Filmfestival Cottbus 2024
: Das sind die Gewinner

Fünf Tage war Cottbus Kinostadt - nun stehen die Gewinner des 34. Filmfestivals fest.
Von
Barbara Breuer
Cottbus
Jetzt in der App anhören
Am Sonnabend (11. November) fand die Preisverleihung der 33. Auflage des Filmfestival Cottbus im Club „Scandale“ statt – überreicht wurden die Lubinas.

33. FilmFestival Cottbus
Preisverleihung am Samstagabend im Club "Scandale"

Aufgereiht - die Hauptpreise, die Lubinas.

Am Sonnabend (9. November) fand die Preisverleihung der 33. Auflage des Filmfestival Cottbus statt – überreicht wurden die Lubinas.

Michael Helbig
  • Das 34. Filmfestival Cottbus 2024 endete mit Preisverleihung.
  • Hauptpreis für "WHEN THE PHONE RANG" von Iva Radivojević (15.000 EUR).
  • Beste Regie: Pavlo Ostrikov für "U R THE UNIVERSE" (7.500 EUR).
  • Publikumspreis: "U R THE UNIVERSE" (3.000 EUR).
  • 35. Filmfestival Cottbus findet vom 4. bis 9. November 2025 statt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Das 34. Filmfestival 2024 in Cottbus ist beendet. Welche Filme mit Preisen ausgezeichnet wurden und wie die Bilanz die Festivalleitung ausfällt.

„Osteuropa wird oft durch negative Schlagzeilen wahrgenommen, doch dieser Festivaljahrgang zeigt eindrucksvoll die Vielfalt und Tiefe, mit der Menschen vor Ort ihrer Realität begegnen“, stellt Programmdirektor Bernd Buder fest und betont: „Das Filmfestival Cottbus schafft dabei eine Plattform für offenen Austausch auf Augenhöhe, wo die oft unausgesprochenen ‚Elefanten im Raum‘ direkt benannt werden können – und das, ohne sich von ihnen erdrücken zu lassen.“

Filmfestival Cottbus: diese Filme werden am Sonntag gezeigt

Der Festival-Sonntag beginnt mit dem MÄRCHEN VON DER SILBERNEN BRÜCKE in der Stadthalle. Zeitgleich wird im Weltspiegel Saal 2 der Wettbewerb Kurzfilm in zwei Blöcken wiederholt. Um 17 Uhr folgt zudem der Publikumsliebling OUR LOVELY PIG SLAUGHTER und anschließend um 20 Uhr der Gewinnerfilm U R THE UNIVERSE, ebenfalls im Weltspiegel Saal 2.

Insgesamt sind am Sonntag (10.11.) noch 49 Filme zu sehen. Geschäftsführer Andreas Stein resümiert bereits jetzt: „Jeder einzelne Tag auf dem 34. FilmFestival Cottbus war ein Genuss für mich. Eine wunderbare, fast schon familiäre Atmosphäre in den einzelnen Spielstätten, zahlreiche sehr gut besuchte Filmvorführungen, intensive und spannende Diskussionen auf unseren Panels, in den Kinofoyers oder auch in Cafés und bei den abendlichen Partys. Ich bin dankbar und stolz, Teil dieses wunderbaren Festivals und Festivalteams zu sein. Inhaltlich denken wir jetzt schon an den nächsten Jahrgang. Das 35. FFC findet vom 4. bis 9. November 2025 statt.“

Lubina für den besten Film

Regisseurin Iva Radivojević darf sich über den Hauptpreis des 34. FilmFestival Cottbus freuen. Damit wird die serbische Produktion WHEN THE PHONE RANG mit dem mit 15.000 EUR dotierten Preis ausgezeichnet. Der Film gewinnt den Hauptpreis „für die authentische Erzählung eines auseinanderfallenden Landes und seine einzigartige, poetische Filmsprache, die die persönlichen Gefühle eines Mädchens im Teenageralter, den kollektiven Schmerz und die politischen Ereignisse bei der Wiedergabe von Erinnerungen feinfühlig ausbalanciert.“ Gestiftet wird der Hauptpreis für den besten Spielfilm vom Medienboard Berlin-Brandenburg.

Der Beitrag spielt zwar in Ex-Jugoslawien, steht aber auch für Länder wie die Ukraine, den Sudan oder Palästina, aus denen Menschen vertrieben werden. „Als das Telefon klingelte war es Freitag, 10.36 Uhr morgens, 1992 und das Land existierte noch“, mit demselben Refrain und demselben Bild einer tickenden Küchenuhr beginnen die folgenden Episoden, in denen eine weibliche Stimme aus dem Hintergrund in Fragmenten erzählt, was die Elfjährige Lana fühlt und denkt. Das Telefon fungiert dabei wie eine Art Zeitmaschine, die alles zurückspult auf den Moment, als die Welt noch vertraut war: Lana spielt mit ihrem Freund, tanzt mit dem Nachbarsjungen oder kommt mit ihrer Schwester von der Schule. Der normale Alltag einer Elfjährigen. Außergewöhnlich ist, was drumherum passiert und unaufgeregt von der Erzählerin vorgetragen wird, aber nur selten zu sehen ist. Jede Episode steht für sich und beschreibt jeweils unterschiedliche Gefühlslagen zum herannahenden Kriegsbeginn.

