Grüne Welle für Radfahrer: VeloFlow in Berlin – so gut ist das Pilotprojekt

Besser Radfahren mit VeloFlow in Berlin? Reporterin Maria Neuendorff testet den neuen Service für Radfahrer. Ob sie eine grüne Welle erlebt hat?
Photothek- Berlin testet mit „VeloFlow“ grüne Welle für Radfahrer – 23 digitale Anzeigen geplant.
- Displays zeigen per Farbe, ob Tempo für nächste grüne Ampelphase passt – Pilotprojekt gestartet.
- Erste Anlage in Kreuzbergstraße installiert, Kosten: 3000 Euro pro Anzeige.
- Kritik: Anzeigen schwer sichtbar, viele Radfahrer ignorieren sie, Sicherheitsbedenken geäußert.
- Ziel: Flüssiger Radverkehr, Test-Phase läuft – weitere Standorte in Berlin geplant.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
VeloFlow heißt das neue Projekt, das den Verkehr in Berlin flüssiger machen soll. Ein Display signalisiert Radfahrern, ob sie die in rund 200 Metern entfernte Ampel bei bleibender Geschwindigkeit erreichen oder nicht. Wir wollen wissen, ob das wirklich funktioniert. Für diesen Artikel gehe ich als Test-Radlerin ins Rennen.
Die erste der insgesamt 23 neuen VeloFlow-Fahrrad-Ampeln wurde vor gut einer Woche in der Kreuzbergstraße in Betrieb genommen. Doch obwohl die Straße im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg gerade mal 950 Meter lang ist, finde ich das feierlich vom Staatssekretär für Mobilität und Verkehr, Arne Herz (CDU), eingeweihte Pilotprojekt erst einmal nicht.
Radfahren in Berlin – Radweg auf der Fahrbahn
Der Blick ins Internet offenbart den Standort an der Kreuzbergstraße 10. Die schmale digitale Anzeige ist nicht viel breiter als der Laternenmast auf dem Bürgersteig, an dem sie befestigt ist. Zwischen der neuen Rad-Ampel und dem Radweg auf der Fahrbahn befindet sich zudem noch ein Parkstreifen, auf dem gerade ein ausrangiertes altes Feuerwehr-Auto parkt.
„Hier wird geforscht“, klärt ein kleines Schild am Mast auf. Wie die Anzeige genau funktioniert, wird nicht beschrieben. Wer sich nicht vorher in Presseberichten eingelesen hat, muss hier seiner Intuition folgen.
Ich habe schon vorher recherchiert und weiß, sobald das weiße Rad auf dem Display grün hinterlegt ist, muss ich rund 20 Kilometer pro Stunde schnell fahren, um die nächste Ampel in ihrer Grünphase zu erreichen.
Die Anzeige funktioniert optisch wie bei einer Laufband-Werbung. Schiebt sich unter das Rad auf der Anzeige mehrheitlich rote Farbe, macht es keinen Sinn mehr, so in die Pedale zu treten, dass ich mit Tempo unterwegs bin. Dann könnte ich gegebenenfalls ein bisschen austrudeln, damit ich an der roten Ampel nicht unbedingt vom Rad steigen muss.
Tempo 20 als Durchschnittsgeschwindigkeit
15 bis 20 km/h soll ungefähr die Fahrrad-Durchschnittsgeschwindigkeit auf Berliner Straßen und Radwegen sein, auch wenn die Sportis mit ihren Super-Bikes häufig mit 30 bis 40 Stundenkilometern unterwegs sind.
Ich fahre aber eher selten Rad und habe auch kein Tacho am Lenker, so muss ich nun wirklich meiner Intuition folgen, wenn ich die Ampel bei Grün kriegen will. Doch als ich gerade kräftig in die Pedale trete, muss ich abrupt abbremsen, denn jetzt hält ein Müllwagen mitten auf dem Radstreifen der Pilotprojekt-Test-Strecke.

Auf der Kreuzbergstraße in Berlin befindet sich der Radweg auf der Straße. Die meisten Radfahrer nehmen die neue Anzeige von VeloFlow, die sich an der Laterne rechts neben parkenden Autos befindet, gar nicht wahr.
