Wenn René Koinzer, Vizepräsident des Elferrates Bad Muskau, den alle nur Keule nennen, im Dunkeln an irgendwelchen Haustüren klingelt, dann kann es „gefährlich“ werden. Es ist nicht etwa der Start eines Besuches, wo man mal ein Stündchen schnackt, sondern es geht um eine Mission.
Es ist die Mission Prinzenpaar, die bewusst im Dunkeln bleiben soll. „Ich mache das nun im 25. Jahr und könnte schon ein Buch darüber schreiben“, erzählt der Mann aus Bad Muskau.

Elferrat Bad Muskau sucht erneut nach einem Prinzenpaar

Dem könnte er für die 66. Saison ein weiteres spannendes Kapitel hinzufügen. Denn wer Keule im letzten Sommer fragte, dann lächelte der verschmitzt und freute sich wie Bolle, dass das ungekrönte Prinzenpaar weiterhin zur Stange hält. Es wollte und sollte 66. Prinzenpaar werden, dafür drehten die beiden bedingt durch Corona zwei Jahre in der Warteschleife.
Doch im September 2022 ging das Prinzenpaar dann doch flöten. Ein Baby hatte sich bei der ungekrönten Prinzessin angekündigt. Was für die Einwohnerzahl gut ist, war schlecht für den Elferrat. Also alles auf null. Die Suche nach dem Prinzen startete als Erstes. Und der Besuch im Dunklen an der Haustür war erfolgreich. „Der Prinz hat noch am selben Abend zugesagt“, so René Koinzer. Da habe es ordentlich plumps gemacht. Mit anderen Worten, dem Vizepräsidenten war ein gewaltiger Stein vom Herzen gefallen. Zusammen mit seiner Prinzessin kann der Prinz jetzt beim Hofball im Programm versteckt werden. „Es werden alle große Augen machen“, ist sich René Koinzer sicher und baut damit den Spannungsbogen weiter auf.

Wie ein Neustart für die Bad Muskauer Karnevalisten

Und das nicht für die Gäste der Veranstaltung am 21. Januar, sondern auch für die Vereinsmitglieder. Diese sind aufgeregt wie selten zuvor bei einer Saison. Denn endlich können auch die Bad Muskauer wieder mit ihrer Passion so richtig durchstarten. Zwei Jahre war erst gar nichts und dann kleinere Formate möglich. „Die waren aber auch wichtig, damit die Gemeinschaft des Vereins erhalten bleibt“, spielt Keule auf das Sommerfest, den Ausschank zu Himmelfahrt oder zum 3. Oktober an.
Die 66. Saison soll nun wieder eine richtige Karnevalssaison nach Bad Muskauer Muster werden. Lediglich von der Weiberfastnacht habe man sich verabschiedet, weil sie für den Verein immer ein Zuschussgeschäft geblieben ist. Ansonsten ist alles im Plan, was zum Karneval in der Parkstadt gehört.
Mini- und Kids-Garde bitten in Bad Muskau aufs Spielfeld. Das haben die Muskauer diesmal nach Amerika verlegt.
Mini- und Kids-Garde bitten in Bad Muskau aufs Spielfeld. Das haben die Muskauer diesmal nach Amerika verlegt.
© Foto: Aline Nickel
Mit dem Hofball geht es los. Beziehungsweise für die Mini- und Kids-Garde der Bad Muskau ist es schon losgegangen. Mit 27 Kindern – und damit der größten Gruppe – sind sie vor wenigen Tagen bei der Spatzengala in Cottbus aufgetreten. „Das war quasi eine Generalprobe für uns“, sagt Trainerin Sarah Tschäpel.
Seit der Saison 2004/2005 gehört sie zu den Närrinnen. Das ist übrigens genetisch bedingt. Gemeinsam mit Sophia König trainiert sie die Mädchen und den einen Jungen. „Den Gardetanz schleppen wir jetzt schon zwei Jahre mit uns“, erzählt Sarah Tschäpel. Mit dem Training für den Mottotanz haben die Funken im Sommer begonnen. Nun freuen sich alle, die Choreografien endlich im heimischen Narrenschloss aufzuführen. „Für die jüngsten ist es die allererste Saison überhaupt. Sie waren vor Corona bei uns eingetreten.“

Das Motto der 66. Saison: Bad Muskau reist mal eben nach Amerika

Auch das Motto, dass die Bad Muskauer in der 66. Saison in Angriff nehmen, musste zwei Jahre reifen. „Dadurch hat es sich allerdings verändert“, erzählt René Koinzer. Wollte man erst nur die Route 66 – die bekannte Fernstraße in den USA – bereisen, gibt es nun doch einige Abstecher. Und so heißt es dann auch: „Zum 66. Faschingsjahr, der EBM reist durch Amerika“. Neben den Tänzen und Programmteilen, hat dafür auch die Dekobrigade allerhand zu basteln, schrauben und kleben gehabt.
Der Mann mit der besonderen Frisur sollte aufpassen: Er wird in Bad Muskau gesucht und könnte im Narrenschloss Lindenhof tatsächlich verhaftet werden.
Der Mann mit der besonderen Frisur sollte aufpassen: Er wird in Bad Muskau gesucht und könnte im Narrenschloss Lindenhof tatsächlich verhaftet werden.
© Foto: Regina Weiß
Das passiert übrigens nicht nur im Lindenhof. „Wir wissen, dass das auch zu Hause angesagt ist“, deutet der Vizepräsident an. Soll heißen, auch auf die Kostüme der Besucher darf man wieder gespannt sein. Wie es Sitte ist, wartet beim Hofball nicht nur die Demaskierung des Prinzenpaares auf die Besucher, sondern auch die Prämierung der besten Kostüme. Nur einer muss aufpassen, wer mit einer Haartolle à la Donald Trump auftaucht, könnte Gefahr laufen, verhaftet zu werden.

Wann ist was los in Bad Muskau

Der Hofball am 21. Januar beginnt um 20 Uhr. Einlass ist ab 19 Uhr möglich. Die Karten gibt es für 15 Euro bei der Gulf Tankstelle in Bad Muskau oder an der Abendkasse.
Die 66. Saison wird dann wie folgt fortgesetzt: 4. Februar ab 16 Uhr das „Lindenstad‘l“; 11. Februar ab 15 Uhr Fasching für Menschen mit Behinderung; 18. Februar großer Karnevalsumzug ab 14 Uhr; 18. Februar ab 20 Uhr großer Karneval; 20. Februar Kinderfasching ab 13.30 Uhr bei freiem Eintritt und 20. Februar ab 20 Uhr Rosenmontagsball.