Grüne Woche 2026 in Berlin: Karpfen aus der Oberlausitz wird zum heimlichen Star

Karpfen im Kescher. Der Karpfen ist nach wie vor der Brotfisch der Oberlausitzer Fischer. Für seine Vermarktung lassen sich diese einiges einfallen, wie das Angebot auf der Grünen Woche in Berlin zeigt.
Frank Hammerschmidt/dpa- Oberlausitz präsentiert Karpfen als regionalen Star auf der Grünen Woche 2026 in Berlin.
- Gunther Ermisch bietet Räucherkarpfen an, der seit drei Jahren ein Renner der Messe ist.
- Neue Bioprodukte rund um den Karpfen sind in Vorbereitung, um Marktanforderungen zu erfüllen.
- Showküche „So schmeckt Sachsen“ zeigt regionale Gerichte wie Fish and Chips aus Oberlausitzer Karpfen.
- Nachhaltige Fischzucht in der Oberlausitz verbindet Natur, Wirtschaft und Esskultur.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Beim Stichwort „Karpfen blau“ haben so manche Frauen und Männer zwischen Bad Muskau und Rietschen so ihre speziellen Traumata. Weil es das Lieblingsessen von Vater oder Mutter war, wurde für die Kinder keine Extrawurst gebacken. Was auf den Tisch kam, wurde gegessen. Auch 40 oder 50 Jahre später kann man der damaligen Kinderschar deshalb mit diesem Fisch noch immer gestohlen bleiben.
Soll heißen, solche und ähnliche Geschichten hängen dem Brotfisch der Oberlausitzer Fischer wie Kaugummi nach – fest und zäh. Und es ist nicht einfach, dagegen anzugehen. Doch einer, der sich nicht entmutigen lässt, ist Gunther Ermisch, der seinen Hauptbetrieb in Neustadt in Sachsen hat.
Seit 2017 bewirtschaftet Ermisch die Talsperre Quitzdorf; 2022 hat er die 270 Hektar große Teichwirtschaft in Klitten übernommen. Damit bewirtschaftet er auch Teiche im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft.
Räucherkarpfen ist seit Jahren Renner auf der Grünen Woche
Als Fischfachmann mit Leib und Seele ist Günther Ermisch seit fast 15 Jahren auf der Grünen Woche in Berlin dabei. Die Grüne Woche ist weltweit die größte und wichtigste Messe für Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau. Ermisch kennt die Reaktionen der Besucher am Messestand genau. Weil er auch schon viel ausprobiert hat, um die Gäste aus nah und fern zu überzeugen. Das geht am besten beim Testessen.

Gunther Ermisch bewirtschaftet die Teichwirtschaft Klitten und die Talsperre Quitzdorf. Dem Oberlausitzer Karpfen will er ein positiveres Image verpassen.
Jürgen ScholzSein Räucherkarpfen ist seit drei Jahren ein Renner auf der Grünen Woche. Doch viele vermuten beim Probieren nicht, dass es Karpfen ist. „Von 20 Leuten weiß vielleicht einer, dass er gerade Karpfen isst", sagt Ermisch. Die Leute hätten nach dem Probieren ein Smiley-Lächeln im Gesicht. „Wenn ich ihnen sage, was sie gerade gegessen haben, gehen die Mundwinkel nach unten“, beschreibt Ermisch die Reaktionen. Der Fisch kämpfe mit Vorurteilen: muffiger Geschmack, zu viele Gräten. „Das stimmt aber alles nicht.“
Das Hältern der Tiere in großen Becken, spüle das Muffige quasi weg. Bei den Gräten gibt es längst eine gut erprobte Methode. Ein spezielles Gerät zerteilt die Gräten im Abstand von drei Millimetern. Das Filet ist ohne Gräten und bereit, in die Pfanne zu springen.
Hinzu kommt, der Lausitzer Karpfen ist der nachhaltigste und regionalste Fisch in der Aquakultur, betont der Experte. Er stehe bei Umweltschützern ganz oben auf der Positivliste. „Wir müssen unseren Karpfen nach vorn bringen und zeigen, was wirklich in ihm steckt“, ergänzt Ermisch. Der Karpfen wartet sozusagen in den Hälterbecken auf mehr Abverkauf. Das habe zum einen mit einem guten Fischjahr 2025 zu tun, zum anderen mit den Marktverschiebungen mit Blick auf Osteuropa.
