Wahl in Berlin: Verdacht der Vorteilsannahme gegen SPD-Kandidat Steffen Krach

Kurz vor der Wahl in Berlin: Gegen den SPD-Spitzenkandidaten zum Abgeordnetenhaus, Steffen Krach, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Vorteilsannahme. Um welche zwei Fälle es geht, sagt die Behörde nicht.
Kay Nietfeld/dpa- SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach wirbt trotz Ermittlungen weiter um Stimmen.
- Er beklagt bremsende Wirkung im Wahlkampf – zentrale Themen treten zurück.
- Krach will über Wohnungsnot sprechen und CDU sowie Linke politisch kritisieren.
- Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt, ohne Vorwürfe zu nennen, Unschuldsvermutung gilt.
- Durchsuchungen in Hannover und Berlin, Geräte beschlagnahmt – Zeitpunkt überraschte Krach.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Gegen den Berliner SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover unter anderem wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsannahme in zwei Fällen. Das sagte eine Sprecherin der Behörde am Donnerstagabend. Das Verfahren läuft seit dem 3. September. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Am Mittwoch, 9. September, durchsuchten Einsatzkräfte Krachs Büroräume in Hannover, seine Wohnung im Berliner Ortsteil Schöneberg und die SPD-Landesparteizentrale in Wedding. Krach war zuvor selbst davon ausgegangen, dass ihm Korruption vorgeworfen wird, und hatte die Vorwürfe als haltlos zurückgewiesen.
Krach will weiter um jede Stimme kämpfen
Krach will ungeachtet der Ermittlungen weiter Wahlkampf machen. „Ich werde weiter kämpfen um jede Stimme für die SPD“, sagte er in Berlin. Gleichzeitig räumte er negative Auswirkungen auf seinen Wahlkampf ein. „Das rückt jetzt leider alles in den Hintergrund.“
9.900-Euro-Spende ging an die Berliner SPD
Hintergrund der Anschuldigungen ist nach Krachs Angaben ein Vergabeverfahren zur Nachnutzung eines Klinikgeländes in der Region Hannover. Als Regionspräsident war Krach Chef des Aufsichtsrates der Klinik. Zwei Unternehmen konkurrierten um den Zuschlag. Eines davon überwies laut Krach noch während des laufenden Verfahrens eine Spende in Höhe von 9.900 Euro an die Berliner SPD – deren kommissarischer Vorsitzender er zu dem Zeitpunkt bereits war.
Brisant an dem Vorgang ist, dass Krach im Vergabeverfahren dafür eingetreten war, genau diesem Bieter den Zuschlag zu erteilen. Sein Ziel sei der Aufbau eines regionalen Gesundheitszentrums gewesen, das habe er den Menschen vor Ort versprochen, so Krach. Das von ihm favorisierte Unternehmen habe das garantiert und hohe Investitionen angekündigt. Am 19. Februar 2026 entschied der Aufsichtsrat anders und erteilte dem zweiten Bieter den Zuschlag. Bei der Abstimmung habe er sich enthalten, so Krach.
Krach legt Belege zur Rückzahlung der Spende vor
Die Spende sei am 29. Dezember 2025 bei der SPD eingegangen, schilderte Krach. „Ich habe am 7. Januar 2026 um 15.11 Uhr die Information durch den Landesgeschäftsführer über diese Spende bekommen. Am 8. Januar um 6.45 Uhr, also keine 24 Stunden später, habe ich per Mail die Weisung erteilt, dass diese Spende nicht angenommen werden darf und sofort zurücküberwiesen werden muss“, so Krach. „Und das ist der Beleg dafür“, fügte er hinzu und hielt ein Schriftstück in die Kameras.
Krach weist Verdacht der Bereicherung zurück
Den Verdacht der Bereicherung wies Krach „mit aller Deutlichkeit“ zurück. „Ich habe niemals privat Geld angenommen. Und ich habe auch niemals als SPD-Vorsitzender hier in Berlin eine Spende angenommen“, sagte er. „Ich habe nichts zu verbergen.“ Bei Interesse könnten Ermittler seine Konten einsehen.
An den Vertragsverhandlungen sei er nie direkt beteiligt gewesen, das habe die Geschäftsführung des Klinikums gemacht. „Ich habe persönlich keinen Kontakt mit diesem Unternehmer gehabt“, versicherte Krach. Während des Vergabeverfahrens habe es keinen persönlichen Austausch gegeben. Er habe nicht einmal dessen Handynummer. „Der Vorwurf der Bereicherung trifft mich persönlich sehr“, sagte Krach, „denn ich habe immer klare Grenzen gezogen in den zwölf Jahren, in denen ich politisch Verantwortung trage.“ Das Unternehmen, aus dem die abgewiesene Spende kam, äußerte sich auf dpa-Anfrage nicht.
Krach „überrascht“ über Durchsuchung kurz vor der Wahl
Auf Fragen von Journalisten sagte Krach mehrfach, dass er das Vorgehen der Staatsanwaltschaft so kurz vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September nicht bewerten wolle. „Ich unterstelle der Staatsanwaltschaft gar nichts“, sagte er.
Krach ergänzte, er sei jedoch über den Zeitpunkt der der Wohnungsdurchsuchung bei ihm „überrascht“. „Ich weiß nicht, was sie dort gesucht haben, unter den Betten meiner Kinder oder im Auto.“ Sein Handy sei beschlagnahmt worden, er bekomme es womöglich in Kürze zurück.
SPD-Spitze steht hinter Krach
Aus seiner Partei bekam Krach Rückhalt. Er habe die volle Solidarität und Rückendeckung, sagte Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) dem RBB. „Und das ist ganz klar, dass wir ihm hier in dieser Situation den Rücken stärken.“ SPD-Fraktionschef Raed Saleh verwies darauf, dass Krach die Geldspende zurückgewiesen habe. „Daran erkennt die Fraktion weder eine politische noch eine strafrechtliche Relevanz und findet zudem den zeitlichen Zusammenhang mit demokratischen Wahlen bedenklich.“
Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt seit dem 3. September gegen Krach, der Regionspräsident in Hannover war. Zu konkreten Vorwürfen äußert sich die Behörde nicht. „Aus ermittlungstaktischen Gründen kann ich dazu heute keine weiteren Auskünfte erteilen“, sagte eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Es gelte die Unschuldsvermutung. Krach selbst geht davon aus, dass ihm Korruption vorgeworfen wird. Am Mittwoch, 9. September, durchsuchten Einsatzkräfte Krachs Büroräume in Hannover, seine Wohnung im Berliner Ortsteil Schöneberg und die SPD-Landesparteizentrale in Wedding.
