Wie macht die Ente? Wessis meinen meist „Quak, quak“. Ostdeutsche dagegen „Nak nak nak“. Das geht wohl auf Schnatterinchen aus dem DDR-Kinderfernsehen zurück.
Eltern geben die lautmalerische Lehre bis heute an Kinder weiter. In einem neuen Buch des Dudenverlags über die Sprache in der DDR – passend zu 30 Jahren Deutsche Einheit am 3. Oktober 2020 – geht es aber weniger um tierische Kindersprache.
Die Autorin Antje Baumann erklärt in ihrem Werk „Mit der Schwalbe zur Datsche – So sprach der Osten“ 50 Begriffe aus der Deutschen Demokratischen Republik.

Diese Begriffe stammen aus der DDR

Antifaschistischer Schutzwall: Bezeichnung in der offiziellen DDR-Politikersprache, gemeint ist die Berliner Mauer, die Ost-Berlin (Hauptstadt der DDR) und West-Berlin teilte. Mindestens 140 Menschen wurden zwischen 1961 und 1989 an der Berliner Mauer getötet oder kamen im Zusammenhang mit dem DDR-Grenzregime ums Leben, heißt es auf der Website der Gedenkstätte Berliner Mauer.
Die Mauer, die die Staatsführung der DDR bauen ließ, um West-Berlin einzumauern, nannten DDR-Politiker offiziell Antifaschistischen Schutzwall. An der Gedenkstätte Berliner Mauer in Berlin steht noch dieser Mauerrest.
Die Mauer, die die Staatsführung der DDR bauen ließ, um West-Berlin einzumauern, nannten DDR-Politiker offiziell Antifaschistischen Schutzwall. An der Gedenkstätte Berliner Mauer in Berlin steht noch dieser Mauerrest.
© Foto: Christoph Söder/dpa
Bausoldaten: Von 1964 bis 1989 verweigerten laut Baumann etwa 15.000 junge Männer aus ethischen Gründen den Dienst an der Waffe. Wehrdienstverweigerern in der DDR drohte Haft. Als Ersatz mussten die Männer militärische Anlagen bauen – getrennt von den anderen Soldaten. Die SED sah diese Leute als „feindlich-negative Kräfte“ und schränkte ihre Berufs- und Studienchancen ein. Zu erkennen waren Bausoldaten am Spaten auf der Schulterklappe.
Datsche: aus dem Russischen, datscha [дача] für kleines Sommerhaus, in den DDR-Sprachgebrauch gelangt.
Eingabe: in der DDR ein Beschwerdemittel: Die Verfassung von 1961 gestand jedem das Recht zu, sich mit Eingaben – das heißt, mit Hinweisen, Beschwerden, Vorschlägen – an staatliche Organe zu wenden.

FKK: Nicht jeder DDR-Bürger ging nackt baden...

Freikörperkultur (FKK): in der DDR ein Stück Freiheit. „Nicht jeder DDR-Bürger ging nackt baden, wie es das Klischee verlangt. Aber tatsächlich breitete sich das Nacktbaden in der DDR trotz anfänglichen Widerstands der DDR-Regierung stark aus, während man andernorts – etwa in der Sowjetunion – - dafür verhaftet werden konnte“, schreibt Baumann.
FKK ist älter als die DDR und stammt aus der Lebensreformbewegung im 19. Jahrhundert.
Intershop: Läden, in denen es Westwaren gegen Devisen gab.
Jugendweihe: feierliche Veranstaltung in der 8. Klasse, mit der Jugendliche in den „Kreis der Erwachsenen“ aufgenommen wurden, die Jugendweihe galt (und gilt) als Gegenentwurf zu kirchlichen Weihen.
Kaufhalle: DDR-Entsprechung des Supermarkts – „allerdings nur in räumlicher Hinsicht, denn das Warenangebot unterschied sich doch sehr und wurde fast werbefrei und zu stabilen Preisen dargeboten“, schreibt Antje Baumann.

Am Kindertag gab’s in der DDR schulfrei

Kindertag: Antje Baumann erklärt in dem Duden-Buch: „Wenn Sie meinen, der Kindertag sei irgendwann im September, haben Sie nicht in der DDR gelebt. Dort wurde der Kindertag, anders als in Westdeutschland, immer groß gefeiert, und darum wusste jedes Kind: Am 1. Juni gibt's keinen Schulunterricht, dafür Lieder, kleine Geschenke und Kinderfeste.“
Plaste: Heißt westdeutsch Plastik. Aus Plaste (Plast) wurde in der DDR vieles hergestellt – sogar ein Auto. Das Wort Plaste wird laut Baumann heute seltener als die westliche Entsprechung, Plastik, im Osten verwendet. Ihre soziolinguistische Erklärung dafür: Es lerne stets die kleinere oder unterprivilegierte Gruppe eines Sprachraums beide Sprachvarianten.
Poliklinik: Praxis, in der Allgemein- und Fachärzte unter einem Dach praktizierten und sich dabei etwa teure medizinische Geräte teilten.

DDR-Schüler sollten sozialistische Persönlichkeiten werden

Polytechnischer Unterricht: ging in der DDR auf das sowjetisch geprägte Gesetz über die sozialistische Entwicklung des Schulwesens von 1959 zurück. Das regelte die Bildung vom Kindergarten bis zum Beruf.Es legte als Schulform für alle Kinder der DDR die zehnklassige polytechnische Oberschule (POS) fest. Ziel war die „allseitig gebildete sozialistische Schülerpersönlichkeit“.
Schwalbe: kein Vogel, nicht irgendein Moped, sondern ein viel verkauftes Zweirad aus dem Suhler Volkseigenen Betrieb (VEB) Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk Simson. Inzwischen sind die Motorroller aus dem Osten auch im Westen beliebt.
Westpaket: Bis zu 25 Millionen wurden jährlich aus der alten Bundesrepublik (West) in die DDR verschickt. Damit seien diese Pakete, meist mit Kaffee, Schokolade, Feinstrumpfhosen und Kosmetika, ein von der DDR fest einkalkulierter Wirtschaftsfaktor gewesen.
„Bücher und Zeitschriften in den Paketen waren ebenso wie Bild- und Tonträger streng verboten“, schreibt Baumann. Genaue Kontrollen ließen die Westpakete bis zu sechs Wochen unterwegs sein.
Antje Baumann: Mit der Schwalbe zur Datsche, 112 S., Dudenverlag, 12 Euro, 978-3-411-74532-6 – erschienen am 14. September 2020.