Der Besuch aus Rostock vertraut auf die Erfahrung der Einheimischen. Also geht es am Silvestersamstag nicht direkt über die Grenzbrücke nach Łeknica, sondern man fährt auf Nummer sicher. Nachher steht man in Bad Muskau möglicherweise im Stau der Tanktouristen und bringt damit das ganze Programm durcheinander. Also geht es entspannt über die Grenzbrücke in Krauschwitz nach Polen.
Doch von Stau kann am letzten Tag des Jahres in Bad Muskau keine Rede sein. Schon die vergangenen Wochen hat Bürgermeister Thomas Krahl (CDU) die Beobachtungen gemacht, dass seine Stadt nicht mehr mit Autos „geflutet“ wird. Der Tanktourismus sei merklich abgeflaut, nachdem er im Herbst für tagelange Probleme gesorgt hatte.

Silvester ist der letzte Tag mit Tankrabatt

Doch Silvester ist bekanntlich der Tag, wo der geringere Mehrwertsteuersatz auf Benzin und Diesel in Polen ausläuft. Zum einen steigt die Verbrauchssteuer, die pauschal für jeden Liter getankten Kraftstoff anfällt. Für Benzin wird der Verbrauchsteuersatz pro Liter von 1,413 Złoty (30 Cent) auf 1,529 Złoty (33 Cent) und für Diesel von 1,104 Złoty (24 Cent) auf 1,160 Złoty (25 Cent) erhöht. Zum anderen wird die Mehrwertsteuer auf Treibstoffe von acht Prozent wieder auf den Normalsatz von 23 Prozent angehoben – was den Effekt der Verbrauchssteuer noch verstärkt.
Dominik, der freundliche Tankwart an der AB-Tankstelle am Ortsausgang von Łeknica, hat am Samstag schon mehr zu tun, als sonst. „Es kommen mehr Autos wegen der Steuer“, sagt er. „Morgen geht es 14 Cent rauf.“ Das bedeutet, dass der Benzinpreis (Super 95) von 1,41 auf 1,55 Euro steigt. Doch obwohl bei AB Betrieb herrscht, bilden sich keine Schlangen. Die sieht man auch an anderen Tankstellen nicht. Auf dem Polenmarkt floriert am letzten Tag des Jahres noch der Einkauf von Zigarettenstangen und von Feuerwerk.
Dass es zurückgeht zur alten Mehrwertsteuer ärgert die Deutschen sicherlich, ist aber für die Polen besonders bitter. „Das ist nicht gut“, findet auch Dominik. Doch im Moment macht er sich noch wegen einer anderen Geschichte größere Sorgen. Direkt vis a vis der AB-Tankstelle wird nämlich gebaut.

Eine weitere Tankstelle wird in Łeknica gebaut

Tatsächlich. Lugknitz (Łeknica) bekommt, eine weitere Tankstelle. Der Betreiber „Moya“ wird dort einen neuen Tankstopp errichten. „Unsere Konkurrenz“, so Dominik. Es wird die neunte Tankstelle in der kleinen Stadt an der deutsch-polnischen Grenze werden. Nach Rundschau-Recherche wird „Moya“ dann zweimal in der Stadt vertreten sein und seinen bekannten Standort in der Nähe des neuen Geopark-Zentrums behalten.
Dabei hatte Bürgermeister Piotr Kuliniak im Gespräch mit der LR davon gesprochen, dass seine Stadt bereits genügend Tankstellen habe und ihm neue Wohnungen viel wichtiger seien.
Apropos „Moya“. Dort hat sich im Lauf der Silvesternacht nichts verändert. Soll heißen, weiterhin wird der Benzinpreis mit 6,44 Złoty ausgewiesen. Beim aktuellen Umtauschkurs von 4,68 Złoty für den Euro bedeutet das einen Tankpreis von 1,37 Euro je Liter.
Und sie sind nicht die einzigen Anbieter, bei denen die Steuererhöhung scheinbar spurlos geblieben ist. Auch bei der Shell-Tankstelle neben dem neuen Biedronka-Markt heißt es per Leuchtreklame 1,41 Euro. Genau so viel, wie zum Jahresende ausgewiesen wurde.

Wo am 2. Januar am günstigsten getankt wird

Doch es geht am 2. Januar 2023 noch günstiger. An der „LPG-Tankstelle“ an der Lesna 11 ist zwar auch nicht viel los, aber der Preis wird hier mit 6,30 Złoty ausgewiesen. Das wären umgerechnet 1,34 Euro je Liter Super 95. „Das ist noch der alte Preis“, versichert hier der Tankwart und freut sich, allen dieses Angebot machen zu können. Ob das allerdings nur ein Sonderfall ist oder auch die nächsten Tage so bleibt, dafür reichen leider die deutsch-polnischen Verständigungsmöglichkeiten nicht mehr aus.
Könnte allerdings durchaus sein, dass es einige Verzögerungen gibt, bis die Preise am westlichsten Punkts Polens ansteigen. Denn die Absenkung der Mehrwertsteuer vor fast einem Jahr – zum 1. Februar 2022 – kam teilweise auch erst zeitversetzt an den Zapfsäulen in Bad Muskaus Partnerstadt an.
Nun muss man abwarten, wie sich insgesamt die Kraftstoffpreise entwickeln. Zum Ende des Jahres mussten die Autofahrerinnen und Autofahrer sowohl in Deutschland als auch in Polen erneut etwas mehr für ihre Tankfüllungen bezahlen. Wie die aktuelle ADAC-Auswertung der Kraftstoffpreise in Deutschland ergibt, kostet ein Liter Super E10 derzeit im bundesweiten Schnitt 1,686 Euro. Damit hatte sich Benzin innerhalb einer Woche um 2,5 Cent verteuert. „Um 1,2 Cent je Liter hat sich im selben Zeitraum Diesel verteuert“, meldet der Automobil-Club. Das war Ende Dezember der Stand der Dinge gewesen.

Steuer steigt in Polen auch bei den Zigaretten

Die Rückkehr zu den ursprünglichen Mehrwertsteuersätzen bedeutet eine weitere Preiserhöhung für die Verbraucher in Polen. Bei Gas sind sie am deutlichsten. Denn die Mehrwertsteuer steigt von null ab dem 1. Januar wieder auf 23 Prozent. Laut Angaben der polnischen Steuerplattform pit.pl bereitet die Regierung sich darauf vor, die Preise einzufrieren oder einen Teil der Mehrwertsteuer zu erstatten. Doch das soll in Polen einkommensabhängig geschehen.
Ab dem 1. Januar 2023 wird die Alkohol- und Zigarettensteuer wieder erhöht, teilt das Polen-Journal mit. Ab 2023 wird Alkohol um fünf Prozent teurer und Zigaretten um zehn Prozent. Eine Packung Zigaretten werde dann etwa 0,42 Zloty mehr kosten.
Die Null-Mehrwertsteuer auf Lebensmittel in Polen wird hingegen bis zum 30. Juni 2023 beibehalten.