Dritter Weg in Spremberg
: Rechte Schmierereien und Aktionen – was die Stadt tut

Rechtsextreme beschmieren in Spremberg Mauern, Brücken und Verteilerkästen. Wie die Stadt dagegen vorgeht und was sie prüft.
Von
Annett Igel
Spremberg
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Sellessen wehrt sich gegen rechtsextreme Schmierereien mitten im Ort.

In Sellessen sind rechtsextreme Schmierereien mitten im Ort nicht gewollt. Sie werden prompt übermalt.

Annett Igel
  • Rechtsextreme Schmierereien und Propaganda der Partei „Der III. Weg“ belasten Spremberg stark.
  • Die Stadt entfernt diese prompt und erstattet Strafanzeige wegen politisch motivierter Sachbeschädigung.
  • Verfassungsschutz meldet wachsenden Einfluss der Partei, u. a. durch Jugendaktionen wie „Schulhof-Offensiven“.
  • Parteienmitglieder nutzen öffentliche Orte für organisierten Sport und Propagandaveranstaltungen.
  • „Der III. Weg“ wird als neonationalsozialistisch eingestuft und bundesweit vom Verfassungsschutz beobachtet.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die rechtsextreme Partei „Der III. Weg“ wirbt in der Region Spremberg. An Brücken, Bahnübergängen, Wänden, an Verteilerkästen. In Sellessen wird das nicht hingenommen. Ein großes Herz und den Spruch „Liebe statt Hass“ hat jemand über das Logo der Rechtsextremen gemalt. Spontan.

Der Kasten steht an der Kreuzung Bühlower Straße/Bagenzer Straße/Spremberger Straße neben einer Bank, die mit zwei menschengroßen Puppen so etwas wie die Litfaßsäule mitten im Ort ist. Kulturveranstaltungen wie das Dorffest und der Maskenball werden dort gewitzt vom Dorfclub angekündigt. Doch die Partei „Der III. Weg“  – das ist nicht witzig.

Für den Verfassungsschutz in Brandenburg ist sie eine neonationalsozialistisch orientierte Kleinstpartei. „Trotz ihrer wenigen Mitglieder“ habe sie sich im Jahr 2024 „sehr aktiv in den Wahlkampf eingebracht“, sagt Josefin Roggenbuck, Sprecherin des Ministeriums des Innern und für Kommunales in Potsdam. Die Wahlergebnisse seien kaum messbar gewesen: 0,05 Prozent bei den Erststimmen, 0,12 Prozent bei den Zweitstimmen zur Landtagswahl in Brandenburg. Doch auch nach der Wahl bleibt die Partei sehr aktiv.

Verfassungsschutz beobachtet wachsende Kleinstpartei

Laut Verfassungsschutzbericht 2023 zählte die Gruppierung in Brandenburg 70 Mitglieder. Jahrelang ist sie vor allem in Süddeutschland aktiv. Aktuellere Zahlen nennt das Innenministerium nicht. Aber „Der III. Weg“ wachse in Brandenburg. Dass die Zahl noch „eher langsam“ steigt, könne an den hohen Hürden für Neumitglieder liegen. Sie sollen sich ganz und gar der Partei unterwerfen und zunächst eine längere Phase als Anwärter absolvieren.

Registriert hat der Verfassungsschutz einen neuen Stützpunkt in Brandenburg. Zu „Uckermark“ und „Potsdam/Mittelmark“ ist im April 2025 „Spreewald/Lausitz“ hinzugekommen. Der Bereich dieses neuen Stützpunktes reicht bis Spremberg und Guben.

Parallel dazu ist die Kleinstpartei bemüht, ihre Jugendorganisation „Nationalrevolutionäre Jugend“ (NRJ) weiter aufzubauen. Vor allem im Umfeld von Schulen vertreibt sie Propagandamaterial. Und beginnt nach den Informationen des Bundesinnenministeriums bei den Zwölfjährigen.

Am 24. März 2025 werden NRJ-Flyer vor der Berufsorientierenden Oberschule Spremberg (BOS) verteilt. „Schulhof-Offensive“ nennen sie das. Die Grund- und Oberschule Burg im Spreewald war 2023 erstmals Ort einer solchen Aktion. Nehmen Schulleiter wie in Fredersdorf in Märkisch-Oderland, Lehrer, Eltern oder Schüler das nicht still hin, feiert „Der III. Weg“ die Aufregung als „mehr Aufmerksamkeit“ für sich.