Für ihn ist die Konstellation auf der 100. Grünen Woche besonders. Die Kooperation von Biosphärenreservat, Landesfischereiverband und Marketinggesellschaft Oberlausitz sei gut. „Wichtige Akteure rücken zusammen, die in der Region etwas erreichen wollen. Auf diese Weise können wir den Besuchern verschiedene Perspektiven bieten und sie für unsere Themen begeistern.“
Am Stand bietet Ermisch natürlich wieder Räucherkarpfen zum Probieren an. Außerdem gibt es Einblicke in die Zucht und Zubereitung des Lausitzer Fischs. Ein kleines Glücksrad mit regionalen Präsenten ergänzt das Angebot am Messestand.
Doch auch hinter den Kulissen gibt es Gespräche. „Wir bereiten zwei Bioprodukte in Bezug auf den Karpfen vor.“ Bis dato gibt es ihn „nur“ als ganzen Fisch. Diese wachsen in Klitten heran, seitdem der Betrieb dort 2024 komplett umgestellt worden ist. Doch die Markterfordernisse erfordern auch dort ein gewisses Umdenken.
Showküche präsentiert Sachsens Kulinarik auf der Grünen Woche
Die Mission Oberlausitzer Karpfen wird auch bei einer zweiten Stelle bei der Grünen Woche aufgenommen. Eine Showküche präsentiert Sachsens Kulinarik auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin. Das Motto lautet „So schmeckt Sachsen“. „Kulinarik ist integraler Bestandteil jeder Urlaubsreise. Immer mehr Menschen legen im Urlaub Wert darauf, regionale Produkte und typisch regionale Speisen zu verkosten“, so Veronika Hiebl, Geschäftsführerin der Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH. In allen sächsischen Tourismusregionen gibt es wunderbare regionale Spezialitäten und tolle Gastronomieangebote.
So auch auf dem Erlichthof in Rietschen. Annett Jagiela, die dort das Forsthaus und das Scheunencafé betreibt, ist bei der Showküche des Freistaates dabei. Mit Fish and Chips vom regionalen Oberlausitzer Karpfen zeigt sie, wie Klassiker konsequent regional neu gedacht werden können.
Die Kulinarik spielt in der Oberlausitz eine wichtige Rolle. Historisch ist sie von Einflüssen aus Schlesien, Böhmen und der deutschen Küche geprägt. „Das Essen ist ein wichtiger Berührungspunkt mit einer Region“, unterstreicht Torsten Roch, Leiter der Verwaltung des Unesco-Biosphärenreservats Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft“.
„Über regionale Küche lassen sich Kultur und Identität der Oberlausitz hervorragend vermitteln.“ Viele Gastronomen kombinieren die traditionellen Rezepte wie Teichelmauke oder Stupperle heute mit moderner Küche. Kulinarik schafft somit einen Zugang zur Region - ohne klassische Werbung, aber mit großer Wirkung. Deshalb das kulinarische Angebot.
„Die Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft ist für Gäste und Einheimische mehr als eine malerische Kulisse für entspannte Stunden in der Natur“, erklärt Torsten Roch weiter. Sie ist Biosphärenreservat und gleichzeitig Heimat einer lebendigen Fischereikultur.
Karpfen, Schleie und andere Arten werden hier nach traditionellen Methoden gezüchtet. Die nachhaltige Bewirtschaftung der Teiche erhält die Kulturlandschaft und sichert Arbeitsplätze.
Besucher können auf der Messe nicht nur probieren, sondern auch erleben, wie eng Natur, Wirtschaft und Esskultur in der Oberlausitz miteinander verbunden sind. „Regionale Produkte wie der Lausitzer Fisch machen unsere Region sichtbar und schaffen Wertschöpfung vor Ort", so der Görlitzer Landrat Stephan Meyer (CDU).
Karpfen und mehr aus der Oberlausitz auf der Grünen Woche in Berlin
Wer den Bio-Karpfen und andere Fische aus der Oberlausitz probieren will, der sollte die Teichwirtschaft in Klitten anfahren. Der Hofladen in Klitten, Dürrbacher Straße 351, ist derzeit freitags von 9 bis 17 Uhr geöffnet.
Aus Sachsen stellen fast 30 Unternehmen der Land- und Ernährungswirtschaft ihre Spezialitäten bei der Grünen Woche in Berlin vor.
Mit dabei sind auch die Bergquell Brauerei Löbau GmbH, die ihre Neuheiten „Porter Radlerin“ und „Kräuter Radlerin“ vorstellt; die Menschel-Limo GmbH aus Großschönau; die Agrargenossenschaft See eG Niesky/Ortsteil See mit ihren Lavendelprodukten und die Privatbrauerei Eibau i. Sa. GmbH mit ihren Bieren.



