Muskauer Park: Badehaus eingeweiht – warum es diese Feier fast nicht gegeben hätte
Bad Muskau hat seinen eigenen Doppel-Wumms. Und das bekommt die Parkstadt am Samstag, 24. Juni, ganz ohne Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hin, dem ja dieser Spruch zugeschrieben wird.
Die Musiker von „Banda Comunale“ bringen den Wumms aus der Landeshauptstadt mit in die Parkstadt. Mit Helikon und Sousafon haben sie kraftvolle Blas-Instrumente am Start. Schwungvoll, rhythmisch und mit viel Spielfreude überbrückt die international aufgestellte Combo die Zeitspanne, bis der offizielle Teil starten kann. Und dem liegt ja auch ein Doppel inne. 200 Jahre Kurtradition und gleichzeitig die Wiederinbetriebnahme des Badehauses im Hermannsbad ist auch schon mal ein starkes Zeichen für den Muskauer Park. Also gleichfalls ein Wumms.
Badearchitektur stand auf wackeligen Fundamenten
Noch dazu, wenn sich Menschen wie Udo Frenschkowski, vormals beim Landesamt für Denkmalschutz in Dresden beschäftigt, daran erinnern, dass die Architektur im Badepark in den 90er-Jahren durchaus auf Messers Schneide stand. Von großflächigem Abriss der Gebäude wie Badehaus oder der Villa Pückler war die Rede, um möglichen Investoren den Weg freizumachen, neu bauen zu können. Ein Betonklotz inmitten des Badeparks – man möchte es sich heute nicht mal ansatzweise vorstellen. Es hätte dem „vergessenen Park“ den Rest gegeben. Doch die Denkmalschützer konnten erfolgreich ihr Veto einlegen.
Im Badepark geht es Schritt für Schritt voran
Nachdem die Wiederherstellungsarbeiten im Kernbereich des Muskauer Parks abgeschlossen waren, geriet der abgelegenere Parkteil des Hermannsbades stärker in den Fokus der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau, die 2013/2014 ein Entwicklungskonzept vorlegte und damit peu à peu dessen Revitalisierung und funktionale Neuausrichtung einleitete.
Nach der Sanierung des Kuppelpavillons (2015), der Verlängerung der Waldeisenbahntrasse bis zum Badehaus (2017), der Fassadensanierung der Villa Pückler (2018), der Sanierung der Villa Bellevue (2018), der Rekonstruktion der Exedra-Bank (2018), der kontinuierlichen Neugestaltung des völlig überformten Talgartens (2021) und der Wiederaufstellung des Musikpavillons (2022) kann nun im Jubiläumsjahr auch das Badehaus eingeweiht werden.
Dieses wurde in drei Abschnitten saniert, erklärt Jaroslaw Golaszewski, Leiter der Niederlassung Bautzen vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB). 2,25 Millionen Euro sind „gut angelegtes Geld“, findet nicht nur Golaszewski. Eine Perle sei entstanden.
„Durchschnitt bringt hier nüscht“, verfällt Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) in den Lausitzer Slang. Was man in Bad Muskau tue, mache man für die Kinder und Enkel. Aber nicht nur. Sondern auch, um damit außerhalb von Sachsen Relevanz zu erzeugen. Berlin und die Berliner hat der MP dabei beispielsweise im Blick. Und damit die noch schneller nach Sachsen kommen, sei eben die Schnellzugverbindung Berlin, Cottbus, Weißwasser, Görlitz und weiter nach Polen so wichtig. Erst jüngst habe ihm Kanzler Scholz zugesichert, dass sie kommt, sagt der MP.
Kurtradition und Kurvision in Bad Muskau
Auch wenn man im sanierten Badehaus nicht mehr (Kur-)Baden kann, sei wieder ein Puzzleteil im Muskauer Park hergerichtet, freut sich der neue Stiftungsratsvorsitzender Sebastian Hecht bei seiner Premiere in Bad Muskau.
Den Ruhm vom Kurort Marienbad kopieren zu wollen, sei Fürst Pückler nicht gelungen. Und auch die nachkommenden Standesherren taten sich schwer damit. Die Kur zu DDR-Zeiten zog sie viele Gäste nach Bad Muskau und schaffte somit eine Legitimation für den Park, in dem sogar die Schlossruine überleben durfte. „Und diese Idee lebt weiter und weiter und weiter. Sie ist Bestandteil des Muskauer Visionsspektrums“, so Panning zum Thema Kurentwicklung.
Hat Kur nach 200 Jahren aber noch eine Zukunft? Karl-Ludwig Resch vom Deutschen Institut für Gesundheitsforschung GmbH erklärt, dass es Kuren künftig noch weniger auf Krankenschein geben werde. Aber auch Goethe oder die Kaiserin Sissi hätten damals ohne Krankenschein gekurt. Den Bad Muskauer rät er, lieber den Spatz in der Hand zu halten, als die Taube auf dem Dach. Sprich, in kleinen Schritten mit Sole und Moor selbst aktiv zu werden. Der Bürgermeister dürfte sich fragen, welche (Geld-)Quelle er dafür anzapfen muss. Womit man wieder bei Pückler und dem Start der ersten Badesaison 1823 wäre...
Ausstellung im Badepark
Gezeigt wird im sanierten Badehaus in den nächsten Monaten eine kleine Ausstellung zur Geschichte des fürstlichen Bades mitsamt den erhalten gebliebenen Aussparungen im Fußboden für die historischen Wannen. Sie ist bis zum 15. Oktober immer sonntags von 14 bis 17 Uhr im historischen Badehaus für Besucher geöffnet.
Treffpunkt Badehaus am 30. Juni um 16 Uhr: Thematische Parkführung „200 Jahre Hermannsbad – eine Pücklersche Idee und ihre baulichen und gärtnerischen Nachwirkungen“ mit Cord Panning, Geschäftsführer und Parkdirektor der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau.
Während der Eröffnung des Badehauses hat wieder ein Open-Air-Picknick im Badepark stattgefunden. Das muss sich noch mehr herumsprechen. Auch wenn das Ambiente einladend waren, fanden Besucher die Kombination aus offizieller Eröffnung und lockerem Beisammensein nicht so gelungen.






