Marias Geduld und Ruhe sind eine Herausforderung“

Carolin Holfeld, Gemeindereferentin in Elternzeit
Carolin Holfeld, Gemeindereferentin in Elternzeit
© Foto: Carolin Holfeld
Carolin Holfeld, junge Mutter, Gemeindereferentin in Elternzeit, katholisch, aus Cottbus:
„Seit ich vor einigen Monaten Mutter wurde, blicke ich ganz neu auf die Weihnachtserzählung. Ein kleines Wesen kommt in die Welt, bringt alles durcheinander und in Bewegung. Vieles ist anders als erwartet, Pläne sind verworfen und oft herrscht Chaos.
Umso mehr staune ich über Maria: hochschwanger verreist,  die Geburt in einem Stall, zahlreiche fremde Besucher. Mit Sicherheit hat sie sich den Start ihres Kindes anders vorgestellt. Doch sie nimmt die Situation an, die Besucher in Empfang, bleibt gelassen und ruhig. Am Ende bewahrt sie alles im Herzen. Ihre Geduld und Ruhe sind für mich eine Einladung und Herausforderung zugleich: Vertrau auf Gottes Plan, bleib ruhig und hüte das Glück im Herzen.

„Gott gibt Halt. Gerade jetzt“

Bischof Christian Stäblein
Bischof Christian Stäblein
© Foto: MATTHIAS KAUFFMANN/EKBO
Bischof Christian Stäblein, Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO):
„Bei Gott bleibt niemand auf der Strecke. Das ist für mich dieses Jahr zentral. In der Weihnachtsgeschichte sind alle irgendwie auf dem Weg: Maria und Joseph auf dem Weg nach Bethlehem. Eine ziemliche Strecke und am Ende nur ein ärmlicher Stall. Die Hirten sind sowieso immer auf dem Weg und meist im rechten Moment vor Ort. Und auch die Weisen mit ihren Geschenken. Ein langer Weg hinter und vor ihnen. Die Engel legen die Strecke zwischen Himmel und Erde für uns zurück. Immer unterwegs mit ihrem frohen „Fürchtet euch nicht“. Alle auf dem Weg, so wie wir. Die Strecke der Pandemie ist lang und hart. Da tut mir die Botschaft der Weihnachtsgeschichte gut: Gott ist schon da, egal wo Du bist. Lässt niemanden auf der Strecke zurück. Gibt Halt und bricht mit Dir auf. Gerade jetzt.“

„Es braucht Gottvertrauen, um sich nicht zu fürchten.“

Isabella Heuser, Direktorin und Lehrstuhlinhaberin, Klinik und Hochschulambulanz für Psychologische Medizin
(Psychiatrie, Psychotherapie), Charité-Campus Benjamin Franklin
Isabella Heuser, Direktorin und Lehrstuhlinhaberin, Klinik und Hochschulambulanz für Psychologische Medizin (Psychiatrie, Psychotherapie), Charité-Campus Benjamin Franklin
© Foto: Charité
Isabella Heuser, Professorin für Psychiatrie an der Charité in Berlin, konfessionslos:
„Furcht ist aus psychologischer Sicht zunächst einmal etwas Gutes. Es ist eine Ur-Emotion, die für den Menschen  lebenswichtig ist, ihn vor Gefahren beschützt. Erst, wenn diese Angst losgelöst von den Umständen entsteht, wird sie phobisch. und dann kommt die Psychiatrie ins Spiel. Die gute Nachricht ist: Ängste sind gut behandelbar.
Aber die christliche Botschaft ist ja eine andere. „Fürchte Dich nicht“ ist hier ja eher eine Werbung für ein „Hab Vertrauen, es wird alles gut werden“. Ob das heute in einer Welt, die ja im Ausnahmezustand ist, noch die richtige Botschaft ist? Naja. Es braucht zumindest eine ganze Menge Gottvertrauen, um sich nicht zu fürchten.

„Gott ist uns nahe, gerade im Durcheinander“

Pater Isaak Maria Käfferlein (l.) und Wolfgang Ipolt (M), Bischof des Bistums Görlitz,bei der Prioratsgründung in der katholischen Stiftskirche des Klosters von Neuzelle.
Pater Isaak Maria Käfferlein (l.) und Wolfgang Ipolt (M), Bischof des Bistums Görlitz,bei der Prioratsgründung in der katholischen Stiftskirche des Klosters von Neuzelle.
© Foto: Patrick Pleul/dpa
Pater Isaak Maria Käfferlein, Mönch in Neuzelle, katholisch:
„Egal an welche Weihnachtskrippe wir denken, sie haben alle eins gemein: Weihnachten findet in einer Bruchbude statt. So hatten Maria und Joseph sich die Geburt von Jesus sicher nicht vorgestellt. Plan A war wahrscheinlich in einer Gaststätte zu übernachten. Der Stall war gewiss nicht einmal Plan B, sondern die absolute Notlösung. Das Schöne daran ist: Gott macht es überhaupt nichts aus, dass der Stall nicht Plan A oder B war. Jesus kam trotz des Herbergs-Debakels zur Welt. Gott war auch im Plan B und C im richtigen Film und wurde durch das Durcheinander in Josephs und Marias Welt nicht aufgehalten. Wenn wir uns wirklich auf Gott einlassen, dann erkenne ich, dass Gott mir Nahe ist. Auch und gerade im heutigen Durcheinander.“

„Die Welt braucht  Hirten.“

Knut Kucznik, Schäfer
Knut Kucznik, Schäfer
© Foto: Carsten Koall/dpa
Knut Kucznik, Hirte, Schäfer aus Altlandsberg, evangelisch:
„Die Engel sind damals den Hirten erschienen, weil sie da waren, weil sie draußen waren. So ist das doch auch heute noch. Wer ein Obdach sucht, findet es bei den Landwirten oder bei uns Schäfern. Und als die Hirten Maria, Josef und das Kind gefunden haben, haben sie alle zusammen eine Party gefeiert – so, wie das nur wir Hirten können.
Wir kümmern uns um jeden, wir sind die Lösung des Problems. Das ist heute noch genau so wichtig. Die Welt braucht  Hirten. Und damit meine ich nicht nur uns Schäfer sondern alle, die sich kümmern: wie die Pfleger und Schwestern in den Krankenhäusern, die heute ihren Dienst tun.“

Die Weihnachtsgeschichte

Die Geburt Jesu, wie sie im Lukas-Evangelium der Luther-Bibel beschrieben wird:
Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir! Sie aber erschrak über die Rede und dachte: Welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria! Du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. [...] Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Manne weiß? Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. [...] Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.
Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. [...] Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das judäische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.
Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.