Oh, es riecht gut, oh, es riecht fein. Doch man muss nicht unbedingt Plätzchen backen, um diese Liedzeile zu assoziieren. Es reicht der Gang in die Honigküche von Sylvia Bieder in Reichwalde. Das liegt nicht nur an den vielen Honigwachskerzen, die hier schon für den Weihnachtsmarkt in Reichwalde bereitstehen. Es ist vor allem das Propolis, das der Nase schmeichelt.
Propolis ist das Kittharz, das von den Bienenvölkern produziert wird, um sich vor Bakterien und Keimen zu schützen und natürlich auch, um ihren Bienenstock abzudichten. Das Harz räuchert nicht nur vor sich hin, sondern kann auch die Luft entkeimen. Den Bienen sei Dank.
Was Bienen alles können und was sie leisten, das wissen Sylvia Bieder, Frank Batzk und Volker Schönig nur zu gut. Die drei gehören zum Imkerverein Reichwalde-Viereichen. Der Verein hat am 30. November 2022 sein 100-jähriges Bestehen feiern können. Doch in die Jahre gekommen, ist er deswegen keineswegs. Das wollen die Mitglieder im Rahmen des 24. Weihnachtsmarktes in Reichwalde am 10. Dezember unter Beweis stellen. Dafür laufen schon seit Längerem die Vorbereitungen.

Imker wollten sich vor 100 Jahren in Reichwalde organisieren

Der Gastwirt Emil Nowke (Reichwalde/Ziegelei), der Dachdeckermeister Paul Wenke (Mochholz) und der Lehrer Bitterlich (Mochholz) haben den Imkerverein Reichwalde-Viereichen aus der Taufe gehoben, verrät der Blick in die Geschichte. Hintergrund war, die Imker wollten sich in einer Organisation fachlich austauschen. Dieser Grund ist auch 100 Jahre später noch die Basis der Vereinsarbeit um den Vorsitzenden Frank Batzk.
34 Mitglieder, darunter auch viele jüngere, zählt der Verein und diese sind längst nicht nur in Reichwalde zu Hause. Dazu gehört beispielsweise auch Hendrik Ansorge, Leiter der Tagebaue Nochten/Reichwalde, der in Bad Muskau zu Hause ist. Seine Bienen sorgen dafür, dass Apfel-, Birnen-, Pfirsich- und Pflaumenbäume im Ortsteil Berg Früchte tragen können. Mittlerweile hat er auch seine Kinder mit dem Hobby infiziert.
„Honig geleckt“ hat Henrik Ansorge selbst bei einem Besuch der Belegstelle, die der Reichwalder Imkerverein betreut. Diese befindet sich im Tagebaukippengelände, in deutlicher Entfernung von jeglicher Bebauung und vor allem von Bienenstöcken. Denn die Belegstelle, die es seit 1964 gibt und die eine von zwei staatlich anerkannten in Sachsen ist, hat eine wichtige Aufgabe. Man könnte es landläufig so beschreiben: Dort geht beim Liebesspiel so richtig die Post ab. Nur damit jetzt keiner auf falsche Gedanken kommt, es geht um die Begattung von Bienenköniginnen.
Carnica ist eine Art, die als besonders sanftmütig, schwarmverträglich und fleißig gilt. „Es sollen reinrassige Linien bleiben“, so Volker Schönig. Dafür kommen Imker aus ganz Sachsen und auch aus Brandenburg mit ihren Königinnen nach Reichwalde. Hier findet dann der Hochzeitsflug statt, sodass eine neue Generation an eifrigen Sammlerinnen entstehen kann.

Bienen aus Reichwalde sind wichtig für die Natur

Und die werden überall gebraucht. Denn fehlt die Biene, kommt der Lauf der Natur in Teilen ins Stocken. Damit das nicht passiert, nehmen die Vereinsmitglieder samt ihren Völkern auch schon mal einige Kilometer in Angriff. Da geht es in den Raps oder in die Linden, in den Buchweizen, die Robinien oder die Heide. Die Honigsorten haben ihre Fans und die Kunden kommen extra deswegen nach Reichwalde gefahren. Ein solches Beispiel ist der Buchweizenhonig. „Er wird auch Misthonig genannt“, lacht Sylvia Bieder. Das habe mit dem gewöhnungsbedürftigen Geruch zu tun. Davon sollte man sich allerdings nicht abschrecken lassen.
Sylvia Bieder, Frank Batzk und Volker Schönig lassen sich von der vielen Arbeit rund um ihre Bienen auch nicht abschrecken. Sie lieben ihr Hobby, dass sie teilweise schon in der vierten Generation ausüben. „Wenn man als Kind immer mitgeht zu den Bienen, dann kann man nicht anders“, so Frank Batzk. „Ich hatte sogar immer groß Angst vor den Bienen, aber ich esse eben auch gern Honig.“ Deshalb ist Sylvia Bieder vor einigen Jahren sozusagen ins kalte Wasser gesprungen. Mittlerweile beschäftigt sie sich so intensiv damit, dass sie sich der Wachsverarbeitung widmet. Die entsprechende Technik hat sie sich mit ihrem Mann über eine Leader-Förderung angeschafft. In einer kleinen Werkstatt werden aus Bienenwachs Mittelwände für den Bienenstock, ohne dass den Naturstoff etwas verfälschen kann. Auch das ein Grund, warum die Reichwalder bei Imkerkollegen aus der Region die erste Adresse sind.

Was die Imker zeigen wollen

Während des Weihnachtsmarktes in Reichwalde wird der Imkerverein von 14 bis 18 Uhr im Saal des Bürgerhauses präsent sein. Es ist eine Honigverkostung geplant. Es gibt Honigplätzchen und -lebkuchen. Wer es noch nicht wusste, Reichwalder Honig wird auch in Pulsnitzer Lebkuchen verbacken.
Zudem wollen die Imker zeigen, wie früher und heute geimkert worden ist.
Es wird gezeigt wird, wie der Honig von der Wabe ins Glas kommt. Dafür ist auch ein Schauschleudern geplant. Wer will, kann sich seine eigene Bienenwachskerze drehen. Außerdem ist der Blick in ein virtuelles Bienenvolk möglich.
Natürlich kann auch Reichwalder Honig im Bürgerhaus erworben werden.
Der Reichwalder Weihnachtsmarkt findet in diesem Jahr erstmals rund um den Jugendclub am Festplatz statt. Pünktlich um 15 Uhr fährt der Moppel mit den Kindern auf Weihnachtsmannsuche. Neben verschiedenen weihnachtlichen Ständen sorgt der Posaunenchor Kreba/Klitten und der Kirchenchor Reichwald für den musikalischen Rahmen.