AfD in Brandenburg: Warum das Sellner-Treffen in Vetschau für Wirbel sorgt

In Gedanken vereint: Martin Sellner und die AfD-Landtagsabgeordnete Lena Kotré gemeinsam auf der Bühne in Vetschau. Das Treffen sorgt für viele Diskussionen.
Frank Hammerschmidt/dpa- Treffen von AfD-Politikerin Lena Kotré und Rechtsextremist Martin Sellner in Vetschau sorgt für Aufregung.
- Veranstaltung fand in einem ehemaligen Autohaus statt, 80 Personen und 40 Medienvertreter waren anwesend.
- Kotré lobte Sellner trotz dessen umstrittener Migrationspläne; Kritik von der AfD-Spitze blieb aus.
- Lena Kotré fiel in der Vergangenheit durch Kontakte zu rechtsextremen Netzwerken in Europa auf.
- Brandenburger AfD zeigt keine Distanz zu rechten Akteuren – keine Kritik vom Landesverband.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
An einem Bauzaun ist eine rot-weiß-rote Österreichfahne angebracht und daneben eine gelbe Fahne mit einem schwarzen Zeichen. Die Kulisse könnte ein beliebiger Ort in der österreichischen Einöde sein. Doch der Ort befindet sich im Spreewald, genauer gesagt in Vetschau.
Die Autobahnabfahrt der A15 in Vetschau hat nicht viel zu bieten. Zwischen Tankstellen, einem Dönerladen und einem Discounter erstrecken sich Felder, so weit das Auge reicht. Ein ehemaliges Autohaus, das direkt neben der Autobahn liegt, ist zu einer politischen Bühne umfunktioniert worden.
An diesem Abend (22. Januar) findet dort eine Veranstaltung des bekannten Rechtsextremisten Martin Sellner zusammen mit der Landtagsabgeordneten Lena Kotré (AfD) statt. 80 Personen haben im Autohaus auf Bierbänken im hell ausgeleuchteten Raum Platz genommen. Offiziell firmiert der Abend als eine Veranstaltung, die von Martin Sellner und seiner Identitären Bewegung ausgerichtet wird.
Treffen in der Schweiz: AfD, Sellner und rechtsextreme Netzwerke
Die Veranstaltung in Vetschau hat eine Vorgeschichte. Ursprünglich war ein Auftritt von Martin Sellner in Cottbus geplant. Dieser wurde „aus terminlichen Gründen abgesagt“. Später kündigte Lena Kotré auf der Plattform „X“ an, dass Martin Sellner einer gemeinsamen Veranstaltung mit ihrem Mann, dem Bundestagsabgeordneten Steffen Kotré (AfD), in dessen Parteibüro in Luckenwalde zugesagt habe. Das kam beim Bundesvorstand der AfD jedoch nicht gut an – was zu einer Absage führte.
Das Ergebnis ist nun das Treffen von Lena Kotré und Martin Sellner im Autohaus in Vetschau. Dass sich ausgerechnet die 38-jährige Landtagsabgeordnete mit Sellner trifft, fügt sich in das radikale Gesamtbild Kotrés ein.
Lena Kotré kokettiert mit Ideen am rechtsextremen Rand. Das stellt sie an diesem Abend ein weiteres Mal unter Beweis. Während der Veranstaltung lobt sie Martin Sellner für sein Konzept im Hinblick auf Migration.
Kurze Erinnerung: Martin Sellner erhielt landesweite Aufmerksamkeit, nachdem die Rechercheplattform „Correctiv“ eine Konferenz aufgedeckt hatte, bei der es darum ging, „nicht assimilierte Staatsbürger aus Deutschland“ auszuweisen. Bei dieser Konferenz waren diverse AfD-Funktionäre anwesend.
Nach wie vor beteuert die Partei, dass ihre Migrationspläne sich von denen Sellners unterscheiden würden. Denn die von Sellner propagierten Forderungen sind nicht mit dem Gesetz vereinbar. Das Bundesverwaltungsgericht Leipzig stufte dieses Konzept als „menschenunwürdig“ ein. Und laut deutschem Grundgesetz, Artikel 1, ist die Würde des Menschen unantastbar.
Die Landtagsabgeordnete stört sich daran nicht. „Ich begrüße es, dass es im Vorfeld Vertreter gibt, die progressiver denken, das Konzept weiterdenken und Dinge ins Gespräch bringen, über die man nachdenken muss.“, sagt Kotré zu Sellner im Gespräch an diesem Abend.
