasive Tierart in Sachsen
Die Asiatische Hornisse ist nicht die erste invasive Art im Freistaat. In Leipzig hat sich, Meldungen vom Juni dieses Jahres zufolge, der amerikanische Sumpfkrebs angesiedelt. Forscher des Naturkundemuseums Leipzig wiesen die invasive Krebsart laut einer Mitteilung erstmals in der Stadt nach. Der Krebs überträgt die für ihn selbst harmlose, für einheimische Krebse jedoch tödliche Krebspest. Auch für Amphibien und Weichtiere stellt er eine Gefahr dar.
Eine weitere invasive Art bedroht zudem aktuell den Süden Deutschlands: der Japankäfer. In Freiburg musste Anfang August eine Sperrzone eingerichtet werden, um die weitere Ausbreitung des gefräßigen Käfers zu verhindern. Auch in Sachsen sind die Behörden alarmiert. Woran man den Japankäfer erkennt und was dann zu tun ist, haben wir hier zusammengefasst.
