Dass sich besondere Orte für Konzerte eignen, davon kann die Neue Lausitzer Philharmonie ein Lied spielen. Und das nicht erst, seit die Spielstätte des Gerhart-Hauptmann-Theaters Görlitz aus noch ungeklärtem Grund durch die Sprühflutanlage auf der großen Bühne geflutet wurde. Das war im November 2022.
Bereits im Sommer des vergangenen Jahres packten die Musiker ihre Instrumente ins Auto, um am Schaufelradbagger in Hagenwerder, in der Klosterruine in Oybin, im Findlingspark Nochten oder in der Telux Weißwasser aufzuspielen.

Wenn in Weißwasser bei einem Konzert die Stühle knapp werden

Wobei letztgenanntes Konzert die größte Überraschung offenbarte. In der Produktionshalle Sonderofen der ehemaligen Glasfabrik reichten die Stühle nicht. Mit 450 Gästen wurde letztlich ein für alle überraschenden Ergebnis erzielt. Natürlich war der Abend auch musikalisch ein Erlebnis. Denn auch auf der Bühne standen deutlich mehr Musiker als üblich.
Die Weihnachtskonzerte, die die Philharmonie wieder um nach Weißwasser geführt haben, waren hingegen nicht so gut nachgefragt.
Zwischen diesen beiden Extremen schwankend, ist es deshalb ziemlich schwierig, für den 15. Juli eine Schätzung abgeben zu wollen. Dann findet nämlich eines der finalen Konzerte im Reigen der „Neuen Lausitzer Landpartie“ statt. Es führt die Musiker an den Bärwalder See. „Mit der Neuen Lausitzer Landpartie konnten wir kostbare Erfahrungen sammeln und vor allem auch neue Freunde finden. Ich bedanke mich von Herzen bei allen Vereinen, Initiativen und Individuen, die mit viel Enthusiasmus diese Konzertreise möglich gemacht haben. Wir freuen uns, wenn wir einmal wieder bei Ihnen zu Gast sein dürfen!“, findet der Theater-Intendant Daniel Morgenroth in der Ankündigung des Seekonzertes nette Worte.

Premiere: Picknick-Konzert am Bärwalder See

In Boxberg wird es am Samstag, 15. Juli, ab 19.30 Uhr ein klassisches Open-Air-Konzert geben, und das am Anleger auf der Boxberger Seite. Unterhalb der Promenade wird die Bühne aufgebaut werden.
Laut Projektleiterin Marie-Therese Gey wird das Ganze als „Picknickkonzert“ angekündigt, bei denen jeder sehr gerne selbst Decken/Campingstühle oder ähnliches mitbringen kann. „Auch wollten wir für die Seekonzerte eine ungezwungene, lockere Atmosphäre und keine strenge Durchbestuhlung. Es ist vielleicht nicht die komfortabelste Situation, gerade für älteres Publikum, aber bei freiem Eintritt und demzufolge keinen Konzerteinnahmen und sehr hohen Kosten im Bereich der Infrastruktur – beispielsweise durch den Bühnenaufbau – sicherlich verständlich.“
Zusätzlich zu den knapp 60 Musikern der Philharmonie spielen im Rahmen der Jungen Lausitzer Orchesterakademie noch knapp 50 Musikschüler aus den Kreisen Görlitz und Bautzen mit. Die Gesamtorchesterstärke liegt also bei 104 Personen. Damit ist auch klar, dass Eltern, Großeltern und Geschwisterkinder dem Auftritt der Musikschüler beiwohnen wollen.
Doch was erwartet die Gäste? Es treffen Harry Potter und Krabat aufeinander. Wie das geht? In dem zum Beispiel die Musik von John Williams zum Film „Harry Potter und der Stein der Weisen“ aufgeführt wird.

Wie die Sagenfigur Krabat an den Bärwalder See kommt

Die Sagenfigur Krabat dürfte ja den meisten Menschen in der Lausitz bekannt sein. Er ist das Motiv eines neuen Werkes, das der Komponist Maximilian Andrzejewski für das Görlitzer Theater geschrieben hat. Der Titel lautet „změna“. Übersetzt aus dem Sorbischen heißt es Wandel. „Ich habe mich in dem Stück mit der schleichenden Transformation/Emanzipation der sorbischen Sagenfigur Krabat beschäftigt. Hierbei habe ich mich musikalisch sowohl auf den scheinbar unentrinnbaren Loop der Riten und Abläufe auf der Mühle konzentriert, als auch auf Krabats schrittweisen Ausbruch daraus. Das ist auch ein schönes Bild für die Transformationen in der Lausitz.“ So erklärt der Komponist sein Motiv.
Und mit Wandel kennt sich ja die Lausitz bestens aus. Das Kraftwerk im Rücken schauen die Zuhörer beim Konzert auf Sachsens größten See, in dem bis 1992 Kohle abgebaut wurde. 1993 und damit vor 30 Jahren begannen die ersten Sanierungsarbeiten.

Konzert-Generalprobe am Freitag

● Beim ersten der drei Seekonzerte im Rahmen der Neuen Lausitzer Landpartie am Olbersdorfer See hatten die Musiker rund 900 Gäste.
● Am Freitag, 14. Juli, findet bei gutem Wetter um 19 Uhr eine Generalprobe am Spielort Bärwalder See statt.
● Sie ist zwar nicht „öffentlich“, findet aber in der Öffentlichkeit statt. Insofern sind Zaungäste nicht verboten.
● Am Sonntag, 16. Juli, gibt es um 18 Uhr eine zweite Konzertaufführung, diesmal in der Schützenplatzhalle in Bautzen. Auch dort ist der Eintritt frei.
● Am Berzdorfer See gibt es am Samstag, 22. Juli, um 19:30 Uhr das Konzert mit der Neuen Lausitzer Philharmonie. Hier kommt das Stück „Der Nöck - alles im Fluss“ zur Uraufführung.