Filmfestival Cottbus 2022: „Oameni de treabă“ – Wettbewerbsfilm über Korruption in Rumänien

Dorfpolizist im kriminellen Sumpf: Ilie (Iulian Postelnicu) kann nach einem Mord nicht mehr einfach wegsehen. Ausschnitt aus „Oameni de treabă“ (Men of Deeds), der im Wettbewerb des 32. Filmfestivals Cottbus läuft.
PatraspanouEinmischungen von außen sind im rumänischen Dorf Babuleni nicht gern gesehen. Man regelt die Dinge lieber auf eigene Weise. So hat man es in dem verschlafenen Hinterland schon immer gehalten. Doch ein Mord sprengt das durchtriebene Gefüge – und lässt einen Polizisten in blutige Abgründe blicken.
In seinem vierten Spielfilm widmet sich der 38-jährige Regisseur Paul Negoescu dem Schwarzhandel an der Grenze zu Moldawiens. Und zeigt, dass auch jene, die die Augen vor kriminellen Strukturen verschließen, nie ohne Schuld bleiben.
Worum geht es in dem Film?
Ilie (Iulian Postelnicu) steckt fest. Wenn der Dorfpolizist nicht gerade Wildanglern die Leviten liest, sitzt er rauchend vor der halb-verwaisten Wache. Lethargisch schlurft er durch sein Revier. Der Boreout, jener Zustand krankhafter Unterforderung, scheint unmittelbar bevorzustehen. Auch privat wollte er längst weiter sein. Der stille, leicht reizbare und auch sonst eher sonderbare Single träumt von einer Partnerin, die ihn nach Feierabend herzlich empfängt, von Kindern, die er mit Geschichten in den Schlaf wiegen kann. Sein Plan: ein eigener Obstgarten. Ein solcher wäre doch ein geeignetes Fundament für ein Familienidyll.

Will eigentlich nur einen Obstgarten: Ilie (Iulian Postelnicu, r.) im Gespräch mit seinem Bruder (Vitalie Bichir).
PatraspanouBei den Dorfoberen, allen voran dem Bürgermeister und dem örtlichen Priester, ist Ilia wohl gelitten. Immerhin ermöglicht ihnen dessen Teilnahmslosigkeit ein reges kriminelles Treiben und einen lukrativen Verkauf von Schmuggelware. Doch als sich die grauen Eminenzen Babulenis auf brutale Weise eines Widersachers entledigen, wacht selbst der somnambule Dorfpolizist auf. Was folgt, ist eine Kaskade dunkler Ereignisse, in deren Lauf immer Menschen zu Schaden kommen. Vor dem korrupten Sumpf, der auch ihm zum Vorteil gereichte, kann Ilia die Augen nun nicht länger verschließen.
Was macht „Oameni de treabă“ sehenswert?
Der Filz der Korruption ist dem rumänischen Staat keineswegs fremd. Paul Negoescu zeigt am Beispiel eines trägen Dorfpolizisten, wie bequem es sein kann, sich in einem solchen System einzurichten – und wie schwer, ja auch gefährlich es ist, sich davon zu freizumachen.
Getragen wird die Handlung dabei vom darstellerischen Geschick Iulian Postelnicus, der über 100 Minuten lang ein beeindruckendes Emotionstableu entwirft, das von Lethargie bis alles verzehrender Frustration reicht. Vorangetrieben wird der Film dabei von Krimi- und Gangster-Elementen. Ein Genre-Mix, der in einer absurd-chaotischen Schießerei kulminiert, die in ihrer blutig-dunklen Komik glatt einem Film der Coen-Brüder entstammen könnte.
„Oameni de treabă“ (Men of Deeds), RO 2022, 104 Min., Freitag (11.11.), 18.30 Uhr, Stadthalle/Samstag (12.11), 10 Uhr, Weltspiegel Saal 2
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