Wasser in Brandenburg: Wasserknappheit führt zu Kritik an neuen Plänen

Ein Abschnitt des Flusses Schwarze Elster in Südbrandenburg ist ausgetrocknet. Durch abgesunkene Grundwasserstände und Industrie-Ansiedlungen werden auch für Brandenburg die Herausforderungen beim Wassermanagement immer größer
Patrick Pleul/dpa- Hitze, Trockenheit und neue Industrie erhöhen den Wasserdruck in Brandenburg.
- Grüne Liga fordert Regeln für wasserintensive Industrie und Rechenzentren.
- Viele Rechenzentren geplant: Lübbenau, Eiche, Freyenstein, Nauen, Frankfurt (Oder), Fredersdorf-Vogelsdorf.
- Kritik an kommunaler Zuständigkeit – Wasserplanung soll auf Landesebene erfolgen.
- Studie: 1-Megawatt-Rechenzentrum kann 25,5 Mio. Liter pro Jahr verbrauchen – Trockenkühlung senkt Bedarf.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Hitze und Trockenheit verschärfen den Druck auf die Wasserressourcen in Brandenburg. Die Grüne Liga, ein bundesweit agierender Umwelt- und Naturschutzverband, fordert deshalb, die Ansiedlung wasserintensiver Industrie und großer Rechenzentren stärker zu reglementieren und an den Ressourcen auszurichten.
„Es kann nicht sein, dass Menschen zum Wassersparen aufgefordert werden, während gleichzeitig neue wasserintensive Industrieanlagen und Rechenzentren in Regionen geplant werden, die längst unter Wasserstress leiden“, kritisiert der Bundesvorsitzende Thomas Tennhardt.
Rechenzentren benötigen Wasser insbesondere für die Kühlung. „Wer neue plant, muss offenlegen, wie viel Wasser benötigt wird und welche Folgen die Entnahme für Grundwasser, Gewässer und die öffentliche Versorgung hat“, fordert auch Steffen Schorcht vom Bundesvorstand der Grünen Liga.
Neue Rechenzentren in Brandenburg
Welche Rechenzentren wo in Brandenburg genehmigt wurden oder geplant werden, darüber führt das Wirtschafts- und Klimaschutzministerium in Potsdam keine Statistik. Wo neue entstehen, hänge von mehreren Faktoren ab: „Eine stabile Stromversorgung, leistungsfähige Netzanbindungen und ausreichend Fläche“, heißt es in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des Abgeordneten Stefan Roth (BSW).
Im Land Brandenburg seien besonders viele geplant oder im Entstehen, teilt das Ministerium mit. So baut die Schwarz-Gruppe, zu der die Marken Lidl und Kaufland gehören, einen großen Rechenzentrumskomplex in Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz).
Auch in Eiche (Ahrensfelde) und Freyenstein (Wittstock/Dosse) sind Ansiedlungen geplant. „Sollte letztere entstehen, wäre dieses Rechenzentrum das größte in Europa“, sagt Schorcht.
In Nauen wächst laut Ministerium derzeit ein 200-Megawatt-Datacenter-Campus. Weitere Hochleistungsrechenzentren sind in Frankfurt (Oder) und Fredersdorf-Vogelsdorf geplant. Das kühle Nass kommt dort vom Wasserverband Strausberg-Erkner, der auch schon die Fabrik des E-Auto-Bauers Tesla in Grünheide (Oder-Spree) versorgt.
Die Grüne Liga fordert eine engere Zusammenarbeit von Berlin und Brandenburg. Die Versorgung der wachsenden Metropolregion, die Belastungen durch Industrie, Landwirtschaft, Bergbau und Energieerzeugung müssten gemeinsam geplant werden. In Brandenburg werde die Wasserversorgung nicht auf Landesebene organisiert. „Doch Wasser kennt keine Verwaltungsgrenzen.“
Verteilungskonflikte wegen Wasserknappheit
„Die kommunale Verwaltung von Wasser ist nicht mehr zukunftsfähig“, findet auch Inken Behrmann. Die Soziologie- und Politikwissenschaftlerin forscht an der Uni Bremen zum Thema Wasserknappheit.
Vor kurzem nahm sie an einer Podiumsdiskussion unter der Überschrift „Teslokratie, Wasser und die Grenzen von Green Tech“ teil, auf der über die Genehmigung der Tesla-Fabrik im Wasserschutzgebiet, aber auch allgemein über Verteilungskonflikte diskutiert wurde.
Bei der Ansiedlung der Gigafactory hätte der Gemeinderat, der sich sonst eher mit der Genehmigung von Trafoanlagen befassen würde, innerhalb kürzester Zeit über zahlreiche wichtige Anträge entscheiden müssen, hieß es dort.
Dass solche Entscheidungen auf unteren Ebenen getroffen werden, sei noch alten Strukturen geschuldet. Nach diesen mussten sich Kommunen vor allem um die Qualität des Wassers vor Ort und nicht um die Quantität kümmern, erklärt Forscherin Behrmann, die selbst in Brandenburg aufgewachsen ist.
Wie drängend dort das Thema Wasser geworden ist, sei ihr bewusst geworden, als sie 2020 mit ihrer Mutter im Garten gestanden habe und diese sich eine Zisterne bauen lassen wollte, um Regenwasser zu speichern. Die Forscherin rät, das Thema Wasser aus der kommunalen Daseinsvorsorge zu lösen und auf Landeebene anzusiedeln.
Denn die Situation habe sich aufgrund des Klimawandels stark verändert. Laut der Grünen Liga zählt Brandenburg inzwischen zu den trockensten Regionen Deutschlands. Die Grundwasserneubildung sei seit 1980 um bis zu 40 Prozent zurückgegangen.
„Viele Wasserverträge mit großen Firmen stammen aber noch aus den 1990er-Jahren und lassen aus heutiger Sicht viel zu viel Verbrauch zu“, betont Inken Behrmann. Aktuell sei es jedoch sehr schwierig, diese Genehmigungen wieder zurückzunehmen. „Hier müsste Rechtssicherheit auch für die Behörden geschaffen werden.“
Was den US-Konzern angeht, so hat er bislang viel weniger verbraucht als gedacht. Im Jahr 2024 hat die Tesla-Fabrik in Grünheide rund 450.000 Kubikmeter Trinkwasser bezogen, etwa ein Viertel der Menge, die das Werk beziehen dürfte.
Für Heiko Baschin, der für das Bündnis Grünheide die Tesla-Anträge durchgearbeitet hat, ist das noch keine Entwarnung. Die Fabrik war bisher nie ausgelastet, sagt er. „Zudem gab es seit der Ansiedlung keinen richtig trockenen Sommer“, ergänzt der Brandenburger. „Der eigentliche Stresstest ist bisher ausgeblieben.“
Wie viel Wasser verbraucht ein Rechenzentrum?
Laut einer 2021 im Nature-Fachjournal „npj Clean Water“ veröffentlichten Studie kann bereits ein Rechenzentrum mit einer Leistung von einem Megawatt bei wasserbasierter Kühlung rund 25,5 Millionen Liter Wasser im Jahr verbrauchen.
Das vorerst größte Rechenzentrum in Brandenburg, das gerade in Lübbenau ensteht, ist auf eine Leistung von rund 200 Megawatt ausgelegt.
Allerdings gibt es zunehmend moderne Rechenzentren mit Trockenkühlung, die ihren Wasser-Verbrauch um ein Vielfaches senken können.



