Ob nach dem Einkaufen oder nach der Arbeit: „Ich fahr‘ nochmal kurz nach Polen“ gehört für viele Autofahrende im Landkreis Spree-Neiße zum Repertoire. Doch ab Neujahr werden die Kraftstoffe im Nachbarland wieder teurer. Lohnt sich noch der Trip über die Grenze?
Bereits ab dem 1. Januar 2023 wird es teurer, mit dem eigenen Auto in Polen zu tanken. Die Mehrwertsteuer auf Kraftstoff wird dann wieder auf 23 Prozent steigen. Das hatte das polnische Steuerportal pit.pl Mitte Dezember berichtet. Zum Vergleich: Derzeit liegt der Mehrwertsteuersatz hinter der Grenze bei acht Prozent.

Benzin und Diesel-Preise in Polen: Verstoß gegen EU-Richtlinie

Steuersätze dieser Art widersprechen einer gemeinsamen EU-Richtlinie zum Mehrwertsteuersystem, die für einen fairen Wettbewerb im EU-Binnenmarkt sorgen soll. Bereits im September dieses Jahres hatte die Regierung in Polen den ersten Brief aus Brüssel mit der Aufforderung erhalten, die Mehrwertsteuersätze auf Benzin und Diesel wieder zu erhöhen und so dem EU-Recht anzupassen.
Die Aral Tankstelle im nahe Forst gelegenen Zasieki: eine der Anlaufstellen für Autofahrende aus dem gesamten Landkreis Spree-Neiße. Wie lange sich die Überfahrt noch lohnt, ist fraglich.
Die Aral Tankstelle im nahe Forst gelegenen Zasieki: eine der Anlaufstellen für Autofahrende aus dem gesamten Landkreis Spree-Neiße. Wie lange sich die Überfahrt noch lohnt, ist fraglich.
© Foto: Heike Reiß
Die Europäische Union macht bei der Besteuerung wenige Ausnahmen. Bei bestimmten Produkten oder Dienstleistungen dürfen Staaten selbst entscheiden, ob und inwieweit sie die Mehrwertsteuer herabsetzen oder diese gar auf null zu senken. Auf Grundnahrungsmittel ist die gänzliche Steuerbefreiung zum Beispiel erlaubt. Ein gesenkter Steuersatz auf Kraftstoffe ist jedoch nicht zulässig.
„Wir müssen auf Kraftstoffe wieder den höheren Mehrwertsteuersatz anwenden“, hatte der polnische Minister für Staatsvermögen Jacek Sasin Ende November im polnischen Radio zu Protokoll gegeben.

Tanken in Polen: Noch sind Preise an der Zapfsäule günstiger

Derzeit sind die Kraftstoffpreise in Polen zwischen 25 und 35 Cent billiger als in Forst und Umgebung. Ein Beispiel: Während es an der Agip Tankstelle den Liter Super 95 für 1,76 Euro (17. Dezember 2022) gibt, bezahlt der geneigte Autofahrende bei der Total Tankstelle in der Schwerinstraße einen Cent weniger. Beim Diesel sind es an beiden Zapfsäulen 1,78 Euro pro Liter.
Direkt hinter der Grenze liegt der Preis für einen Liter Benzin bei der Tankstelle Apexim AB bei 1,43 Euro, an der benachbarten Aral-Zapfsäule bei 1,36 Euro (17. Dezember 2022). Diesel kostet im Hause Apexim 1,54 Euro pro Liter, bei Aral 1,55 Euro. Einen Kilometer weiter kann man bei der „Circle K“-Tankstelle noch einmal sparen: Super 95 gibt es für 1,34 Euro pro Liter. Der Dieselpreis hält sich mit 1,55 Euro je Liter die Waage mit den benachbarten Tankstellen.

Für wen lohnt es sich, die Anfahrt in Kauf zu nehmen?

Wer aus Forst und dem Umkreis kommt, hat gute Karten: Laut tanken.de lohnt sich bei einem Kleinwagen wie einem VW Golf oder einem Skoda Fabia mit einem Benzinverbrauch von etwa sechs Litern pro 100 Kilometer, der für rund 40 Liter betankt wird, ein Umweg von bis zu 208 Kilometern zur günstigeren Tankstelle nach Polen. Wenn dabei Hin- und Rückfahrt berücksichtigt werden, ergibt das einen Radius, der Cottbus und den gesamten Landkreis Spree-Neiße abdeckt.
Auch bei einem größeren Fahrzeug, das acht Liter auf 100 Kilometern verbraucht, lohnt sich noch ein Umweg von etwa 95 Kilometern pro Strecke. Vorausgesetzt, man fährt spritsparend, tankt voll und packt auch den 20 Liter Reservekanister ein.
Und im neuen Jahr? Da wird das Eis dünner. Mit der Anhebung der Mehrwertsteuersätze in Polen kann mit einem höheren Liter-Preis um 20 bis 25 Cent gerechnet werden. Bei Diesel muss man anteilig noch etwas mehr aufschlagen. Um beim vorherigem Rechenbeispiel zu bleiben: Der günstigste Tankpreis in Polen wird 25 Cent erhöht und liegt dann bei 1,69 Euro je Liter. Dann lohnt sich die Fahrt nach Polen nur noch bei etwa 15 Kilometern pro Strecke, unerheblich ob Großfahrzeug oder Kleinwagen.

In diesen Tagesstunden lohnt es sich besondners, tanken zu fahren

Im Tagesverlauf wechseln die Spritpreise sehr häufig. Einer Studie des ADAC vom August 2022 zufolge ist Kraftstoff morgens am teuersten. Nachdem die Preise nachts über einen längeren Zeitraum weitgehend konstant bleiben, beginnt ab circa 5 Uhr ein deutlicher Anstieg, der kurz nach 7 Uhr seinen Höhepunkt erreicht. Hier liegt gleichzeitig das höchste Preisniveau des Tages. Anschließend fällt der Preis, um nach 9 Uhr wieder anzuziehen.
Im Tagesverlauf folgen weitere Preisspitzen gegen 10 Uhr, 13 Uhr, 16 Uhr, 18 Uhr, 20 Uhr und schließlich ab 23 Uhr. Dann klettert der Preis wieder auf sein nächtliches Niveau.
Der ADAC empfiehlt daher nicht nur, die Preise an verschiedenen Tankstellen zu vergleichen. Wer die Möglichkeit hat, solle am besten zwischen 18 und 19 Uhr oder zwischen 20 und 22 Uhr an der Zapfsäule tanken. Laut der Untersuchung können Verbraucher so etwa zwölf Cent gegenüber den Morgenstunden sparen. Das gilt sowohl für Diesel-Fahrzeuge, als auch für Benziner.