Berlin-Wahl 2026
: Wie die Parteien das Müll-Problem lösen wollen

Berlin macht seine Müllberge zum Wahlkampfthema 2026. Die Parteien werben mit Lösungen gegen Dreckecken. Doch illegale Ablagerungen kosten das Land bereits Millionen.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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In Berlin wird regelmäßig Sperrmüll illegal auf der Straße entsorgt. Die Senats-Kampagne „Einfach abstellen hat seinen Preis“ weist mit Humor im Ikea-Katalog-Stil auf die drohenden Bußgelder hin.

SenMVKU (KI-generiert)
  • Berlin macht Vermüllung zum Wahlkampfthema 2026, illegale Ablagerungen kosten Millionen.
  • SPD will BSR stärken und kostenlose Sperrmüll-Abholung wieder einführen.
  • CDU setzt auf Arbeitspflichten für Sozialempfänger, Linke erhöhen BSR-Personal und putzen mit.
  • Grüne planen jährliche Gratis-Sperrmüll-Abholung und eine Verpackungssteuer.
  • AfD fordert härtere Strafen und mehr Kontrollen – „Waste-Watcher“ sind bereits unterwegs.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Berlin macht seine Müllberge zum Wahlkampfthema 2026. Die Parteien werben mit Lösungen gegen Dreckecken. Doch illegale Ablagerungen kosten das Land bereits Millionen.

Neben der Wohnungsnot gehört die Vermüllung in der Stadt  zu den großen Themen im Wahlkampf. „Spielplatz ohne Spritze“, liest man unter anderem auf Wahlplakaten der SPD. Unter dem Motto „Wieder eine Stadt, die sauber läuft“ schicken die Sozialdemokraten ihren Spitzenkandidaten Steffen Krach ins Rennen um den Bürgermeister-Posten.

„Deshalb investieren wir in Stadtreinigung und Grünpflege und lassen die BSR wieder den Sperrmüll kostenlos abholen“, heißt es im SPD-Wahlprogramm.

CDU-Kandidat Stefan Evers sieht dagegen Berlins Dreckecken nicht als reine Staatsaufgabe und will künftig Sozialempfänger die Stadt säubern lassen. Er findet, wer staatliche Leistungen erhält und arbeiten kann, sollte der Gemeinschaft auch etwas zurückgeben.

Linke laden zur „Tour de Müll“ ein

Die Linke putzte dagegen selbst und rief schon im März zu öffentlichkeitswirksamen Putzaktionen in Neukölln und Charlottenburg auf. An der „Tour de Müll“ nahm auch Spitzenkandidat Ferat Koçak mit einem Besen in der Hand teil.

Solche Nachbarschafts-Aktionen gibt es seit vielen Jahren. In Berlin engagieren sich zahlreiche Initiativen, Netzwerke und offizielle Projekte gegen die Vermüllung im öffentlichen Raum.

Zu den bekanntesten Akteuren gehören das Netzwerk wir-BERLIN mit der Cleanup-Karte, das Projekt Zero Waste Berlin des BUND oder die Gewässerinitiative ALLES IM FLUSS, die sich die Reinigung und den Schutz von Berliner Gewässern auf die Fahnen geschrieben hat. Doch ob an Ufern, Bushaltestellen, Grünanlagen, Bänken oder Plätzen – gerade im Sommer türmen sich vielerorts unansehnliche Müllberge auf.

Die Linken wollen sich dafür stark machen, dass die Berliner Stadtreinigung (BSR) personell aufgestockt wird, um in den stark verschmutzten Kiezen häufiger die orangefarbenen Eimer zu leeren.

Von Sperrmüll-Abholung bis Verpackungssteuer

Die FDP findet sogar: „Berlin muss für sich den Anspruch haben, die sauberste Metropole Europas zu werden.“ Das steht zumindest in einem Beschluss von Oktober 2025. Helfen soll dabei eine „klare Zuständigkeit und Finanzierung der öffentlichen Sauberkeit“.

„Verwahrlosung stoppen – Sicherheit schaffen“, steht auf den Wahlplakaten für Christoph Meyer, mit dem es die Freien Demokraten wieder zurück ins Landesparlament schaffen wollen.

„Niemand muss Sperrmüll aus Not auf die Straße stellen.“
ein Sprecher
der Berliner Stadtreinigung (BSR)

Die Grünen um das Spitzen-Duo Bettina Jarasch und Werner Graf wollen die BSR ausbauen und schlagen eine kostenlose jährliche Sperrmüll-Abholung für alle Haushalte sowie eine Verpackungssteuer auf Einwegverpackungen vor. Im Haushalt des Landes Berlin, aber auch in allen Bezirken sollen die Mittel für die Pflege von Parks, Straßen und Plätzen erhöht werden. „Das bedeutet, dass diese dauerhafte staatliche Aufgabe für uns wichtiger ist als die Finanzierung politisch motivierter Leuchtturm-Projekte“, heißt es im Wahlprogramm.

