AfD in Brandenburg: Dieses Netzwerk steckt hinter der neuen Jugendorganisation

Jugendorganisation in Brandenburg: Die Nähe von AfD-Politikern wie Fabian Jank zur rechtsextremen Identitären Bewegung zeigt, welche Netzwerke hinter der Partei stehen.
Sebastian Kahnert/dpa- Fabian Jank, AfD-Abgeordneter in Brandenburg, leitet Aufbau einer neuen AfD-Jugendorganisation.
- Jank hat Verbindungen zur rechtsextremen Identitären Bewegung (IB), bestreitet jedoch eine Mitgliedschaft.
- IB-Hausprojekt „Flamberg“ in Halle (Saale) war ein prägender Ort in Janks Vergangenheit.
- Neue AfD-Jugendorganisation wird Ende November in Gießen gegründet.
- AfD und IB stehen trotz Unvereinbarkeitsregelung in Brandenburg in enger Verbindung.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
An einer Kreuzung in Großräschen steht ein altes Ziegelgebäude. Unscheinbar und schon etwas in die Jahre gekommen. Die Rollläden sind heruntergelassen und auf der modernen Glastür beim Eingang prangt der Schriftzug „Heimatrevier“.
Die Stufen des Gebäudes in der Neuen Straße führen zum Bürgerbüro eines AfD-Abgeordneten: Fabian Jank. Der 29-Jährige ist in Luckau geboren und sitzt seit dem Jahr 2024 für die AfD im Brandenburger Landtag. Und er ist Vorsitzender des AfD-Kreisverbandes Oberspreewald-Lausitz.
Für die Partei soll er weiter wichtige Aufgaben übernehmen. In AfD-Kreisen gilt er als der aussichtsreichste Kandidat auf den Chefposten der neuen AfD-Jugendorganisation in Brandenburg. Während der Cottbuser Parteikollege Jean Pascal Hohm die Geschicke auf Bundesebene leiten soll, soll Jank die hiesige Jugend organisieren. Ende November wird sich die neue Jugendorganisation in Gießen (Hessen) gründen.
Auf das Gerücht angesprochen, erklärt Fabian Jank: „Ich wurde vom Landesvorstand zum Beauftragten der neuen Jugendorganisation berufen. Dabei geht es zunächst einmal darum, den Gründungskongress unserer Jugendorganisation vorzubereiten.“ Weiter schreibt er: „Wenn es so weit sein sollte, werden die Mitglieder darüber demokratisch entscheiden.“
Zu radikal für die AfD – aber eingeladen nach Großräschen
Politik für den Nachwuchs soll das Ziel der neuen AfD-Jugend werden. In seinem Bürgerbüro in Großräschen machte Fabian Jank das bereits im vergangenen Oktober in Form eines „Jugendabends“. Als Gast: Matthias Helferich. Der AfD-Politiker aus Nordrhein-Westfalen (NRW) sitzt im Bundestag und bezeichnete sich einmal als „das freundliche Gesicht des NS“.
Seiner eigenen Partei war er in der Vergangenheit zu radikal, sie warfen Helferich in der letzten Wahlperiode aus der Bundestagsfraktion, nun ist er wieder zurückgekehrt. Die AfD in NRW schloss ihn im Sommer sogar aus ihrer Partei aus.
Neben Matthias Helferich wurden Aktivisten eines rechtsextremen Wohnungsprojektes eingeladen oder auch Vertreter des Jungeuropa Verlages. Der Verlag ist im Vermerk des Verfassungsschutzes (Link zum PDF) zur Einstufung der AfD als rechtsextrem erwähnt.