„In ihrem jungen Geist, war es dieser Anruf, der den Krieg auslöste“, heißt es in der ersten Episode. Dabei hatte das Telefon geklingelt, weil der Opa verstorben war. Wenig später sprechen Stimmen im Radio über Frontlinien und das Rote Kreuz. Lana sitzt im Auto mit ihrer Schwester und den Eltern, die in keiner Episode mit ihr interagieren: Und die Familie flieht nach Sofia. Auch Iva Radivojevic flüchtete aus Jugoslawien und wuchs auf Zypern heran.

Die „authentische Erzählung eines auseinanderfallenden Landes und seiner einzigartigen, poetischen Filmsprache, die die persönlichen Gefühle eines Mädchens im Teenageralter, den kollektiven Schmerz und die politischen Ereignisse bei der Wiedergabe von Erinnerungen feinfühlig ausbalanciert", haben die Internationale Festivaljury überzeugt. Gedämpft und von vielem überlagert, beschreibt die Regisseurin Lanas verblassende Erinnerungen stellvertretend für die vielen Menschen, die vor Kriegen fliehen und alles zurücklassen müssen.

Mit einer lobenden Erwähnung von der Internationalen Festivaljury bedacht wird GOOD CHILDREN (HR, 2024) von Filip Peruzović für einen Film, der „mit viel Liebe zum Detail den Zuschauer zärtlich durch zerbrechliche Räume und Erinnerungen navigiert, in denen nie ausgesprochene Fragen und unausgesprochene Gedanken zusammen mit den vertrauten Hänseleien zwischen Geschwistern zusammenkommen und Heilung versprechen.“

Lubina für die beste Regie

Den Spezialpreis für die beste Regie, gestiftet vom Rundfunk Berlin Brandenburg, dotiert mit 7.500 EUR, erhält Pavlo Ostrikov für U R THE UNIVERSE (UA/BE, 2024). Mit dem Ein-Mann-Stück über den vermutlich letzten Menschen der Welt schafft Ostrikov für die Jury „ein überzeugendes und vielschichtiges Universum, das uns daran erinnert, wie wichtig menschliche Beziehungen in den dunkelsten Zeiten sind.“

Als vermeintlich letzter überlebender Mensch fühlt sich der Raumfahrer Andrij Melnik nach der Explosion der Erde zunächst ganz wohl. Bis der Funkspruch einer Raumfahrerin ihn aufwühlt. Wie sieht sie aus? Wer ist diese Frau? Und was fühlt sie? Andrij Melnik verliebt sich und legt mit dem beschädigten Raumschiff Millionen von Kilometern für die Frau seiner Träume zurück. Wären da nicht der herumfliegende Weltraumschrott und der auf Andrijs Überleben programmierte Board-Computer…

„U are the Universe“ ist eine berührende Tragikomödie, die wohl ohne das Filmfestival Cottbus nicht entstanden wäre. Dort hatte Regisseur Pavol Ostrikov 2019 seine Idee vorgestellt und sie dann trotz vieler Widrigkeiten während des Ukraine-Krieges verwirklicht.

Lubina für die herausragende darstellerische Einzelleistung

Eva Samioti freut sich über den mit 5.000 EUR dotierten Preis für eine herausragende darstellerische Einzelleistung. In RIVIERA (GR/FR, 2024) überzeugt sie die Internationale Festivaljury, „mit einer mutigen und vielschichtigen Darbietung über das Heranwachsen.“

Hauptpreis des Wettbewerbs Kurzfilm

Der Hauptpreis des Wettbewerbs Kurzfilm geht an den Film BURNING SUN von Nutsa Tsikaridze. Die georgische Produktion „führt uns zurück zur Unschuld und Verletzlichkeit der Kindheit“, so die Kurzfilm-Jury und weiter: Der Film „kommuniziert nicht auf einer rationalen, sondern auf einer sinnlichen und emotionalen Ebene“.

Spezialpreis

Der Regisseur Marcell Farkas gewinnt den Spezialpreis für seinen Film AGE OF THE DRAGON. Das ungarisch-österreichische Werk ist ein düster-romantisches Drama über Liebe, Hingabe und Verhängnis in einer dystopischen Welt. „Die lyrische Erzählweise dieses Films hinterlässt eine mythische Erfahrung, die uns auf bewusster und unterbewusster Ebene berührt, so die Begründung der Kurzfilmjury.“

Hauptpreis des U18 Wettbwerbs Jugendfilm

WET MONDAY gewinnt den U18 Wettbewerb Jugendfilm. Die polnisch-estnisch-tschechische Produktion von Justyna Mytnik, ist ein düsteres, magisch-realistisches Coming-of-Age-Drama." Die Annäherung an das Thema sexuelle Gewalt ist für uns gut gelungen. Die verschiedenen Aspekte der Problematik wurden beleuchtet und greifbar gemacht. Der Film zeigte, wie unterschiedlich jeder Mensch auf traumatische Erlebnisse reagiert. Beeindruckend war die subtile Verschmelzung von Realität und Albträumen der Protagonistin, die ihren inneren Konflikt widerspiegeln.", so die Begründung der Jury, die aus Schülerinnen des Ludwig-Leichhart-Gymnasiums Cottbus, des Niedersorbischen Gymnasiums Cottbus und des Gymnáziums Teplice besteht.

