Die 13- und 14-Jährigen dürfen noch nicht. Sandra Krautz, Fachbereichsleiterin der Wirtschaftsförderung in der ASG Spremberg GmbH, schüttelt den Kopf. „So junge Schüler würden nur bis zu zwei Stunden am Tag in einem Unternehmen arbeiten dürfen“, sagt sie. Die Jugendlichen der Berufsorientierenden Oberschule Spremberg, der Praxisorientierten Oberschule „Germanus Theiss“ in Döbern und des Spremberger Erwin-Strittmatter-Gymnasium aber sollen während des neues ASG-Projekts „Ferienarbeit“ richtig eintauchen können in den Arbeitsprozess. Bis zu acht Stunden ist das für Mädchen und Jungen ab 15 Jahre möglich und ergänzt die Praktika in der Berufsorientierung der Schulen. „Meist einigen sich unsere Unternehmen mit den Schülern auf sechs Stunden“, sagt Sandra Krautz.

Spremberg

Die Ferienarbeit soll entlohnt werden

Besonderer Anreiz in der Ferienarbeit soll der Lohn sein. Erst ab 18 Jahre steht den Jugendlichen ein Mindestlohn von 9,82 Euro zu. „Was unsere Schüler bekommen, wird meist darunter liegen“, sagt Sandra Krautz, „das richtet sich nach den Aufgaben und der Verantwortung, die sie übernehmen.“
Sandra Antoni von der Deutsche Rentenversicherung bei der Knappschaft-Bahn-See macht Hoffnung. „Übt der Schüler den Ferienjob nur in den Ferien aus, liegt in der Regel ein kurzfristiger Minijob vor. Bei einem kurzfristigen Minijob kann der Schüler unbegrenzt verdienen“, sagt sie. Anders wäre das bei einem 450-Euro-Minijob über längere Zeit. Da dürfe der Schüler durchschnittlich tatsächlich nicht mehr als 450 Euro im Monat verdienen.
Laut Studienjob- und Schülerjob-Plattformen soll der Lohn durchschnittlich für 15-Jährige bei sechs bis acht Euro, für 17-Jährigen bei sieben bis zwölf Euro pro Stunde liegen.
Besonders gefährlich soll es für die Mädchen und Jungen nicht werden. Körperlich wie psychisch dürfen sie die Aufgaben nicht schwer belasten. Keine außergewöhnliche Hitze oder Kälte, keine starke Nässe – und Schäden durch Lärm, Erschütterungen und Strahlen sind laut Jugendarbeitsschutzgesetz zu vermeiden. „Auch Akkordarbeit“, so Sandra Krautz, „ist tabu und Arbeiten unter Tage.“

Auch für Ferienjobs wird ein Vertrag geschlossen

Geregelt werden Zeit, Lohn und Aufgaben vorab in einem Vertrag. Sandra Krautz hat den Unternehmen im Projekt empfohlen, sich eine schriftlich Erlaubnis für die Ferienarbeit von den Eltern vorlegen zu lassen. Melden müssen die Unternehmen ihre Schülerinnen und Schüler in der Minijob-Zentrale. Warum das so wichtig ist? Der Schüler sei durch die Anmeldung der Beschäftigung einfach abgesichert, erklärt Sandra Antoni. „So haben Schüler – wie andere Minijobber – dann beispielsweise bei einem Arbeits- oder Wegeunfall Anspruch auf die Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung“, sagt sie. Der Arbeitgeber müsse für Schüler die gleichen Abgaben zahlen wie für andere Minijobber. „Damit ist die Beschäftigung eines Schülers für den Arbeitgeber also nicht kostengünstiger“, betont sie.

