Die letzten Spekulatius, Mohnstollen oder Lebkuchenherzen sind noch nicht verputzt, da freuen sich Weihnachts-Fans schon auf das kommende Fest. Die Rede ist von elf rastlosen Frauen, die spätestens Mitte Januar dafür glühen, endlich wieder Weihnachtsbäume dekorieren zu dürfen.
„Das liegt in der Natur der Sache. Spätestens, wenn wir die Weihnachtsbaumdekorationen in unsere zahlreichen Kisten verstauen, beginnen die Überlegungen, womit wir unsere Besucher beim nächsten Mal überraschen können“, erklärt Gabriele Philipp die Vereins-Philosophie.

Weihnachtsbaum-Ausstellung im Senftenberger Schloss mit hohem Anspruch

Sie ist Regisseurin im „Förderverein am Museum des Landkreises Oberspreewald“, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, alljährlich eine Weihnachtsbaum-Ausstellung im Senftenberger Schloss zu präsentieren. Nur um sich vor Augen zu halten: es geht um mehrere Dutzend Bäume, die sich auch noch voneinander abheben müssen.
Regelmäßig besuchen Bärbel Neumann (mit Weihnachtsmannmütze) und Gabriele Philipp die mehrwöchige Weihnachtsmann-Ausstellung, um den Schmuck oder die Lichter zu richten. Seit 1986 gibt es im Museum einen Weihnachtsbaum.
Regelmäßig besuchen Bärbel Neumann (mit Weihnachtsmannmütze) und Gabriele Philipp die mehrwöchige Weihnachtsmann-Ausstellung, um den Schmuck oder die Lichter zu richten. Seit 1986 gibt es im Museum einen Weihnachtsbaum.
© Foto: Uwe Hegewald
„Da kennen wir kein Pardon. Kein Baum darf dem anderen gleichen, die Farben der Dekorationen müssen zueinander passen und in der Regel auch die Details, was die Fertigungstechniken betrifft. Es ist auch schon vorgekommen, dass wir bereits dekorierte Bäume wieder abgeschmückt haben“, teilt Gabriele Philipp mit.

Edle Bäume im Kirchenraum des Senftenberger Museums

Das gekonnte Kombinieren sei die Kunst, so die Senftenbergerin. Zudem müssten sich die Bäume mit den Gegebenheiten in den bis zu zwölf Räumen im Museum arrangieren. Für den Kirchenraum würden besonders edle Exponate bevorzugt. Auch aus der Verpflichtung heraus, dem besonderem Raum und der biblischen Weihnachtsgeschichte gerecht zu werden.
Zwischen Altar, Taufbecken und Engelsfiguren hat auch der Weihnachtsbaum seinen Platz gefunden, der die Handschrift von Bärbel Neumann trägt.

Neu im „Förderverein am Museum des Landkreises Oberspreewald“: Rentnerin aus Hohenbocka

Die Rentnerin aus Hohenbocka ist dieses Jahr zum Verein hinzugestoßen und laut eigenen Worten „mit großer Herzlichkeit begrüßt und aufgenommen worden“. „Hier stimmen Harmonie und Chemie. Wir pflegen ein freundliches Miteinander, haben riesigen Spaß und vertreten die geschlossene Meinung, dass das Glas sprichwörtlich nicht halbleer, sondern immer halbvoll ist“, skizziert sie die Tüftler- und Bastelgruppe.
Diese ist der Auffassung, dass es kein Material gibt, welches sich nicht für einen Weihnachtsbaumschmuck eignet. Textilien, Holz, Papier, Häkelgarn, Spiegelglas, Stroh, Metall – der Vielfalt seien ebenso keine Grenzen gesetzt, wie ursprünglichen Nutzungen. So bemerken Besucher erst beim genauen Hinschauen, dass für die festlichen Accessoires sogar Kaffeekapseln, Toilettenpapierrollen oder Teelichter-Becher Verwendung finden.

Ideensammlung wöchentlich bei Treffen auf Schloss und Festung

Wöchentlich werden bei gemeinsamen Treffen auf Schloss und Festung Ideen gesammelt, bevor es in den heimischen Bastelmanufakturen an die Umsetzung geht. Stellvertretend ist Karin Sobe zu nennen, die sich für den diesjährigen Wald-Baum verantwortlich zeichnete.
Schloss Senftenberg: Insgesamt sind es in diesem Jahr 40 geschmückte Weihnachtsbäume, die bewundert werden können.
Schloss Senftenberg: Insgesamt sind es in diesem Jahr 40 geschmückte Weihnachtsbäume, die bewundert werden können.
© Foto: Uwe Hegewald
„Akribisch hat sie kleine Bäumchen, Eulen oder Zapfen gestrickt. Und das mit 82 Jahren“, würdigt Gabriele Philipp. Sie lobt die Ausdauer und Zuverlässigkeit der Grande Dame, aber auch deren Exaktheit. „Ich bin ja selbst von Akribie besessen“, räumt sie ein und verteidigt den hohen Anspruch an Qualität, Besonderheit und Charme.

Wichtige Frage beim märchenhaften Weihnachtsmarkt: Lametta noch erlaubt?

2700 Besucher zählte das Museum zum diesjährigen märchenhaften Weihnachtsmarkt, mit angeschlossener Weihnachtsbaum-Ausstellung und einer brennenden Frage: Ist eigentlich noch Lametta erlaubt? „Gelegentlich hängen wir ein paar Fäden an die Bäume. In früheren Jahren war Lametta noch gefragt, um unschöne Stellen zu kaschieren. An unseren Nordmanntannen, die das Museum von einer brandenburgischen Weihnachtsbaum-Plantage bezieht, ist das nicht mehr nötig“, so Gabriele Philipp, die viele Jahre im Museum gearbeitet hat und dort seit 35 Jahren Bäume schmückt.

Weihnachtsbäume auf der Zielgeraden

Bis zum 1. Januar 2023 kann die Weihnachtsbaumausstellung im Schloss noch besichtigt werden. Das beliebte Wintercafé im Schlosshof ist ab dem 25. Dezember bis zum Neujahrstag geöffnet, um den Tag im Museum mit Glühwein oder Kinderpunsch gemütlich ausklingen zu lassen.
Der Eintritt für Erwachsene beträgt sechs Euro (ermäßigt fünf Euro), für Kinder von vier bis 16 Jahren einen Euro. Der Eintrittspreis gilt für die große Weihnachtsbaumausstellung „Weihnachten im Schloss“, alle Dauer- und Sonderausstellungen, das Besucherbergwerk sowie die Kunstsammlung Lausitz.