Bekannt ist die deutsch-iranische Schauspielerin Jasmin Tabatabai vor allem aus der ZDF-Serie „Letzte Spur Berlin“ oder dem „Tatort“. Seit über 20 Jahren widmet sich die 55-Jährige außerdem erfolgreich ihrem Lieblingshobby, der Musik. Im Interview spricht sie darüber, warum der Jazz und das Chanson eine schöne Gattung für Schauspieler sind und über die bedeutende Arbeit der Aktivisten und Aktivistinnen im und außerhalb des Irans.

Frau Tabatabai, Sie sind von Beruf Schauspielerin, veröffentlichen aber auch schon Ihr drittes Album. Würden Sie sagen, dass Ihnen eines von beidem mehr am Herzen liegt?

Für mich ist beides sehr wichtig und ich mache beides wahnsinnig gerne. Es ist auch nicht so weit voneinander entfernt. Schauspielerin ist der Beruf, den ich gelernt habe und in dem ich das Privileg habe, seit über 30 Jahren zu arbeiten. Wenn man bedenkt, dass nur zwei Prozent der deutschen Film- und Fernsehschauspieler von dem Beruf leben können, ist das nicht selbstverständlich. Dafür bin ich sehr dankbar.

… und die Musik?

Da habe ich schon immer gesagt: Das ist eigentlich mein Lieblingshobby. In dem Fall war es mir sehr wichtig, dass das Ganze autark bleibt und ohne Druck oder finanzielle Erwartungen stattfindet. Damit ich die Möglichkeit habe, nur das zu machen, was mir wichtig ist. Weil es mir für meine Seele sehr wichtig ist, dass ich ab und zu auf der Bühne stehe und Musik mache. Und das habe ich mir auch so bewahrt. Insofern gehöre ich zu der Gattung der singenden Schauspielerinnen.
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Sie sagen, es ist beides nicht so weit voneinander entfernt. Inwiefern?

Es ist nur von der Form her anders. Das eine ist mit einem Text vor der Kamera spielen, das andere ist Singen. Aber letzten Endes kommt beides vom Geschichtenerzählen. Deswegen sind Chanson und Jazz eigentlich eine sehr schöne Gattung für Schauspieler. Schauspieler sind es gewohnt, Geschichten zu erzählen, sich fremde Texte zu eigen zu machen und sie so zu erzählen, als wären es ihre eigenen Erfahrungen. Sie sozusagen anzureichern mit persönlichen Erfahrungen. Am Ende geht es darum, Menschen zu berühren. Insofern hat es auch sehr viele Ähnlichkeiten.

Ihr Album „Jagd auf Rehe“ ist bereits das dritte, das Sie mit David Klein herausgebracht haben. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Es ist eine Geschichte, die sehr lange gewachsen ist. Wir kennen uns seit über 20 Jahren und haben zusammen auch schon zusammen Filmmusik gemacht. Mittlerweile machen wir seit 2011 gemeinsam Jazzprojekte. David Klein hat mich sozusagen zum Jazz gebracht.
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Songs von Annie Lennox und Schubert

Nach welchen Kriterien haben Sie die Songs für dieses Album ausgesucht?

Der rote Faden ist natürlich meine Person, meine Stimme und so, wie wir das als Gruppe interpretieren. Wir haben Musik ausgesucht, die uns gefallen hat, frei vom Genre und haben unsere eigene Version daraus gemacht. Wieso da ein Song von Annie Lennox oder Schubert ist, ist in dem Moment nicht wichtig.

Wenn Sie auf der Bühne sind und Geschichten erzählen, geht Ihnen da auch die Ihres Geburtslandes durch den Kopf, die gerade von bitteren Kämpfen geprägt ist?

Mir geht es da wie allen anderen Menschen auf der Welt, die mit Themen klarkommen müssen. In erster Linie muss ich mich weiterhin um meine Familie kümmern und auch weiterhin meinen Job machen. Es ist richtig, dass die Situation im Iran mich sehr beschäftigt. Das zeige ich ganz klar in den sozialen Medien. Aber mit den Konzerten, die ich mache, hat es letztendlich nichts zu tun.
Sicherlich werde ich auf meinem Konzert etwas über die Situation im Iran sagen. Es geht aber nicht darum, dass ich wahnsinnig von der Situation betroffen bin. Die wahren Betroffenen sind die Menschen im Iran. Sie müssen trotz allem funktionieren. Nichts, was ich hier tue, ist auch nur im Ansatz so hart und so schwer wie das, was die Iraner unter den Umständen, in den sie leben, täglich machen müssen.

