Theater in Senftenberg: Theaterleiter Daniel Ris wird nicht verlängert

Leitet das Theater in Senftenberg seit 2022: Intendant Daniel Ris. Nun wird sein Vertrag an der Neuen Bühne Senftenberg nicht verlängert.
Peter Aswendt- Theaterleiter Daniel Ris wird in Senftenberg nicht über 2027 hinaus verlängert. Gründe unklar.
- Ris brachte mit innovativen Ideen Rekorde: 65.000 Tickets in 2023/24, Vielfalt und Kinderstücke.
- Belegschaft fordert Klärung vom Zweckverband, dieser schweigt. Bürgermeister äußert sich nicht.
- Neubesetzung nötig, Planungen laufen langfristig. Geschäftsführer überrascht und besorgt.
- Ris bleibt bis 2027. Kritiker loben seine Arbeit, Zukunft des Theaters ungewiss.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Information kam per interner Hausmitteilung, direkt nach der erfolgreichen Sommertheater-Premiere von „Shakespeare in Love“ im Amphitheater Anfang Juni. In nüchternen Worten teilt Intendant Daniel Ris der Belegschaft mit, dass sein Fünfjahresvertrag vorfristig nicht verlängert worden sei. „Da ich die schöne und erfolgreiche Arbeit mit Euch gerne auch darüber hinaus fortgesetzt hätte, ist meine Enttäuschung groß“, heißt es in dem kurzen Schreiben, das der „Lausitzer Rundschau“ vorliegt.
Die Überraschung war groß: „Das hat mich aus den Socken gehauen“, beschreibt ein Ensemblemitglied die erste Reaktion, als die Mail im Postfach landete. Nicht-Vertragsverlängerungen nach nur einer Laufzeit gebe es bei Theatern sonst nur, wenn gravierende Vorfälle vorliegen.
Theater in Senftenberg: Über die Gründe ist nichts bekannt
Doch über die Gründe ist im Theater bislang nichts bekannt, die Resonanz auf die Produktionen in der Stadt und bei der Kritik waren durchweg positiv. Weshalb große Teile der Belegschaft der Neuen Bühne sich jetzt mit einem Brief an Landrat Siegurd Heinze gewandt haben, um die Gründe für die Entscheidung zu erfahren.
Vonseiten des Entscheidungsträgers ist keine Begründung für den Schritt zu erhalten. „Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz und die Stadt Senftenberg tragen das Theater Neue Bühne Senftenberg gemeinsam im Rahmen eines Zweckverbandes und stehen im regelmäßigen Austausch mit der Theaterleitung zur Entwicklung des Theaters, so auch in Fragen der künftigen Ausrichtung und personellen Entwicklung des Hauses“, heißt es in dürren Worten aus dem Büro des Landrats.
„Wir bitten um Verständnis, dass wir laufende Abstimmungen nicht kommentieren. Versichern können wir, dass über wesentliche Entwicklungen und relevante Angelegenheiten auch weiterhin mit angemessenem Vorlauf und in Abstimmung informiert wird.“
Keine Stellungnahme vonseiten des Bürgermeisters
Träger der Neuen Bühne Senftenberg, die 1946 als Stadttheater in einer ehemaligen Schule eröffnet wurde, ist ein kommunaler Zweckverband, bestehend aus dem Landkreis Oberspreewald-Lausitz und der Stadt Senftenberg, wobei der Landkreis 76 und die Stadt Senftenberg 24 Prozent der Anteile halten.
Der Zweckverband entscheidet auch über den Vertrag des Intendanten. Aber auch Senftenbergs Bürgermeister Andreas Pfeiffer (CDU) will derzeit nichts sagen. „Aktuell kann ich keine Stellungnahme zu der Personalangelegenheit abgeben.“ Dass es derzeit Diskussionen um die Personalie Ris gibt, streitet das Stadtoberhaupt jedoch auch nicht ab. Zum jetzigen Zeitpunkt werde er das aber nicht kommentieren.
Der 1965 in Leverkusen geborene Daniel Ris, der 2022 vom Theater Mayen nach Senftenberg berufen worden war, hatte die Neue Bühne mit ungewöhnlichen Aktionen in die Schlagzeilen gebracht. Der Regisseur trat beim Christopher Street Day in Cottbus auf, war auf dem Senftenberger Markt bei Demos gegen rechts dabei und hängte die Regenbogenfahne ins Foyer des Theaters, führte Diversity-Workshops und Open-Space-Versammlungen zu Spielzeitbeginn ein.
Ris, der auch eine Ausbildung als Systemischer Coach hat, begreift Theater als „Werkstatt der Demokratie“ und sorgte damit auch überregional für Aufmerksamkeit. Mehr als 65.000 verkaufte Tickets in der Spielzeit 2023/24 sind ein Besucherrekord, der in der 23.000-Einwohner-Stadt Senftenberg für sich spricht. Ris, das sagen viele Senftenberger, habe das Theater mit seinem erfrischenden Programm (auch wieder mit Kinderstücken) wieder populärer gemacht.
Der Vertrag von Theaterleiter Daniel Ris läuft noch bis 2027
Der Vertrag von Ris läuft noch bis 2027, es stehen also noch zwei Spielzeiten für ihn in Senftenberg an. Landrat Siegurd Heinze hingegen ist nur noch bis 2026 im Amt. Neubesetzungen von Stellen an Theatern und Opern sind Langzeitprojekte, da die Planungen oft mehrere Jahre im Voraus laufen. Insofern müsste eine Ausschreibung der Stelle tatsächlich zeitnah erfolgen.
Friedrich Rößiger, der kaufmännische Verwaltungsleiter der Neuen Bühne, blickt deshalb etwas sorgenvoll in die Zukunft. Rößiger, der seit einem Jahr als Verwaltungsleiter der Neuen Bühne fungiert, bezeichnet die Zusammenarbeit mit Daniel Ris als gut und hätte noch fünf weitere Jahre mit ihm zusammengearbeitet. Gleichwohl werde er auch mit dem Zweckverband weiter vertrauensvoll zusammenarbeiten.
Die Entscheidung des Landrats hat auch ihn überrascht, Gründe sind auch ihm nicht bekannt, erklärt er im Gespräch. Doch wichtig sei für ihn vor allem, das Haus gut zusammenzuhalten. Er hat dem Zweckverband daher auch erst einmal die Handreichung des Deutschen Bühnenvereins zur Besetzung von Leitungspositionen geschickt.