PUBLIKUMSPREIS, gestiftet von der Lausitzer Rundschau

Der Publikumspreis des 34. FFC geht an den Film U R THE UNIVERSE von Pavlo Ostrikov. Der mit 3.000 EUR dotierte Preis wird gestiftet von der Lausitzer Rundschau.

Förderpreis der Stiftung für das sorbische Volk

Der Förderpreis der Stiftung für das sorbische Volk, dotiert mit 3.000 EUR, wird verliehen an die Filmemacherin Maja Nagel, die sich in ihrem filmischen Werk in inhaltlich und künstlerisch herausragender Weise mit sorbischer/wendischer Kultur, Geschichte und Sprache auseinandersetzt. Akcija! – der Filmförderpreis/filmowe spěchowańske myto, dotiert mit 3.000 EUR, geht an Nestor Grischin.

DIALOG-Preis für die Verständigung zwischen den Kulturen

ZINEMA (Kornii Hrytsiuk, UA/LU, 2024)
1.500 EUR gestiftet von Rotary Club Cottbus
Jurybegründung:  „Unsere Wahl für den Dialogpreis geht jedoch an einen Film, der sich durch seinen Mut und seine Provokation bei der Förderung der interkulturellen Reflexion auszeichnet. Der Film ZINEMA zeigt, wie weit die Propaganda der russischen Regierung in der Filmindustrie und den Medien verbreitet ist, und hilft uns, über die globalen Auswirkungen dieses Themas nachzudenken.“

Preis für den besten Debütfilm

78 Days (Emilija Gašić, Serbien, 2024)

3.000 EUR gestiftet von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg und der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF

Jurybegründung: „Wir sind sehr beeindruckt von den couragierten und konsequenten künstlerischen Entscheidungen des Films. Sowohl die beeindruckende Leistung der Schauspieler als auch die ausschließliche Verwendung der Home-Video-Ästhetik verleihen dem Film ein starkes Gefühl von Realismus und Authentizität. Sein Stil und seine Inszenierung lassen uns mit bemerkenswerter Intimität das Leben der drei jungen Protagonisten in der begrenzten Szenerie einer durch den Kosovo-Krieg unter Quarantäne gestellten Familie erleben. Das hat eine unheimliche Aktualität, die uns heute umso mehr beunruhigt und berührt. Der Debütfilmpreis ehrt einen Regisseur, von dem wir uns noch viele mutige und kritische Filme wünschen.“

FIPRESCI-Preis

WHEN THE PHONE RANG (Iva Radivojević, RS/USA, 2024)
Jurybegründung: „Das Kino ist eine Zeitmaschine und eine Maschine, die mit der Zeit arbeitet; es katapultiert uns nicht einfach in bestimmte Momente zurück, sondern es organisiert unsere Erfahrungen durch das Zusammenspiel von Bild und Ton neu. In dem Beitrag, den wir heute würdigen möchten, wird der Film zum Medium einer unmöglichen Erinnerung: Das Unbewusste, das Traumatische konfiguriert sich neu in Aufnahmen, die von einer ergreifenden Schönheit zusammengehalten werden. Die unwiederbringliche Vergänglichkeit des Lebens wird schmerzlich deutlich. Durch intensive Erinnerungen an alltägliche Momente, die in viszeralen Bildkompositionen präsentiert werden, entstehen Eindrücke eines persönlichen und gesellschaftlichen Zerfalls, die im Moment des Geschehens zu traumatisch waren, um sie zu begreifen oder gar zu erleben. Wir möchten einen Film würdigen, dessen Melancholie berührt, weil er die Nachwirkungen des Jugoslawien-Krieges vermittelt, der aber auch von etwas Universellem erzählt, ein Gefühl hervorruft, das zeitlos ist, übertragbar auf andere Situationen des gesellschaftlichen Zusammenbruchs heute.“

Preis der Ökumenischen Jury

GOOD CHILDREN (Filip Peruzović, HR, 2024)
Jurybegründung: „Wir waren beeindruckt von der unaufgeregten und ruhigen Darstellung verschiedener Traueransätze zusammen mit den Geräuschen des Hauses und der Natur, die sich immer wieder in Stille auflösten. Dies erzeugte eine einzigartige Atmosphäre. Beeindruckt hat uns auch die komplexe Geschwisterbeziehung auf der einen Seite, die sich gleichzeitig in der Einfachheit der Bild- und Filmsprache widerspiegelt.“

Cottbus Newsletter
Mittwoch um 18.00 Uhr
Der wöchentliche Newsletter aus Cottbus und Umgebung mit exklusiven Geschichten rund um die Heimat der Krebse. Entdecken Sie die aktuellen Top-Storys und den Redaktionstipp fürs Wochenende direkt für Sie aufbereitet.