Aktivisten aus dem Ausland versuchen, die Menschen in ihrem alltäglichen Kampf zu unterstützen. Worin genau besteht ihre Arbeit?

Wir versuchen letztendlich die Stimmen, die aus dem Iran kommen zu verstärken. Und zwar so, dass die Weltöffentlichkeit es nicht wieder ignoriert, wie es oft in der Vergangenheit der Fall war.
Was die Exiliraner seit vier Monaten machen, ist nicht für die Leute zu sprechen, sondern sie versuchen die Reichweite, die sie hier haben zu nutzen, um die Stimmen dort hörbar zu machen, sie also zu verstärken. Die Menschen hier haben es sich zur Aufgabe gemacht, das Geschehen nicht aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden zu lassen. Denn die internationale Aufmerksamkeit ist erwiesenermaßen das einzige, was die Menschen im Iran ein wenig schützt.

Jasmin Tabatabai: „Viele haben ein falsches Bild vom Iran gehabt“

Die anhaltende Militärgewalt erweckt dennoch den Eindruck, dass das Regime sich von der ausländischen Bewegung nicht beeinflussen lässt.

Richtig, aber es passiert nicht mehr im Verborgenen, wie bisher. Das ist der große Unterschied. Denn die islamische Republik ist es gewohnt, im Verborgenen zu morden. Es ist außerdem das Narrativ des Regimes, den Menschen einreden zu wollen, dass ihr Widerstand nichts nutzt.
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Es wäre eigentlich Aufgabe unserer öffentlichen Medien, die Aufmerksamkeit hochzuhalten und diesen tapferen Kampf der Iranerinnen und Iraner wertzuschätzen. Denn eine Öffentlichkeit, die sich äußert und Druck aufbaut, hat Einfluss auf unsere Politik, die immer noch Geschäfte mit totalitären Staaten macht.
Das passiert aber leider zu wenig. Man behält da eher eine abwartende Haltung und möchte schauen, was noch passieren könnte. Und wenn das Regime das Internet ausstellt und die Bilder weniger werden, dann verliert man schnell das Interesse. Daher versuchen es die Aktivisten selbst öffentlich zu machen, damit diese Morde wenigstens nicht mehr im Verborgenen stattfinden.

Mediale Aufklärung ist also weiterhin wichtig?

Ja, man bekommt sehr viel Feedback von Menschen, die sagen, sie sehen zum ersten Mal, was da passiert. Das war mir so gar nicht bewusst.
Viele haben ein falsches Bild vom Iran gehabt. Man dachte, dass die Menschen dort nun einmal so sind und man könne nichts dagegen machen. Plötzlich sieht man aber, dass die Bevölkerung es offensichtlich nicht will, sich sogar vehement dagegen wehrt, und zwar mit leeren Händen und Frauen, die sich den Schleier herunterreißen. Musliminnen, die sagen, sie wollen den Schleier nicht tragen. Haben Sie solche Bilder schon gesehen?

Jasmin Tabatabai im Staatstheater Cottbus

Im Staatstheater Cottbus stellt Jasmin Tabatabai zusammen mit dem David Klein Quintett die Songs aus ihrem aktuellen Album „Jagd auf Rehe“ vor. Termin: Sonntag, 22. Januar, 19 Uhr, Staatstheater Cottbus, Großes Haus Tickets gibt es hier.
Jasmin Tabatabai ist eine deutsch-iranische Schauspielerin und Musikerin. Sie wurde 1967 im Iran geboren und verließ das Land mit ihrer Familie im Alter von 12 Jahren, als die Islamische Revolution begann. Als Schauspielerin ist sie vor allem bekannt als Kommissarin in der ZDF-Serie „Letzte Spur Berlin“ und aus dem „Tatort“. Das Album „Jagd auf Rehe“ ist bereits das dritte Album, das sie in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Musiker, Komponisten und Produzenten David Klein veröffentlicht.
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