Filmfestival Cottbus 2023: Filmtipps für das Festival des osteuropäischen Kinos

„Apokawixa“ („It Came Frome the Water“) von Xawery Zulawski
Filmfestival CottbusDas Filmfestival Cottbus hat schon immer mit programmatischer Vielfalt geglänzt. In diesem Jahr sind 150 Filme aus 40 Produktionsländern zu sehen. Um die Entscheidung ein wenig zu vereinfachen, stellen wir eine Handvoll Filme aus dem Hauptwettbewerb Spielfilm vor, bei denen sich der Kinobesuch ziemlich sicher lohnt. Mit dabei eine freche Satire, ein Zombie–Streifen und sogar eine orthodoxe Kung–Fu–Komödie.
„Patient No. 1“ (Georgien)

„Patient No. 1“ von Rezo Gigineishvili
Filmfestival CottbusIn der Sowjetunion stehen Wahlen bevor und der Generalsekretär ist todkrank — für den ohnehin fragilen Machtapparat kein kleines Problem. Die Lösung? Das Staatsoberhaupt um jeden Preis am Leben erhalten und den Gesundheitszustand des Diktators vor dem Volk verheimlichen. Mit „Patient No. 1“ legt der georgische Regisseur Rezo Gigineishvili einen klugen Film vor, der eine Parabel der Macht und Ohnmacht zugleich ist. Als Kulisse mag dem in Russland gedrehten Film die Sowjetunion Mitte der Achtziger dienen. Doch an der Macht klammernde Autokraten in bröckelnden Imperien sind nicht nur Stoff aus der Vergangenheit. Ein gleichermaßen unterhaltsamer wie aktueller Film also. Und ein vielversprechender Anwärter für eine Lubina. Die Filmlegende Werner Herzog zeichnete „Patient No. 1“ jedenfalls bereits Anfang Oktober mit dem nach ihm benannten Preis aus.
Spielzeiten von „Patient No. 1“ sind 10. November, 22 Uhr (Stadthalle) und 11. November, 10 Uhr (Weltspiegel Saal 2). Tickets gibt es hier.
„Apokawixa“ / „It Came Frome the Water“ (Polen)

„Apokawixa“ („It Came Frome the Water“) von Xawery Zulawski
Filmfestival CottbusAdjektive, mit denen man Xawery Żuławskis Film „Apokawixa“ („It Came Frome the Water“) umschreiben kann, gibt es so einige. Wild dürfte jedenfalls eines der angemesseneren sein. Ein privilegierter Millionärsspross hat sturmfrei und lädt zur Party in die elterliche Villa an der Ostseeküste. Doof nur, dass Papa sein Geld mit dem Ablassen giftiger Chemikalien ins Wasser verdient. Badende Gäste verwandeln sich so in Zombies. Nicht nur sie crashen die Party, sondern auch noch die Mafia und stadtbekannte Hooligans. Am Ende bleibt nur eine kleine Gruppe Unverwandelter zurück — auch dank der Hilfe eines schrulligen Apokalyptikers. Ein wilder Ritt also — der durch das Fischsterben in der Oder gruselige Relevanz bekommt.
Spielzeiten von „Apokawixa„ sind 8. November, 21 Uhr (Stadthalle) und 9. November, 15.30 Uhr (Weltspiegel Saal 2). Tickets gibt es hier.
„Stale niestala“ / „Imago“ (Polen)

„Stale niestala“ („Imago“) von Olga Chajdas
Filmfestival CottbusEin Film, der im Polen des Jahres 1987 spielt — und nicht von Lech Walęsa und der Solidarność handelt. Die aus Posen stammende Regisseurin Olga Chajdas hat sich für „Stale niestala“ („Imago“) eine andere, weniger bekannte Gallionsfigur dieser Zeit herausgesucht: Ela Góra. Der Film führt in die polnische Post–Punk–Szene Ende der Achtziger und damit in schwitzige Clubs, verrauchte Partys und einen Eskapismus in der Enge des Regimes. Doch Chajdas es um mehr als eine Milieu–Studie. Sie zeigt Góras Kampf mit einer bipolaren Störung und ihre Herausforderungen, ein Kind allein großziehen zu müssen. Die Story beruht auf wahren Begebenheiten. Umso nahbarer wird dies, da Co–Autorin und Hauptdarstellerin Lena Góra darin ihre eigene Mutter spielt.
Spielzeiten von „Stale niestala„ sind 9. November, 16 Uhr (Stadthalle) und 10. November, 22 Uhr (Weltspiegel Saal 2). Tickets gibt es hier.
„Háromezer számozott darab“ / „Three Thousand Numbered Pieces“ (Ungarn)

„Háromezer számozott darab“ („Three Thousand Numbered Pieces“) von Ádám Császi
Filmfestival CottbusIn seiner Adaption des Theaterstücks „Gypsy Hungarian“ nimmt sich der ungarische Regisseur und Orbán–Kritiker Ádám Császi einem Reizthema an: Wokeness und Political Correctness. Im Zentrum von „Háromezer számozott darab“ („Three Thousand Numbered Pieces“) steht ein Theaterstück, in dem Rom*nja wie im Zoo ausgestellt werden. Die Idee dahinter stammt von vermeintlich fortschrittlichen Gutmenschen, doch die interessieren sich herzlich wenig für die eigentlichen Belange der Rom*nja und. Anstatt Kämpfer gegen Diskriminierung zu sein, entpuppen sich die Theatermacher als gar nicht mal so latente Rassisten. In seiner Satire nimmt Ádám Császi kein Blatt vor den Mund — stattdessen macht er sich auf, Ambivalenzen und Scheinheiligkeiten zu entlarven. Großes Kino.
Spielzeiten von „Háromezer számozott darab„ sind 10. November, 17 Uhr (Stadthalle) und 11. November, 16 Uhr (Weltspiegel Saal 2). Tickets gibt es hier.
„Nähtamatu võitlus“ / „The Invisible Fight“ (Estland)

Auch die estnische Kung-Fu-Komödie „Nähtamatu võitlus“ („The Invisible Fight“) von Rainer Sarnet läuft auf dem Filmfestival Cottbus 2023
Homeless Bob ProductionWer noch immer an der kreativen Vielfalt des osteuropäischen Kinos zweifeln sollte, dürfte nach dem Besuch von „Nähtamatu võitlus“ („The Invisible Fight“) Gewissheit haben: hier wird sich noch etwas getraut. Anders ist es wohl kaum zu erklären, wie ausgerechnet aus Estland eine Kung–Fu–Komödie mit Heavy Metal–Anleihen kommen kann. Doch genau das hat Rainer Sarnet mit „Nähtamatu võitlus“ vorgelegt. Statt um fernöstliche Shaolin geht es in seinem Film um ein osteuropäisch–orthodoxes Kloster voller fliegender Mönche — und um die Geheimnisse des „Black Metal Kung Fu“. Ein herrlich verrückter Stilmix, der gekonnt zwischen Action und Absurdität, Liebe und Lachern changiert.
Spielzeiten von „Nähtamatu võitlus„ sind 9. November, 21 Uhr (Stadthalle), 10. November, 13.30 Uhr und 16.30 Uhr (Weltspiegel Saal 2). Tickets gibt es hier.