Aktion vor der Berufsorientierenden Oberschule in Spremberg

In Brandenburg treten NRJ-Anhänger – anders als in Bayern oder Baden-Württemberg – polizeilich stärker in Erscheinung, sagt Josefin Roggenbuck. Sie sind an gewaltsamen Auseinandersetzungen beteiligt. Reste anderer rechtsextremer Jugendorganisationen, das beobachtet der Verfassungsschutz, orientieren sich zunehmend an der Partei „Der III. Weg“.

Das gilt für jugendliche rechtsextremistische Gruppen mit Namen wie „Deutsche Jugend Voran“, „Jung und Stark“ sowie „Letzte Verteidigungswelle“. Sie werden vom Verfassungsschutz als „subkulturelle gewaltbereite Neonationalsozialisten“ klassifiziert.

Schmierereien auf Verteilerkästen: Sie waren viele Jahre rot, jetzt wollen Rechtsextreme, dass sie grün  aussehen.

Schmierereien auf Verteilerkästen: Sie waren viele Jahre rot, Rechtsextreme haben sie  in Sellessen grün umgestaltet. Doch das wird nicht hingenommen.

Annett Igel

In der Spremberger Region markiert „Der III. Weg“ seine „Zone“ unter anderem am Bahnübergang in Groß Luja, im unteren Durchgang der Bahnhofsbrücke in Spremberg, in der Wendenstraße an der Fahrradbrücke. Aufkleber werden im Stadtpark gefunden, aber auch auf Privatgrundstücken wie an der Langen Brücke. Die Jahreszahl 1966 auf dem Rot der Energie-Fans übermalen sie in Sellessen am Abzweig zur Heidegrundschule grün und mit der Zahl 1921. Die steht für die NSDAP, deren Vorsitzender im Jahr 1921 Adolf Hitler wurde.

Rechtsextreme trainieren im Stadtpark auf dem Georgenberg

„Der III. Weg“ mag keine Anglizismen, will „deutsche Kinder“ und dass „Mutterschaft als Beruf anerkannt“ wird, um den „drohenden Volkstod“ zu verhindern. Die Partei ist für queere Lebensformen nicht zu haben. Nur für „gute Mädels“, die „nicht halbnackt“ herumrennen.  Als „die echten Grünen“ „reinigen“ Parteiangehörige mal einen Park, treffen sich zu Ausflügen, Wanderungen und Umweltaktivitäten, die sehr organisiert und uniformiert ablaufen. Grüne und beigefarbene Shirts tragen sie mit ihrem Namen und Logo, in der Sportkleidung dominiert Schwarz.

Die Mitarbeiter des Betriebshofes in Spremberg haben viel zu tun. Die alte Mauer unter der Bahnhofsbrücke musste regelrecht abgeschrubbt werden. Im Stadtpark auf dem Georgenberg haben „Der III. Weg“ und die NRJ am 12. April 2025 Sport getrieben: Die Aussichtsplattform wird zum Boxring, Liegestütze in der Gemeinschaft und die Faust zeigen vorm Bismarckturm.

Politisch motiviert: Stadt Spremberg erstattet Anzeige

Stadtsprecher Alexander Adam bestätigt: Spremberg sei sehr stark betroffen von Schmierereien und der Beklebung von öffentlichen und privaten Einrichtungen mit den Verweisen auf die Partei. „In jedem festgestellten Fall erstatten wir Strafanzeige wegen Sachbeschädigung aus einer politischen Motivation heraus“, sagt er. Der Verfassungsschutz werde informiert und die unverzügliche Beseitigung veranlasst.

Von der Sportveranstaltung im April 2025 habe die Stadtverwaltung erst im Nachgang erfahren. Im öffentlichen Raum unterliegen solche Aktionen dem Versammlungsrecht. Sie stellen eine Sondernutzung öffentlicher Verkehrsflächen dar. „Veranstaltungen wie im Stadtpark unterliegen im Einzelfall der Genehmigungspflicht“, sagt Adam, „wobei aufgrund der rechtlichen Situation im Bereich der Kriegsgräberstätten und in deren unmittelbarer engen und räumlichen Nähe besondere Beschränkungen gelten.“ Ob hier ein Verstoß gegen das Versammlungsrecht sanktioniert werden kann, werde ermittelt.

Rechtsextreme Partei wächst langsam

► Die Partei „Der Dritte Weg“  – auch „Der III. Weg“ – wurde im September 2013 in Heidelberg gegründet.

► Bereits seit 2015 taucht „Der III. Weg“ in den Berichten des Verfassungsschutzes auch in Brandenburg auf.

► Beobachtet wird die Entwicklung, weil sich die neonationalsozialistisch orientierten Bestrebungen gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung richten.

► Rund 950 Mitglieder soll „Der III. Weg“ laut Verfassungsschutz bundesweit haben.