Maria NeuendorffAuch DHL und andere Paketdienste parken regelmäßig davor. Nach links auf die einzige Autospur auszuweichen, um das Tempo zu halten, ist mir während meiner Test-Fahrt dann doch zu gefährlich. Also Mission missglückt.
Ich halte neben Erika Christoph, die mit ihrem Rad ebenfalls an der roten Ampel steht und gleich um die Ecke wohnt. Sie hat die „innovativen Geschwindigkeitsanzeigen für fließenden Radverkehr“ noch gar nicht wahrgenommen. Nachdem ich ihr ein Foto zeige und das Procedere erkläre, winkt sie ab. „Schwachsinn – Geldrausschmeißerei“, lautet ihr vernichtendes Urteil.
Radfahr-Anzeige in Berlin – 3000 Euro pro Anlage
Sie würde die 3000 Euro pro Anlage lieber in Projekte und Straßenschilder investieren, die den Verkehr für Radfahrer sicherer machen. „Viele denken, sie haben immer Vorfahrt und beachten hier zum Beispiel nicht das Rechts- vor-Links-Gebot“ berichtet die 61-jährige Anwohnerin.
22 weitere „VeloFlow"-Anzeigen will die Senatsverkehrsverwaltung anbringen und testen. Aufgestellt werden sollen zehn Anzeigen in der Invalidenstraße, neun auf der Stargarder Straße, Schönhauser sowie Prenzlauer Allee. Weitere kommen in der Handjery- und Prinzregentenstraße sowie in der Langenscheidtstraße zum Einsatz.
Die Kreuzbergstraße scheint mir als Standort irgendwie ungeeignet. Die meisten Radler fahren in unterschiedlichen Geschwindigkeiten einfach vorbei, ohne von dem neuen digitalen Verkehrsschild überhaupt Notiz zu nehmen. „Ich habe das gar nicht gesehen“, sagt ein 44-jähriger Neu-Berliner auf einem modernen City-Bike.
Gerade unter Zeitdruck versuche auch er häufig, mit mehr Speed noch rechtzeitig über die Kreuzung zu kommen, berichtet er. Ist die Ampel dann aber doch schon rot, sei eine Vollbremsung nötig. Die Idee, mit VeloFlow zügig auf der grünen Welle durchradeln zu können, finde er an sich ganz gut. „Man muss das System aber auch so gestalten, dass man es sieht und versteht“, sagt der Mann, der regelmäßig mit dem Rad zur Arbeit fährt.
Radfahren in Berlin – Lastenräder blockieren den Fluss
Selbst die Gäste, die vor dem Bäcker direkt neben der umfunktionierten Laterne Kaffee trinken, haben die Anzeige noch nicht wahrgenommen. Dabei sind Kathy Braun und ihr Mitbewohner selbst passionierte Radlerfahrer, die gerne auch schneller als 30 km/h fahren und sich unterhaltsam über langsame Radfahrer ärgern können. „Das Problem ist, dass es auf den Berliner Radwegen meist keinen Platz zum Ausweichen gibt“, sagt die 35-Jährige.
Doch gerade in der Kreuzbergstraße seien ja auch viele Eltern mit Kindern auf Transporträdern unterwegs, die können gar nicht so schnell fahren, fügt ihr 40-jähriger Mitbewohner hinzu.
Ein besonderes Ärgernis seien die langsamen Radler, die man auf der Autospur überholen müsste, die sich dann aber in der nächsten Ampel über den Bürgersteig unbedingt wieder an die Spitze setzen müssten, sind sich beide einig.
Um die abzuhängen, könnte VeloFlow vielleicht praktisch sein, überlegen die beiden Kreuzberger. „Doch warum hat das Ding keine zusätzliche Anzeige, auf der ich sehe, wie schnell ich gerade bin?“, fragt Kathy Braun und nippt an ihrem Getränk.
Auch mein Fazit lautet: Das Projekt ist sicher gut gemeint, wirkt aber noch reichlich unausgegoren und macht an manchen Stellen in Berlin wahrscheinlich keinen Sinn. Aber zum Glück gibt es ja genau dafür diese Test-Phasen.



