Lausitzer Seenland
: Geflutete Tagebaue – Brandenburg gibt Badegästen grünes Licht

Vier Seen der Lausitzer Restlochkette dürfen ab dem Jahr 2026 öffentlich genutzt werden. Das Potsdamer Kabinett hat dem Ansinnen zugestimmt. Was das bedeutet.
Von
Torsten Richter-Zippack
Potsdam/Senftenberg
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Zu Beginn dieser Woche hatte sich Minister Rainer Genilke (3.v.l.) im Beisein von Senftenbergers Bürgermeister Andreas Pfeiffer, Landrat Siegurd Heinze (v.l.), dem Sedlitzer Ortsvorsteher Frank Ciesielsi, LSB-Verbandsvorsteher Detlev Wurzler, Großräschens Bürgermeister Thomas Zenker und LMBV-Abteilungsleiter Michael Matthes (v.r.) eine Übersicht zur bevorstehenden Seenfreigabe, hier am Sedlitzer See, verschafft.

Zu Beginn dieser Woche hatte sich Minister Rainer Genilke (3.v.l.) im Beisein von Senftenbergers Bürgermeister Andreas Pfeiffer, Landrat Siegurd Heinze (v.l.), dem Sedlitzer Ortsvorsteher Frank Ciesielski, LSB-Verbandsvorsteher Detlev Wurzler, Großräschens Bürgermeister Thomas Zenker und LMBV-Abteilungsleiter Michael Matthes (v.r.) eine Übersicht zur bevorstehenden Seenfreigabe, hier am Sedlitzer See, verschafft.

Torsten Richter-Zippack

In der Lausitz ist es so eine Sache mit Ankündigungen. Konkret bezüglich der Fertigstellung und Freigabe der gefluteten Tagebaugruben. Da stand mal die Jahreszahl 2015 im Raum, in der die Restlochkette zwischen Senftenberg und Spreetal vollendet sein sollte. Dann hieß es 2021. Und jetzt heißt es eben 2026. Allerdings mit zwei Unterschieden. Zum einen scheint diese Jahreszahl jetzt tatsächlich hieb- und stichfest zu sein. Schließlich hat Ende August das Potsdamer Kabinett der Vereinbarung zur öffentlichen Nutzung weiterer Lausitzer Tagebauseen ab 2026 zugestimmt.

Zum anderen handelt es sich aber nicht um die komplette Restlochkette, sondern „nur“ um vier Gewässer, konkret den Sedlitzer, Großräschener, Geierswalder und Partwitzer See. Bereits seit über einem halben Jahrhundert ist der Senftenberger See nutzbar. Zusammen ergeben diese fünf Gewässer eine Gesamtwasserfläche von rund 5100 Hektar.

Am Sedlitzer See wird noch gesprengt

Bergbausanierer LMBV hatte schon vor Jahren angekündigt, sich mit voller Kraft auf dieses Herzstück der Restlochkette sanierungstechnisch konzentrieren zu wollen. Und das bundeseigene Unternehmen scheint Wort zu halten.

Denn die entsprechenden Arbeiten gehen ins Finale. Während am Geierswalder, am Partwitzer und am Großräschener See nur noch Restarbeiten zu erledigen sind, wird am Sedlitzer See, übrigens mit gut 1400 Hektar Brandenburgs größtes Gewässer, noch ordentlich rangeklotzt. Derzeit wird die dortige Halbinsel mittels schonender Sprengverdichtung gesichert. Zudem erfolgt der Bau des 2,8 Kilometer langen Ableiters zur Schwarzen Elster.

Die Vereinbarung zur Freigabe mehrerer Lausitzer Tagebauseen haben in Potsdam unterschrieben.

Die Vereinbarung zur Freigabe mehrerer Lausitzer Tagebauseen haben Minister Rainer Genilke (M.) sowie die beiden LMBV Geschäftsführer Bernd Sablotny (r.) und Torsten Safarik in Potsdam unterschrieben.

Nicole Buhlau

Im sächsischen Teil des Geierswalder und Partwitzer See sind Baden und Bootfahren bereits offiziell erlaubt. Für den Großräschener See gibt es seit Pfingsten eine temporäre Nutzung für registrierte Boote sowie seit Anfang August die Badeerlaubnis, die aber nur für den Stadtstrand Großräschen gilt.

Welche Konsequenzen die neue Vereinbarung hat

Jetzt also die Vereinbarung zwischen der LMBV und dem Land Brandenburg. „Damit sind die Weichen gestellt für die Freigabe von Sedlitzer und Großräschener See, der brandenburgischen Teile von Partwitzer und Geierswalder See sowie der verbindenden Überleiter“, heißt es aus der Brandenburger Staatskanzlei. Die Vereinbarung schaffe die rechtliche Grundlage für die angestrebte Freigabe der Gewässer für Sport- und Segelboote sowie das Wasserwandern, Baden und Tauchen zum Jahr 2026.

Infrastrukturminister Rainer Genilke betont, dass die Freigabe ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung des Lausitzer Seenlandes sei. Es entstehe eine überregional bedeutsame Kulturlandschaft, die sicher viele Menschen anziehen und begeistern werde. Nach Angaben des Tourismusverbandes Lausitzer Seenland wurden im vergangenen Jahr gut 874.000 Übernachtungen in der Landschaft im Wandel gezählt. Perspektivisch werde die Anderthalb-Millionen-Marke angestrebt.

Was die LMBV bereits in die neuen Seen investiert hat

LMBV-Geschäftsführer Bernd Sablotny fügt hinzu, dass sich sein Unternehmen bereits seit drei Jahren gemeinsam mit der Region auf die Gewässerfreigabe vorbereite. Die LMBV hatte, für das Seenland etwas überraschend, bereits im vergangenen Februar die Teilfreigabe des Großräschener Sees im laufenden Jahr angekündigt. Nun werde die durchgängige Nutzung der Restlochkette für 2026 vorbereitet.

Laut der LMBV sind bereits 100 Millionen Euro in den Bau der Lausitzer Seen investiert worden. Es seien weitere 100 bis 150 Millionen Euro notwendig. Bis zur Freigabe müssten noch verschiedene Arbeiten erledigt werden, beispielsweise die Totholzbeseitigung im Sedlitzer See. Diese solle im kommenden Jahr beginnen. Damit werde Sicherheit für Schiffs- und Bootsverkehr sowie Badegäste hergestellt.

Die Tagebauseen, Überleiter und Ufer stehen aktuell noch unter Bergaufsicht. Wenn diese endet, sollen die Gewässer an das Land Brandenburg übergehen. Dieser Schritt werde noch einige Jahre dauern. Dennoch werde schon früher eine öffentliche Nutzung erlaubt sein. Damit tragen Land und LMBV dem großen öffentlichen Interesse an der Öffnung der seit Jahren sichtbaren Gewässer und der Nutzung der bereits fertiggestellten Strände, Häfen, Kanäle und weiteren Anlagen an den Ufern Rechnung.

Östliche Restlochkette ist noch lange nicht an der Reihe

Für die neuen Seen östlich des Partwitzer Sees besteht indes wenig Hoffnung auf eine zeitnahe Freigabe. Dort besteht noch jede Menge Sanierungsbedarf. Darüber hinaus fehlt das Wasser. Zudem muss die im Osten tangierende, viel befahrene B97 auf ihrem Abschnitt am Spreetaler See saniert werden. Bergbausanierer LMBV wird mit der Sanierung der B97 nicht vor dem Jahr 2028 beginnen. Die Freigabe der Spreetaler Seen dürfte nach jetzigem Stand wohl erst um das Jahr 2040 erfolgen.