Filmfestival Cottbus 2023: Filmtipp – „Ostrov“ (Island) ist in Tschechien ein Hit

Gestrandet: Jana Plodková und Jiri Langmajer als Alice und Richard in "Ostrov" (Island). Der Film läuft beim Filmfestival in Cottbus in der Sektion "Hits"
Logline Production/FFCSie machen Urlaub im Paradies und gehen emotional durch die Hölle: Richard und Alice sind seit 20 Jahren verheiratet. Auf Wunsch ihrer Tochter sind sie nach Thailand gereist. Und während der arrogante Architekt noch dies und das mit dem Rechner auf dem Schoß am weißen Palmenstrand erledigen muss, spürt seine Frau sich einsam in der Zweisamkeit.
Bei einem Abendessen vor traumhafter Kulisse platzt Richard der Kragen: Er hat eine Geliebte und will schon lange die Scheidung. Sie daraufhin die Abreise. Sofort. Mit einem alten Frachtenflieger treten sie am nächsten Tag die Rückreise an. Und stürzen ab.
Zu zweit auf einer einsamen Insel
Auf einer einsamen Insel gestrandet, muss das eingespielte Paar zusammenhalten und kooperieren. Doch das ist gar nicht so einfach, wenn der eine dem anderen nicht mehr vertraut und beide schlicht und einfach die Nase voll haben voneinander.
Die Produktion „Ostrov“ (Insel) von Rudolf Havlik ist auf dem Cottbuser Filmfestival in der Reihe „Hits“ zu sehen. 300.000 Tschechen sahen den Streifen und kürten ihn damit zum Kassenschlager. Für unser Nachbarland sehr ungewöhnlich: Ein Film vor exotischer Kulisse. Auch deshalb kommt der Beitrag wie ein tschechisches Remake von Ivan Reitmanns „Six Days, Seven Nights“ von 1998 daher.
Regisseur Rudolf Havlik ist eigentlich Grafiker von Beruf. Doch er schreibt auch leidenschaftlich gern Drehbücher und ist Regisseur. Jede freie Minute nutzt er zum Reisen – am liebsten nach Asien. Viele seiner Erlebnisse hat er als Blogger dokumentiert und wurde dafür schon zwei Mal zum „Blogger des Jahres“ gekürt. Vielleicht kommt bald eine weitere Trophäe hinzu: Die Lubina für den Publikumsliebling. Im vergangenen Jahr haben die Zuschauer einen tschechischen Film zu ihrem Favoriten gekürt.
Auch in diesem Jahr stehen die Chancen gut: In seinem jüngsten Werk gelingt Rudolf Havlik ein amüsanter Rosenkrieg, der leichte Kost vor ernstem Hintergrund präsentiert. Dazu tragen vor allem die beiden Hauptdarsteller bei: Jana Plodková und Jiri Langmajer schaffen es, ohne Fremdschäm-Momente ein Ehepaar zu verkörpern, das vergessen hat, wie es ist, den anderen zu sehen. Sie liefern sich spritzige Wortgefechte und nutzen beide schamlos die Tatsache aus, dass der eine den anderen kennt wie seine Westentasche. Ein kurzweiliger Film, der das Publikum auf eine einsame Insel entführt und dabei den Beziehungsalltag seziert. Auch wenn das Ende vorhersehbar ist, lässt sich mit „Island“ ein heiterer Kinoabend verleben.
„Ostrov“ (Island) läuft am 8.11., 21.30 Uhr, im Weltspiegel (Großer Saal) und am 12.11., 13.30 Uhr, im Obenkino. Tickets gibt es hier.

