Die Anteilnahme am Schicksal der kleinen Marlene aus Calau ist riesengroß. Unfassbar und unsagbar mag der Schmerz sein, den die Eltern durchstehen müssen. In einem Nachruf findet Marlenes Mutter Sophia Saul tapfere Worte dafür. „Unsere kleine Tochter Marlene ist am 15. Januar von uns gegangen“, schreibt sie. Durch jede ihrer Zeilen atmet neben tiefer Trauer auch die Erinnerung an ein ganz besonderes Mädchen.
„Alles an Marlene war einzigartig: ihr Lachen, ihr Weinen, ihre Art Liebe zu schenken und ihre Persönlichkeit. Niemand wird jemals ihren Platz in der Welt, in unserem Leben, in unseren Herzen einnehmen können. Sie war trotz ihrer schweren Last ein sehr fröhliches und liebes Kind. Sie hat bei ihren Behandlungen immer mutig mitgemacht und selten geweint.“

Calauerin Marlene fand Prinzessinnen-Filme langweilig

Mit ihren dunkelbraunen Augen blickte Marlene neugierig in diese Welt – fast ein Kind wie jedes andere: „Sie hat es geliebt zu kochen und mit ihren Dinos zu spielen“, schreibt ihre Mutter weiter. „Marlene fand Prinzessinnen-Filme langweilig und war lieber eine kleine Hexe.“ So viele Menschen liebten sie. „Ohne Marlene ist die Welt um so vieles stiller und auch dunkler geworden“, so ihre Mutter.
Marlene wurde gerade einmal dreieinhalb Jahre alt. Zwei Jahre davon musste sie gegen ein Neuroblastom Stadium vier und anschließend gegen Leukämie kämpfen. Doch nicht der Krebs brachte sie um. „Letzten Endes konnte sie dieses grausame Monster besiegen“, schreibt ihre Mutter. Ihr Knochenmark war frei vom Krebs. Marlene starb in Folge ihrer intensiven Therapien.

Marlenes Tod reißt ein tiefes Loch

Hinter Marlenes Eltern liegen schwere Tage, und noch schwerere werden folgen. „Wir müssen uns in einer Welt zurechtfinden, die uns Marlene genommen hat.“ Man sage, Zeit würde alle Wunden heilen. Doch manche bluten vielleicht aus, aber verheilen nie. „Nun ist es an uns stark zu sein und nicht aufzugeben – für Marlene.“
In dieser schicksalhaften Stunde sind Marlenes Eltern nicht allein. Ulf Hartmann, Schichtleiter von Marlenes Mutter, die als Chemikantin bei BASF in Schwarzheide arbeitet, erinnert sich an die Woche vor Marlenes Tod. „Es ging ihr immer schlechter und das Unvermeidliche war schließlich abzusehen“, berichtet er. Es gab Kollegen, die deswegen kein Auge zubekommen haben.

Trost von den BASF-Arbeitskollegen aus Schwarzheide

„Wir hatten Frühschicht“, erzählt er. Als dann im Profil von Marlenes Mutter eine kleine Hand mit einem Nuckel zu sehen war, liefen die Tränen. „Wenn man selbst Kinder hat, kann man sich das Leid bei Familie Saul/Kasper vorstellen“, sagt er, „aber auch nicht richtig.“ Denn niemand hat das selbst erlebt – und das möchte auch keiner.

Senftenberg

Die Schwarzheider BASF-Kollegen von Marlenes Mutter sind durch diese Erfahrung näher zusammengerückt. „Wir haben hier eine große Anteilnahme erlebt und es hat uns als Team fester zusammengeschweißt“, so Schichtleiter Ulf Hartmann. Mehr noch: „Wir konnten erleben, zu was wir fähig sind und was wir schaffen können, wenn wir jemandem in Not helfen“, sagt er. Dies sei ermutigend.

Elterninitiative krebskranke Kinder Cottbus hilft verwaisten Eltern

Die Erkenntnis, nicht allein gelassen und ins Bodenlose zu fallen, sei ein sicheres Gefühl. Viele Mitarbeiter haben sich als Stammzellspender registrieren lassen oder Geld gespendet. Knapp über 2000 Euro kamen zusammen. Damit kämpfen Marlenes Eltern weiter gegen den Krebs – jetzt aber für andere.
Trost und unbürokratische Hilfe in den schwersten Stunden gab und gibt es auch von der Elterninitiative krebskranke Kinder Cottbus. So organisiert der Verein beispielsweise auch Treffen für verwaiste Eltern. „Beim Austausch merkt man, dass man nicht so alleine ist“, erzählt Marlenes Mutter.

„Marlene, wir werden dich niemals vergessen – und für immer lieben.“

Große Verbundenheit gilt auch der onkologischen Kinderstation der Berliner Charité: „Dort wurden viele Regeln für uns gebogen“, erzählt Sophia Saul. Am Tag, als Marlene starb, durften auch die Großeltern noch einmal vorbeischauen, um ein letztes Mal ihre kleine Hand zu halten.
Der allergrößte Dank gilt jedoch der gemeinsamen, wenn auch kurzen Zeit, die Sophia Saul und Vater Ronald Kasper ihre Tochter in ihrem Leben haben durften: „Marlene, unser lieber kleiner Frosch, wir sind dankbar, dass wir deine Eltern sein durften“, schreiben die Eltern in ihrem Nachruf. „Du hast uns gezeigt, worauf es wirklich ankommt im Leben und uns zu besseren Menschen gemacht. Marlene, wir werden dich niemals vergessen – und für immer lieben.“