Theater in Senftenberg: Brandenburgs Theaterchefs unterstützen Intendant Daniel Ris

In Turbulenzen: Die Nichtverlängerung des Intendanten der Neuen Bühne Senftenberg, Daniel Ris, sorgt überregional für Diskussionen.
Torsten Richter-Zippack- Vertrag von Intendant Daniel Ris in Senftenberg wird nach 2027 nicht verlängert – Gründe unklar.
- Intendanten aus Brandenburg und Deutscher Bühnenverein fordern transparente Erklärung.
- Ris' erfolgreiche Arbeit: Rekordauslastung und positive Resonanz in Presse und Publikum.
- Spekulationen über politische Einflussnahme – AfD-Stimmen könnten Rolle gespielt haben.
- Solidarität für Ris wächst, u. a. von Theaterkollegen und Kommentatoren im Kulturbereich.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
In einer gemeinsamen Erklärung haben sich die Intendanten der Brandenburgischen Bühnen mit dem Senftenberger Theaterleiter Daniel Ris solidarisiert. „Wir Intendant*innen der Theater in Brandenburg haben mit Befremden und Erstaunen die Entscheidung zur Nichtverlängerung des Intendanten der Neuen Bühne Senftenberg, Daniel Ris, zur Kenntnis genommen. In den vergangenen Jahren hat er gemeinsam mit seinem Team das Theater künstlerisch profiliert, neue Impulse gesetzt, das Publikum erweitert und das Haus in eine stabile Lage geführt. Vor diesem Hintergrund irritiert uns die Entscheidung – unabhängig von ihrer Ursache“, heißt es in der Erklärung.
Unterzeichnet haben sie Alexander Busche, der Intendant des Brandenburger Theaters, Bettina Jahnke, die Intendantin des Hans Otto Theaters Potsdam, Stefan Märki, der scheidende Intendant des Staatstheaters Cottbus, André Nicke, der Intendant der Uckermärkischen Bühnen Schwedt, Florian Vogel, der Künstlerische Leiter des Kleist-Forums Frankfurt (Oder) und Hasko Weber, der Intendant Staatstheater Cottbus (Interim 2025/26). Veröffentlicht wurde sie am 7. Juli.
Ende Juni war durch Recherchen von lr.de bekannt geworden, dass der das Theater Senftenberg finanzierende Zweckverband, bestehend aus dem Landkreis Oberspreewald-Lausitz und der Stadt Senftenberg, den Vertrag des Intendanten Daniel Ris nicht über das Jahr 2027 hinaus verlängern werden. Gründe für die Nichtverlängerung hatten weder der Landrat Siegurd Heinze (parteilos) noch der Bürgermeister der Stadt Senftenberg, Andreas Pfeiffer (CDU), angegeben.
Angesichts einer von Ris verantworteten sehr erfolgreichen Theaterarbeit der vergangenen drei Jahre mit Rekordauslastungszahlen für das Theater sowie sehr positiver überregionaler Resonanz bei Publikum und Fachpresse sorgt dieser Schritt seitdem für Befremden und Spekulationen.
Auch die Intendanten der Brandenburger Bühnen fordern in ihrem Schreiben eine Erklärung ein: „Umso wichtiger erscheint es uns, dass über die Gründe transparent kommuniziert wird. Eine solche Klärung liegt im Interesse aller Beteiligten: des Theaters, der Mitarbeitenden, der Stadtgesellschaft und nicht zuletzt auch des Landes. Gerade in Zeiten öffentlich geführter Spekulationen ist es von zentraler Bedeutung, Vertrauen in kulturpolitische Prozesse zu erhalten und Schaden vom Theaterstandort Senftenberg abzuwenden“, schreiben sie.
Intendant Daniel Ris: Auch Deutscher Bühnenverein schaltet sich ein
Erklärungen hat inzwischen auch der Deutsche Bühnenverein als Interessenvertretung deutscher Theaterleitungen eingefordert. Die Berichte über die Nichtverlängerung des Vertrags hätten „für erhebliche Irritationen“ gesorgt, heißt es in dem Schreiben, das lr.de vorliegt. Diese seien auch durch das gemeinsame Pressestatement von Stadt und Landkreis nicht ausgeräumt worden. „Ein öffentlich getragenes Theater ist kein Dienstleistungsbetrieb unter politischer Regie, sondern ein Ort, an dem sich eine demokratische Gesellschaft mit sich selbst auseinandersetzt. Damit Theater diese Aufgaben erfüllen kann, braucht es neben verlässlichen Strukturen vor allem ein Mindestmaß an Vertrauen“, heißt es weiter.
Genau das sieht der Bühnenverein durch das Vorgehen des Trägers nicht mehr gewährleistet: „Sie haben selbst zum Ausdruck gebracht, dass die Gründe für die Nichtverlängerung des Vertrags von Daniel Ris nicht im künstlerischen Bereich der Arbeit Ihres Intendanten liegen. Die wirtschaftlich-organisatorischen Kennzahlen der Neuen Bühne Senftenberg sind ebenfalls exzellent. Daniel Ris leistet offensichtlich genau das, was er als Intendant eines Theaters für Senftenberg und die gesamte Region leisten soll.“
Theater in Senftenberg: Steckt politische Einflussnahme dahinter?
Das Vorgehen nähre den Verdacht, „dass es auch Gründe der politischen Einflussnahme sein könnten, die Sie zu Ihrem Entschluss bewogen haben“, heißt es von Seiten des Bühnenvereins an die Adresse von Landrat Siegurd Heinze. Verbunden ist der Brief mit dem dringlichen Appell, das Gespräch mit Daniel Ris und den weiteren Zuschussgebern des Zweckverbands zu suchen, „um den bereits entstandenen großen Schaden für alle Beteiligten und die Neue Bühne Senftenberg zu begrenzen“. Unterschrieben ist das Schreiben von den Vorsitzenden der Intendantengruppe des Deutschen Bühnenvereins, Kathrin Mädler vom Theater Oberhausen und Markus Dietze vom Theater Koblenz. Daniel Ris, der sich mit Äußerungen gegenüber Presse und Öffentlichkeit bislang zurückhält, zeigt sich gleichwohl überwältigt von „so viel Solidarität“.
Der Verdacht politischer Motive wird auch in den Kommentarspalten des Theaterportals nachtkritik.de mehrfach geäußert: „Schaut man sich die Mehrheitsverhältnisse im dortigen Landkreis an, so wird klar, warum Daniel Ris gehen soll: Der parteilose Landrat braucht die Stimmen der AfD, und Ris ist das Bauernopfer“, schreibt dort der Regisseur und Autor Christoph Nix. „Ich finde, das ist echt eine Schande für die Niederlausitz, aber auch das gesamte Theaterdeutschland. Ris hat einen Topjob gemacht, vor allem im Musicalbereich“, schreibt eine anonyme „Beobachterin“.
Ungewöhnlich: Auf der Homepage des Landkreises Oberspreewald-Lausitz wurde währenddessen eine Korrespondenz mit dem Deutschlandfunk auf eine Anfrage hin (sowie der komplette Wortlaut dieser Anfrage) veröffentlicht.


