Jubiläen 2024 um Senftenberg
: Von 575 Jahre Zschornegosda bis 80 Jahre Wasserturm

2024 stehen wieder zahlreiche Jubiläen ins Haus. Dazu zählen 20 Jahre EU-Osterweiterung sowie ein Jahrhundert S-Bahn-Betrieb in Berlin. Auch im Altkreis Senftenberg kündigen sich Jubiläen an. So etwa in Schwarzheide.
Von
Torsten Richter-Zippack
Senftenberg
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  • Der Wasserturm in Schwarzheide besteht anno 2024 seit 80 Jahren. Ursprünglich sollte noch nebenan ein Rathaus gebaut werden. Das ist bis heute nicht geschehen.

    Der Wasserturm in Schwarzheide besteht anno 2024 seit 80 Jahren. Ursprünglich sollte noch nebenan ein Rathaus gebaut werden. Das ist bis heute nicht geschehen.

    Stadt Schwarzheide
  • Alljährlich am zweiten Advent findet der Weihnachtsmarkt auf der Schwarzheider Dorfaue rund um die Lutherkirche statt. Steigt dort 2024 die 575-Jahr-Feier von Zschornegosda?

    Alljährlich am zweiten Advent findet der Weihnachtsmarkt auf der Schwarzheider Dorfaue rund um die Lutherkirche statt. Steigt dort 2024 die 575-Jahr-Feier von Zschornegosda?

    STEFFEN RASCHE
  • Blick vom Großräschener See über die Flächen des alten Tagebaus Meuro. Vor einem Vierteljahrhundert wurde dort die letzte Kohle gefördert.

    Blick vom Großräschener See über die Flächen des alten Tagebaus Meuro. Vor einem Vierteljahrhundert wurde dort die letzte Kohle gefördert.

    Steffen Rasche
  • Die Einweihung des Sparkassen-Komplexes in Senftenberg jährt sich im Jahr 2024 zum 25. Mal.

    Die Einweihung des Sparkassen-Komplexes in Senftenberg jährt sich im Jahr 2024 zum 25. Mal.

    Jan Augustin
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Schwarzheide gilt als eine der jüngsten Städte der Lausitz. Erst am 11. Januar 1967 erhielt die damalige Industriegemeinde das Stadtrecht. Diese war selbst erst im Oktober 1936 entstanden, bedingt durch den Aufbau des damaligen Brabag-Werkes, der heutigen BASF Schwarzheide GmbH. Zuvor gab es nur zwei kleine Dörfer, und zwar Naundorf im Osten und Zschornegosda im Westen.

In Naundorf hat sich die urkundliche Ersterwähnung im Jahr 2021 zum 600. Mal gejährt. Das Jubiläum konnte aufgrund der Corona-Bestimmungen erst zwölf Monate später gefeiert werden. Und das bei schweißtreibenden 38 Grad im Schatten. Anno 2024 steht das nächste Jubiläum ins Haus. Denn 1449 wurde „Cschörnegast“ in einer Lehensurkunde des Herzogs Friedrich von Sachsen (1412-1464) erstmals urkundlich erwähnt, heißt es in der Chronik. Daraus wurde später Zschornegosda. Der sorbische Name bedeutet so viel wie schwarze Heide beziehungsweise dunkler Wald.

Ob in Schwarzheide gefeiert wird, steht noch nicht fest

Heute ist Zschornegosda identisch mit dem Stadtteil Schwarzheide-West, mit der Lutherkirche (1754/1755) als ältestem, noch vorhandenen Gebäude sowie als Mittelpunkt. Ob 575 Jahre Zschornegosda gefeiert werden, steht noch nicht fest. An die 550- (1999) und an die 555-Jahr-Feier (2004) erinnern sich die Einheimischen jedenfalls gern zurück.

Allerdings wartet das Jahr 2024 auch mit einem traurigen Kapitel Schwarzheider Geschichte auf. Denn zu Pfingsten 1944, vor nunmehr 80 Jahren, gab es den ersten von insgesamt 14 Bombenangriffen auf das damalige Hydrierwerk der Brabag. Im selben Jahr wurde der Wasserturm vollendet. Dieser war aber nur bis 1958 in seiner ursprünglichen Funktion in Betrieb. Längst gilt das 36 Meter hohe Bauwerk als Wahrzeichen der Chemiestadt.