Kontakte aus Brandenburg nach ganz Europa
Aktivitäten des Ehepaars Kotré prägten in den vergangenen Monaten maßgeblich das politische Profil der AfD. Aktionen der beiden sorgten wiederholt dafür, dass sich die Partei mit dem Paar beschäftigen musste.
Lena Kotré ist bestens mit dem rechtsextremen Vorfeld rund um die AfD vernetzt. Ein Netz, das sie stetig ausbaut. Insbesondere ihre Kontakte ins Ausland bringen die Landtagsabgeordnete wiederholt in die Schlagzeilen.
Ein paar Beispiele: Die Rechercheplattform „Correctiv“ deckte einen Besuch von Lena Kotré bei einem Neonazi-Treffen in der Schweiz im Dezember 2024 auf. Dann wurde bekannt, dass sie im Juli 2025 den Antisemiten und Nationalisten Keith Woods in den Brandenburger Landtag einlud. Und im August 2025 war sie als Rednerin auf einer rechtsextremen Konferenz in Oslo zu sehen.
Auch im eigenen Bundesland schlägt sie radikale Töne an. Das bringt sie auf den Zettel des Brandenburger Verfassungsschutzes. Im Vermerk, in dem die Brandenburger AfD als „gesichert rechtsextreme Bestrebung“ eingestuft wird, taucht der Name Kotré 40 Mal auf.
Unter anderem, weil die Landtagsabgeordnete wiederholt von „Passdeutschen“ spricht. Damit sind Personen mit Migrationshintergrund gemeint, die lediglich einen deutschen Pass besitzen, aber der Abgeordneten nach keine Deutschen seien.
Steffen Kotré: Russland-Reise und AfD-Reibereien
Wie sieht es mit ihrem Ehemann, dem Bundestagsabgeordneten Steffen Kotré aus? Auch er ist Auslandsreisen nicht abgeneigt. Steffen Kotré war im November Teil einer Delegation, die zu einer Konferenz nach Russland reiste. Auch das führte zu einer öffentlichen Auseinandersetzung mit der Parteispitze. Denn der Besuch einer Konferenz, die für Propagandazwecke vom russischen Regime genutzt wurde, missfiel der Bundesspitze.
So soll es klare Anweisungen an die Delegation gegeben haben: kein Social Media und Zurückhaltung bei Interviews. Die Intervention der Parteispitze blieb erfolglos. Tage später stand Kotré dann auf der Bühne in Sotschi und gab der russischen Nachrichtenagentur Interviews.

Steffen Kotré sitzt im Bundestag, seine Frau im Landtag. Die beiden schaffen es immer wieder, Thema zu sein, wenn es um die Alternative für Deutschland geht.
Niklas Graeber/dpaSellner in Cottbus: Die Mühle als Treffpunkt
Obendrein jetzt das inszenierte Treffen zusammen mit Martin Sellner. Die Kotrés beschäftigen die eigene Partei. Die beiden AfD-Politiker wollten gezielt wieder die Aufmerksamkeit für den heutigen Abend. Das haben sie geschafft. Rund 40 Medienvertreter sind nach Südbrandenburg gekommen.
Den Besuch von Sellner hätte man auch ohne große Reibereien mit der AfD-Parteispitze über die Bühne bringen können. Das hat schon einmal so funktioniert. Im vergangenen Jahr gab es einen Auftritt von Sellner in „der Mühle“ in Cottbus.
Der Ort gilt als Vernetzungstreff der Neuen Rechten. Auch damals waren AfD-Politiker, wie Lars Schieske, anwesend. Doch weil der Ort kein Parteibüro oder dergleichen ist, hätte es keine kritischen Stimmen aus den eigenen Reihen gegeben.
Manche Akteure in der AfD wünschen sich eine Distanzierung von rechtsextremen Akteuren, wie eben dem Chef der Identitären, Martin Sellner. In der AfD-Brandenburg will man davon nichts wissen. Hier finden sich schon lange keinerlei Berührungsängste mit dem rechten Rand.
Vom eigenen Landesverband erhielt Kotré für die Veranstaltung keine Kritik. Auch der Fraktionsvorsitzende Hans-Christoph Berndt äußerte sich bei der Pressekonferenz am Dienstag im Brandenburger Landtag nicht negativ über die Veranstaltung seiner Kollegin mit Martin Sellner. Er sagte lediglich, dass es nicht klug sei, solche Termine allein auf den Weg zu bringen. Die Brandenburger AfD sendet damit ein klares Signal: Wir distanzieren uns nicht.