Das Bürgerbüro des AfD-Landtagsabgeordneten Fabian Jank in Großräschen: Treffpunkt für extreme Akteure in Südbrandenburg.
Jakob Kerry„In der AfD sind unterschiedliche rechtsextreme Strömungen vertreten. Von der Brandenburger Parteiführung wird eine besonders hervorgehoben gefördert – eine junge, bewegungsorientierte Szenerie, die an einer ideologischen, ästhetischen und kulturellen Unterfütterung interessiert und lose unter anderem rundum die Identitären gruppiert ist“, erklärt Christoph Schulze, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Emil Julius Gumbel Forschungsstelle Antisemitismus und Rechtsextremismus (EJGF) am Moses-Mendelssohn-Zentrum der Universität Potsdam.
Was ist die Identitäre Bewegung (IB)?
Die Identitäre Bewegung ist eine rechtsextreme Gruppierung, die ursprünglich aus Frankreich stammt und seit den 2010er-Jahren auch in Deutschland aktiv ist.
Sie vertritt eine völkisch-nationalistische Ideologie und lehnt multikulturelle Gesellschaften sowie Migration ab.
Die Bewegung nutzt gezielt moderne Medien und provokative Aktionen, um Aufmerksamkeit auf ihre Positionen zu lenken.
Vom Bundesverfassungsschutz wird sie als gesichert rechtsextremistisch eingestuft und beobachtet.
Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung und Konrad-Adenauer-Stiftung
Die vom Experten angesprochene Identitäre Bewegung spielte bereits früh eine zentrale Rolle in Janks Leben. Bevor er in den Landtag in Potsdam einzog, studierte der Luckauer in Halle (Saale). Wie das Haus in Großräschen – Jank zufolge „ein lebendiger Treffpunkt für alle Patrioten in der Region“ – prägte auch in Halle ein besonderes Gebäude sein Leben maßgeblich.
Von Luckau über Halle (Saale) nach Potsdam
Wie der Verfassungsschutz in Brandenburg festhält, wohnte er vom Oktober 2018 bis 2020 im damaligen Hausprojekt der Identitären Bewegung in Halle, im sogenannten Flamberg. Dieser Redaktion liegen Fotos aus der damaligen Zeit vor, die das bestätigen. Sie zeigen Jank im IB-Hausprojekt.
IB-Hausprojekt in Halle – der „Flamberg“
Der „Flamberg“ war ein Hausprojekt der Identitären Bewegung (IB) in Halle (Saale), das als Treffpunkt, Wohnraum und Veranstaltungsort für Mitglieder und Sympathisanten diente.
In dem Gebäude in der Adam-Kuckhoff-Straße 16 wurden Aktionen geplant und rechtsextreme Positionen verbreitet, das Haus galt als „patriotisches Zentrum“ der IB.
Das Haus war ein wichtiger Ort zur Vernetzung und Organisation der rechtsextremen Szene, stand unter Beobachtung des Verfassungsschutzes und sorgte immer wieder für öffentliche Kontroversen.
Quelle: taz und Mitteldeutsche Zeitung
Auf Anfrage teilt Jank mit: „Als Student habe ich zur Miete in einem campusnahen Haus gewohnt, in dem verschiedene rechte Projekte und Einzelpersonen ansässig waren, darunter auch ein AfD-Wahlkreisbüro. Daran finde ich nichts Verwerfliches.“

Fabian Jank im Jahr 2019 im sogenannten Flamberg in Halle (Saale). Damals studierte er in Sachsen-Anhalt und wohnte in dem IB-Hausprojekt.
Stephanie HeideDie Identitären um ihren Chef Martin Sellner führten in den vergangenen Jahren verschiedene Projekte durch, die für Aufsehen sorgten. Die wohl bekannteste Aktion, die Verbindungen zur Identitären Bewegung aufweist, war das sogenannte „Potsdam-Treffen“.
Bei diesem wurde der Begriff „Remigration“, also die Ausweisung deutscher Staatsbürger auf Basis ihrer vermeintlich ausländischen Herkunft, besprochen. Die Idee des Identitären-Chefs bezeichnete das Verwaltungsgericht in Leipzig bei einem Urteil zuletzt als „menschenunwürdig“.
Wie steht Fabian Jank zum Konzept?
Zum propagierten menschenunwürdigen Remigrationskonzept erklärt Fabian Jank hingegen, dass er sich den Positionen seiner eigenen Partei anschließe und nicht jenen der Identitären. Er beteuert zudem, „nie Mitglied des Vereins ‚Identitäre Bewegung‘ gewesen zu sein“.
Fabian Jank profitiert allerdings weiterhin von seinen Kontakten zu den rechtsextremen Identitären. Eine Person, die in seinem Umfeld in den vergangenen Monaten wiederholt auftaucht, ist Jonas Schick. Auch er war lange bei der IB aktiv und ist heute Chefredakteur des Öko-Magazins „Die Kehre“.
Christoph Schulze vom Moritz-Mendelssohn-Zentrum ordnet das Magazin folgendermaßen ein: „Die Zeitschrift wendet sich an ein an ökologischen Themen interessiertes, in der Tendenz bereits ‚überzeugtes‘ rechtsextremes Publikum. Gewissermaßen: An das Segment der rechtsextremen Klientel, die für Konsumverzichtideen, ökologischen Landbau und Ähnliches ansprechbar ist.“ Zuletzt veröffentlichte auch Jank einen Beitrag in dem Magazin, in derselben Ausgabe schrieb unter anderem auch Martin Sellner.
Verbindung zwischen IB und AfD in Brandenburg
Die Identitäre Bewegung steht nach wie vor auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD. Wie ist es also möglich, dass Personen wie Jank, mit einem so intensiven Kontakt zur IB, in der AfD aufgenommen werden?
„Alle Aufnahmeverfahren in die AfD erfolgen nach den satzungsgemäßen Bestimmungen und den geltenden Parteiregeln“, schreibt Parteichef René Springer dieser Redaktion. Doch auch Springer stört sich keineswegs an einer Nähe zur IB. Der bereits genannte Jonas Schick war 2023 Mitarbeiter des Parteichefs.
Auch für die neue Jugendorganisation der Partei soll die genannte Unvereinbarkeitsliste gelten. Dazu, wie die AfD künftig bei ihrer Jugendorganisation mit ehemaligen oder aktiven Mitgliedern der IB umgehen möchte, schreibt Springer: „Personalentscheidungen im Zusammenhang mit der neuen Jugendorganisation werden in den entsprechenden Wahlversammlungen getroffen und anschließend öffentlich bekanntgegeben.“