Ruhlander Badeanstalt und Ortrander Premieren-Auto

Vor 110 Jahren, am 23. Mai 1914, wurde die Ruhlander Badeanstalt nahe der Bahn eröffnet. Aufgrund der sich verschlechternden Wasserqualität konnte diese später nur noch zum Angeln genutzt werden. Vor 250 Jahren endete der Wiederaufbau der beim großen Stadtbrand von 1768 zerstörten Ruhlander Kirche. Als Baumeister fungierte der Dresdner Samuel Locke (1710-1793).

Vor 125 Jahren fuhr das erste Auto durch Ortrand, hat Danny Duismann vom örtlichen Heimatverein 1912 recherchiert. 85 Jahre sind ins Land gegangen, dass der Autobahnabschnitt zwischen Ortrand und Ruhland mit zwei Fahrbahnen vollendet wurde.

Lieber Kleinleipisch als Lauchhammer-Nord

Vor einem halben Jahrhundert wurde Kleinleipisch offiziell in Lauchhammer-Nord umbenannt. Und vor zehn Jahren erhielt der Lauchhammeraner Stadtteil seine ursprüngliche Bezeichnung wieder zurück. Vor 15 Jahren erfolgte der erste Spatenstich für die Bahnbrücke in Lauchhammer-Süd. Seit 2010 fließt über sie der Verkehr.

Am 26. September 1924 werden genau 100 Jahre seit der Inbetriebnahme der ersten Abraumförderbrücke der Welt ins Land gegangen sein. Diese versah bis 1959 in der Grube Agnes zwischen Lauchhammer und Plessa ihren Dienst. An das Jubiläum soll am zweiten Mai-Wochenende im Rahmen eines Förderbrücken-Festes am Kulturhaus Plessa gedacht werden. Seit 30 Jahren erinnert am Weg zwischen Lauchhammer-West und Plessa eine Schautafel an das technische Meisterwerk.

Als Annahütte und Klettwitz in der Grube verschwinden sollten

Vor 40 Jahren erfolgte der Beschluss zur Abbaggerung von Annahütte und Klettwitz durch den Tagebau Klettwitz-Nord. Dies war für das Jahr 2000 geplant. Durch die politische Wende der Jahre 1989/1990 kam es dazu nicht. Vor 250 Jahren erhielt der Klettwitzer Kirchturm seine heutige Gestalt.

Vor 65 Jahren entstand der Flugplatz Schwarzheide/Schipkau. Jetzt soll dem Sonderlandeplatz das Luftrecht entzogen werden, um die Fläche zu einem Industriegebiet umwidmen zu können.

Letzter Kohlezug und ein versunkenes Jubiläumsdorf

Am 17. Dezember 2024 wird genau ein Vierteljahrhundert ins Land gegangen sein, seit der letzte Kohlezug aus dem Tagebau Meuro fuhr. Zwischen 1965 und 1999 wurden über 300 Millionen Tonnen Rohbraunkohle gefördert. Heute erstreckt sich auf einem Teil der Tagebaufläche der 880 Hektar große Großräschener See.

Im Tagebau ist der Ort Bückgen (später Großräschen-Süd) versunken. Dessen urkundliche Ersterwähnung jährt sich 2024 zum 550. Mal. Vor 20 Jahren wurden die IBA-Terrassen am Großräschener See eingeweiht. Sie sollen jetzt umgebaut und modernisiert werden. Fünf Jahre sind seit der Großräschener Hafeneinweihung vergangen. Der damalige Dauerregen war offenbar kein gutes Zeichen. Denn bis heute kann der Hafen aufgrund der fehlenden Seefreigabe nicht wirklich genutzt werden. Der Grund: Es fehlt noch Wasser.

Vor 150 Jahren erfolgte die Eröffnung der Eisenbahnstrecke zwischen Lübbenau, Calau, Großräschen und Senftenberg. Sie musste später wegen des fortschreitenden Tagebaus nach Osten verlegt werden. Damit verschwand auch der Haltepunkt Großräschen-Süd.

2024er-Jubiläen in Senftenberg

Vor 50 Jahren erfuhr der Strand Niemtsch am Senftenberger See seine Freigabe. Bereits ein Jahr zuvor war der Badestrand Großkoschen eröffnet worden. Vor zehn Jahren wurde der erste Spatenstich für das Senftenberger Innovationszentrum in unmittelbarer Nähe des Campus-Geländes getätigt. 2015 erfolgte die Eröffnung. Vor 30 Jahren entstand die Sparkasse Niederlausitz. Sie war im Zuge der Kreisgebietsreform aus den Kreissparkassen Calau und Senftenberg hervorgegangen. Und ein Vierteljahrhundert ist es her, dass mit der Vollendung des Sparkassen-Komplexes am Senftenberger Markt die Marktbebauung vollendet wurde.