72 Kinder, vier Pädagoginnen, ein Ziel: ein Freizeitzentrum am Werbellinsee im Landkreis Barnim nahe Eberswalde. Es soll eine Klassenfahrt wie viele andere werden. Doch der Badeausflug wird das Leben aller Beteiligten für immer ändern. Denn sie fahren ohne die siebenjährige Elif aus Berlin-Neukölln wieder heim.
Am 6. Juni 2016 dürfen die Kinder in den Nichtschwimmerbereich der Badeanlage am Werbellinsee. Zwei Lehrerinnen und zwei Erzieherinnen begleiten die Kinderschar: Zwei von ihnen gesellen sich zu dem Nachwuchs ins Wasser; die anderen bleiben an Land.

Mädchen ertrinkt im Werbellinsee: viele Kinder, wenig Überblick

Die Kinder planschen, toben, rennen aus dem Wasser heraus und wieder hinein. Die Gruppe ist nicht die einzige am See. Es ist für die Lehrkräfte schwierig, den Überblick zu halten. Die Sonne brennt in den Augen. Der Lärm drängt von allen Seiten.
Plötzlich stürzt eine Frau ins Wasser. Hin zu einem Kind, das weit hinten im Becken treibt. Die Lehrerin umfasst dessen leblosen Körper und trägt das Mädchen ans Ufer. Dann geht alles ganz schnell: die Sirenen, der Krankenwagen. Elif wird abtransportiert, doch noch am selben Abend stirbt sie im Krankenhaus in Eberswalde.

Haben die Pädagoginnen eine Teilschuld an dem Tod des Kindes?

Wie konnte niemand mitbekommen, dass sich die Siebenjährige fünf Minuten unter Wasser befindet und nicht wieder auftaucht? Diese Frage muss das Amtsgericht Eberswalde klären. Das Wasser in dem Nichtschwimmerbereich war etwa 120 Zentimeter tief, Elif jedoch gerade einmal 129 Zentimeter groß. Im Strafprozess wird gegen die vier Pädagoginnen Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben.
Der Prozess wird zur Geduldsprobe für alle Anwesenden: Beweismittel, die jahrelang von der Schulleiterin zurückgehalten werden. Durch Corona überlastetes Personal im Gericht. Die Angeklagten, die sich viele Verhandlungstage lang in Schweigen hüllen. Besonders Elif's Familie macht das zu schaffen. Dass der Prozess überhaupt zu einem Abschluss kommt, ist der Schwester der Geschädigten und der Justizministerin des Landes Brandenburg, Susanne Hoffmann, zu verdanken.
Wie das Gericht die Frage beantwortet, ob eine Aufsichtsperson automatisch haftet, wenn einem Schulkind in ihrer Obhut etwas passiert, erfahrt ihr in unserer neuen „Akte Brandenburg“ Folge:
Gemeinsam mit Gerichtsreporter Mathias Hausding von der Märkischen Oderzeitung, der den Prozess begleitet hat, klären wir, warum die Sache auch Jahre später immer noch nicht gänzlich abgeschlossen ist. Denn am Landgericht in Frankfurt (Oder) soll es zu einem weiteren Verfahren kommen.
Wenn ihr die letzte Folge von Akte Brandenburg verpasst habt, klickt doch einmal hier hinein:
In dieser Folge begeben wir uns an die sommerlichen Strände der thailändischen Ferieninsel Phuket. Was nach der klassischen Auswanderergeschichte klingt, endet mit einem Mann aus dem Spreewald, der angeklagt wird, seine Freundin getötet zu haben.

Das ist der True Crime Podcast „Akte Brandenburg“ von MOZ.de und LR.de

Mit „Akte Brandenburg“ haben MOZ.de und LR.de einen neuen Podcast gestartet. In dem True-Crime-Format berichtet das Moderationsteam Heike Reiß und Daniel Roßbach monatlich über echte, spannende und skurrile Kriminalfälle aus Brandenburg. Zu hören gibt es „Akte Brandenburg“ auf MOZ.de, auf LR.de und überall da, wo ihr Podcasts hört. Die nächste Episode ist bereits in Vorbereitung. Abonniert also den Podcast kostenlos und verpasst keine Folge!