Müll-Sheriffs kontrollieren Kieze

Auch das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) will sich für gepflegte und saubere Parks einsetzen. Es tritt nach seiner Gründung Mitte 2024 erstmals bei der Abgeordnetenhauswahl an und setzt auf die Doppelspitze mit Spitzenkandidat Alexander King und dem stellvertretenden Bundesparteivorsitzenden Michael Lüders. Die beiden wollen auch für mehr Mülleimer in Parks sorgen. Diese sollen laut Wahlprogramm mit ausreichender Beleuchtung und mehr Sitzgelegenheiten kombiniert werden, „um den öffentlichen Raum aufzuwerten.“

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„Spielplatz ohne Spritze“: Mit diesem Slogan wirbt die SPD um Wähler bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026.

Maria Neuendorff

„Sauberkeit ist Ehrensache“, findet die Alternative für Deutschland. Die AfD-Fraktion mit Kristin Brinker als Spitzen-Kandidatin setzt das Thema Stadtsauberkeit ebenfalls in den Fokus und fordert härtere Strafen, mehr Kontrollen und den Einsatz von „Müll-Sheriffs“. Die sind allerdings jetzt schon unterwegs. Viele Bezirke schicken „Waste-Watcher“ in die Kieze, um Unrat und Dreckecken ausfindig zu machen und die Täter zu ermitteln.

Strafen gegen Müll-Sünder

Die Strafen für Müllsünder hatte der Senat schon im November 2025 erhöht. Alleine das Wegwerfen von Kippen und Kaffeebechern kann nun 250 Euro kosten.

In mehr als 1.000 Fällen wurden im vergangenen Jahr Buß- und Verwarngelder erhoben – und dabei mehr als 300.000 Euro von den Tätern kassiert. In zehn der zwölf Bezirke hat sich das Problem der Dreckecken allerdings trotzdem verschärft oder ist konstant hoch, ergab eine Umfrage der Deutschen Presseagentur.

„Dazu gehören Sperrmüll, Elektroschrott oder Bauschutt, die unsere Stadt immer wieder aufs Neue vermüllen“, heißt es von der BSR. Helfen die Vorschläge der Parteien dagegen? Dies bewerte das Unternehmen nicht, sagt ein Sprecher auf Anfrage. Schließlich sei man als landeseigenes Unternehmen zur Neutralität verpflichtet.

Doch so viel lässt sich sagen: Im Jahr 2025 hat die BSR rund 6400 Tonnen illegale Ablagerungen beseitigt. Hinzu kommt Elektroschrott. Ein Jahr zuvor waren es noch 5700 Tonnen, 2023 rund 5100 Tonnen.

Illegale Abfälle von Baufirmen

Die Zusammensetzung der Ablagerungen zeige, dass es sich oft um Abfälle aus gewerblichem Kontext von unseriösen Entrümplungs- und Baufirmen handelt, erklärt der BSR-Sprecher. „Es darf nicht hingenommen werden, dass solche Firmen ihre Abfälle einfach auf Straßen sowie in Grünanlagen und Forstgebieten ablagern, um auf Kosten der Allgemeinheit Entsorgungskosten zu sparen.“

Für die Entfernung dieser illegalen Ablagerungen seien dem Land im Jahr 2025 Kosten von rund 13,1 Millionen Euro entstanden. Dabei sei Berlins Entsorgungsangebot vielschichtig und umfassend. „Niemand muss seinen Sperrmüll aus Not oder aus Kostengründen auf die Straße stellen“.

Auch für die Kleinabfälle im Alltag gebe es in der ganzen Stadt 27.000 Papierkörbe. „Es muss also auch diese niemand auf den Boden werfen." Für eine saubere Stadt brauche es aus Sicht der Berliner Stadtreinigung einen ausgewogenen Dreiklang: „Angebote, Aufklärung, Ahndung.“

Was die Aufklärung anbelangt, so versucht man es in der deutschen Hauptstadt auch gerne mit Humor und Selbstironie. Unabhängig von den Parteien startete der Berliner Senat im März mit einer Anti-Müll-Plakatkampagne.

In kurzen Filmchen oder auf Postern waren zum Beispiel ein zerschlissenes Sofa oder ein kaputtes Regal zu sehen, die jemand einfach auf der Straße abgestellt hat. Im Stil eines Ikea-Möbelkatalogs wurde die Fundstücke mit vermeintlich schwedischen Namen wie „Maröde“, „Wackla" und „Kaputta“ überschrieben. Statt Preisen ist die Höhe der möglichen Bußgelder angegeben. In krassen Fällen können diese bis zu 15.000 Euro betragen.