Ist zu wenig Geld im Portemonnaie für regionale Spezialitäten? Die ausgedünnte Anzahl an Ausstellern in der Brandenburg-Halle zum Start der Grünen Woche am Freitag lässt das vermuten. 51 Aussteller sind in diesem Jahr vertreten - 2020 waren es vor Corona noch mehr als 70.
Auch der Landkreis Oberspreewald-Lausitz tischt auf der größten Schlemmermeile nicht das auf, was er kulinarisch tatsächlich zu bieten hat. Den sonnengeküssten Solaris vom Großräschener See, die Hausmacher Leberwurst nach altem Rezept vom Bauern Domin aus Peickwitz, der goldgelbe Apfelsaft von Lausitzer Streuobstwiesen aus Hosena - all diese Köstlichkeiten sind in der Brandenburg-Halle diesmal nicht zu finden. 2020 hatten noch neun regionale Kleinunternehmen und Familienbetriebe auf der Grünen Woche Appetit auf Oberspreewald-Lausitz gemacht.

Für Kleinunternehmen Nummer zu groß

In diesem Januar hält einzig die Eierlikör-Manufaktur „Scharfes Gelb“ aus Senftenberg mit eigenem Stand Nr. 127 in der Brandenburg-Halle für OSL die Fahne hoch.
Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig. Eine Messe-teilnahme ist kosten- und personalintensiv. Klein- und Familienbetriebe haben nicht die Kraft, zehn Tage lang einen eigenen Stand auf der Grünen Woche zu bestreiten. Machbar war das in den Vorjahren einzig mit dem Angebot des Landkreises, unter seinem Dach an einem Gemeinschaftsstand ein oder zwei Tage an der Messe teilzunehmen.

Rückzug des Landkreises hat Folgen

Die schmackhafte Kooperation mit dem Landkreis findet in diesem Jahr aber nicht statt. Finanzielle Mittel für eine Teilnahme auf der Grünen Woche 2023 sind nicht eingeplant, bestätigt Bärbel Weihmann, Chefin des Sachgebiets Wirtschaftsförderung der Landkreisverwaltung. Gründe seien die bestehenden Unsicherheiten durch Pandemie, Krieg und wirtschaftliche Unsicherheiten vieler Unternehmen. Der planerische Aufwand für einen Gemeinschaftsstand auf der Grünen Woche wäre zudem im Vorfeld nicht leistbar gewesen, sagt Weihmann. Denn der Landkreis habe den Fokus auf das Kreiserntefest gelegt.
So lecker schmeckt Oberspreewald-Lausitz: Die Eierlikör-Manufaktur Scharfes Gelb lädt in der Brandenburg-Halle zum Verkosten ein. Die Besucher haben die Qual der Wahl und können sich am Stand durch zwölf Sorten durch kosten. 5000 Flaschen sind von Senftenberg aus auf die Reise nach Berlin gegangen.
So lecker schmeckt Oberspreewald-Lausitz: Die Eierlikör-Manufaktur Scharfes Gelb lädt in der Brandenburg-Halle zum Verkosten ein. Die Besucher haben die Qual der Wahl und können sich am Stand durch zwölf Sorten durch kosten. 5000 Flaschen sind von Senftenberg aus auf die Reise nach Berlin gegangen.
© Foto: privat/Tänzer
Mit dem Rückzug des OSL-Landkreises hat sich zumindest für Klein- und Familienunternehmen eine Teilnahme an der Grünen Woche erledigt. „Zeitlich und vor allem personell ist die Belastung einfach zu hoch“, bestätigt Hosenas Kelterei-Chef Jan Rolla. So gern er den Messebesuchern seine neueste Saft-Kreation vorgestellt hätte, müsse er die Wirtschaftlichkeit im Auge behalten.

Kein Apfelsaft aus Hosena, kein Wein aus Großräschen

Was für die Messebesucher durchaus schade ist. Denn das „Hosenaer Frühstücks-Quartett“, bestehend aus Streuobst-Äpfeln, Karotten, Roten Beeten und Mango, ist eine regionale Köstlichkeit, die zu 100 Prozent nur aus dem besteht, was aus den Früchten kommt. Mehr Regionalität geht nicht.
Auch Weinwobar aus Großräschen hat als Familienbetrieb nicht die Kraft, zehn Tage lang einen eigenen Messestand zu unterhalten. „Die Bedingungen passen so nicht“, sagt Winzer-Gattin Cornelia Wobar. Bei der Entscheidung im Herbst des Vorjahres war bei steigenden Infektionszahlen zudem noch unklar, wie sich die Pandemie entwickelt. Mit dem anstehenden Rebschnitt nach der Grünen Woche kann sich Winzer Andreas Wobar einen krankheitsbedingten Ausfall nicht leisten.

5000 Flaschen Eierlikör als OSL-Botschafter

Allein auf weiter Flur bleiben damit Senftenbergs Eierlikör-Produzenten mit eigenem Messestand. Angereist mit über 5000 Flaschen des süffigen gelben Kultgetränks aus dem Seenland, wollen sie trotz Kaufzurückhaltung die Werbefahne für Südbrandenburg hochhalten. „Bei steigenden Kosten ist das natürlich ein Risiko. Aber wir gehen es bewusst ein. Wer nicht wirbt, stirbt“, sagt Geschäftsführer Heiko Tänzer.
Dass die Vorzeichen schwieriger geworden sind, spüren indes auch Senftenbergs Likör-Experten Heiko Tänzer und Danilo Trasper. „Die Leute haben weniger Geld im Portemonnaie und können damit auch weniger für regionale Spezialitäten ausgeben.“ Bei Gratis-Verkostungen wollen die beiden Eierlikörmacher die Messebesucher von der Qualität des Senftenberger Kultgetränks überzeugen. Am Eröffnungstag waren besonders die Sorten Creme Bruleé und Gesalzenes Karamell gefragt.

Eis aus dem Café Schauwerk aus Altdöbern

Generell hat sich der Landkreis übrigens nicht von der Teilnahme an der Grünen Woche verabschiedet. „Sollten wir erneut teilnehmen, wird dies auch wieder gern in Kooperation mit interessierten Unternehmern stattfinden“, stellt Sachgebietsleiterin Bärbel Weihmann in Aussicht.
Diesmal freilich bleibt es dabei, dass Senftenbergs Eierlikör nur Rückendeckung bekommt vom Spreewaldverein aus Lübben, der an seinem Doppelstand unter der Dachmarke Spreewald auch Produkte aus Oberspreewald-Lausitz präsentiert. Eiskreationen des Café Schauwerk aus Altdöbern gehören dazu. Für die Eisherstellung verarbeitet die Jungunternehmerin Marie Läser Spreewälder Bio-Milch.