Warum Arbeitgeber ihre Schüler der Minijob-Zentrale melden

Bei einem kurzfristigen Minijob wie der Ferienarbeit in den Osterferien bräuchten Schüler und Eltern nicht viel beachten. Für den Schüler fallen keine Sozialabgaben an und auch keine Steuern, sagt Sandra Antoni. Denn in der Regel werde dabei der Grundsteuerfreibetrag nicht überschritten. Die beitragsfreie Mitversicherung in der Familienversicherung der Krankenkasse der Eltern bleibe ebenfalls bestehen, da die Einnahmen aus dem kurzfristigen Minijob nicht berücksichtigt werden, so Antoni.
Die Osterferien sind in Brandenburg auf den Zeitraum vom 11. bis 22. April begrenzt – acht Wochen-Arbeitstage liegen in diesem Zeitraum und ein Samstag neben den Feiertagen. „Fünf Tage pro Woche können junge Leute in dieser Altersgruppe beschäftigt werden“, sagt Sandra Krautz. An Samstagen oder gar Sonntagen sei das nur unter bestimmten Voraussetzungen denkbar. Die acht Stunden am Tag sollten möglichst zwischen 6 und 20 Uhr liegen.

Fünf Unternehmen sichern 25 bis 30 Ferienjobs

Fünf Unternehmen und drei Schulen hat die ASG für die Premierre des Ferienarbeit-Projektes im Boot. „Wird es angenommen, erweitern wir es“, sagt Sandra Krautz. Für den Sommer überlegt sie, auch Hoyerswerdaer Schulen anzuschreiben. Weil die Wirtschaftsförderung neben Spremberg auch für Spreetal unterwegs ist und weil Spremberger Jugendliche Hoyerswerdaer Schulen besuchen.

Wie ein Ferienjobber zwei Computer rettet

Für 25 bis 30 Ferienjobs konnten kurzfristig Aufgaben gefunden werden. Noch sei es selten, dass ein Ferienjob in einen Ausbildungsvertrag mündet. „Nur beinahe hätte das jüngst geklappt“, sagt Erhard Feickert, der Ferienjobs im Bereich Sanitär, Heizung und Klimatechnik anbietet. Doris Silow mit Ferienjobs im Garten- und Baumarkt RHG hofft auf das Projekt. „Schüler sollten viel mehr Gelegenheit bekommen, in verschiedene Berufe rein zu schnuppern.“
Gute Erfahrungen macht die Hamburger Containerboard. „Die jungen Leute bekommen bei uns Einblicke in ein nachhaltig agierendes Industrieunternehmen“, sagt Annie Kmetsch vom Marketing der Papierfabrik. Oft klappe es sogar mit der Wunschabteilung. „In der Vergangenheit haben wir einige Ausbildungsplätze erfolgreich nach Ferienarbeit oder Mundpropaganda besetzen können“, sagt sie, „im Bereich der Papiertechnologen hat es vor zwei Jahren die Hälfte der Bewerber ausgemacht.“
 Torsten Schroeter, Geschäftsführer der Glasmanufaktur Brandenburg, ist bei der Premiere mit seinem Unternehmen noch nicht dabei „Aber Anfragen zu Ferienarbeit haben wir immer wieder – nicht nur im Sommer, sondern auch zu den Herbstferien.“ Schroeter gefällt, wenn sich Jugendliche etwas dazuverdienen möchten. „Fürs Leben lernen sie dabei auch“, sagt er. So sei die Aufgabe eines Ferienjobbers mal gewesen, mehrere Computer für die Entsorgung auseinander zu schrauben. „Dabei haben wir festgestellt“, erzählt Schroeter, „dass zwei der Computer doch noch zu schade fürs Entsorgen waren. Die hat der junge Mann dann wieder zusammenbauen müssen.“

Kurzfristig im Minijob

Die Zahl der jungen Menschen unter 18 Jahre, die kurzfristig in Minijobs beschäftigt sind, sinkt bundesweit. Darüber informiert die Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See. Zu kurzfristigen Minijobs zählt die Ferienarbeit. Nach 53.019 Jugendlichen im September 2019 waren im September 2021 genau 50.110 – 27.790 Jungen und 22.310 Mädchen – kurzfristig in gewerblichen Bereichen beschäftigt. Im Spree-Neiße-Kreis jedoch stieg die Zahl im gleichen Zeitraum: Nach 37 Jugendlichen in kurzfristiger Beschäftigung Ende September 2019 waren es im September 2021 74 Jugendliche. Das könnte auf eine zunehmende Berufsorientierung bei den unter 18-Jährigen schließen lassen. Aber explizite Zahlen zu Schülern liegen der Minijob-Zentrale nicht vor.    
Mit einer Kurzbewerbung können sich die Jugendlichen bei der Unternehmen unter folgenden Mail-Adressen melden: