Flugplatz Schwarzheide/Schipkau: Airport öffnet für einen Tag – das wird geboten

So sieht es im Cockpit dieses Oldtimer-Flugzeuges aus dem Jahr 1955 aus. Wer Lust hat, kann dort zum Tag des offenen Denkmals einen Blick hineinwerfen.
Torsten Richter-Zippack- Flugplatz Schwarzheide/Schipkau öffnet am 14. September zum Tag des offenen Denkmals.
- Besucher können Oldtimer-Segelflugzeuge wie das „Grunau Baby II“ von 1955 besichtigen.
- Aero-Club Schwarzheide kämpft weiter gegen Flugplatzschließung und Räumungsklage.
- Schwarzheide und Schipkau planen ein Industrie- und Gewerbegebiet auf dem Areal.
- Der Flugplatz ist per Auto und Fahrrad gut erreichbar, Beschilderung vorhanden.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Am 1. Oktober dürften die Flaggen der Schwarzheider Flieger auf Halbmast wehen. Denn dann jährt sich der Entzug des Luftrechts für ihren Flugplatz zum ersten Mal. Die Gemeinsame Obere Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg hatte diesen Schritt auf Antrag der Kommunen Schwarzheide und Schipkau vollzogen. Diese sind die Eigentümer des rund 130 Hektar großen Areals. Aktuell befindet sich der Aero-Club Schwarzheide in Rechtsstreitigkeiten. Dabei geht es zum einen um den Widerspruch zur Flugplatz-Schließung. Und zum anderen gegen die Räumungsklage seitens der Kommunen. Nach Angaben von Vereinschef Klaus Wonneberger steht ein Verhandlungstermin bislang noch nicht fest.
Schwarzheide und Schipkau wollen gemeinsam auf dem Flugplatz-Areal ein Industrie- und Gewerbegebiet entwickeln. Das Land Brandenburg hatte die Fläche bereits Mitte der 1990er-Jahre als entsprechendes Vorranggebiet ausgewiesen. Deshalb hatten die Eigentümer-Kommunen mittels ihrer Flugplatzbetriebsgesellschaft den noch bis zum Jahr 2030 laufenden Pachtvertrag mit dem Aeroclub aufgekündigt.
70 Jahre altes Segelflugzeug zu sehen
Unabhängig von dem ganzen Streit laden die Flieger an diesem Sonntag, 14. September, zwischen 10 und 16 Uhr auf den Flugplatz ein. Bundesweit wird dann der Tag des offenen Denkmals begangen. Zwar gibt es auf und an der großen Wiese nahe der A13 und der BASF keine Denkmäler zu sehen, dafür aber Oldtimer-Flugzeuge. Drei historische Segelflieger sollen der interessierten Öffentlichkeit präsentiert werden, kündigt Klaus Wonneberger an. Als Oldtimer gelten bei Flugzeugen alle Maschinen, die mindestens 25 Jahre alt sind.
Eines der Flugzeuge ist so alt wie der Aero-Club-Vorsitzende selbst. Denn die „Grunau Baby II B-DDR“, so die offizielle Bezeichnung, wurde im Jahr 1955 gebaut, damals im Volkseigenen Betrieb (VEB) Apparatebau Lommatzsch. Der Flieger sei bis in die 1970er-Jahre für die Ausbildung genutzt worden, auch in Schwarzheide. Jeder Segelflugschüler musste dort während seiner Prüfung erstmals allein eine Platzrunde fliegen. Auch Klaus Wonneberger hatte so mit dem Segelflug begonnen. Das war in den Jahren 1968/1969.
Warum die Rekonstruktion alles andere als einfach war
Gestartet wird das „Grunau Baby II“ mittels einer Winde. Das Segelflugzeug dürfte keine 200 Kilogramm wiegen, ist also sehr leicht. Lediglich nur gut 200 Maschinen dieses Typs seien gebaut worden. Das Besondere an dem in Schwarzheide stationierten Flugzeug sei, dass es die Wirren der DDR-Zeit sowie der politischen Wende überlebt hat. Innerhalb eines halben Jahres wurde es durch drei Männer, und zwar Carsten Kiese, Sandro Rutz und Oliver Jurk, von Grund auf rekonstruiert.

Hier präsentieren mehrere Protagonisten des Schwarzheider Aero-Clubs um den Vorsitzenden Klaus Wonneberger (M.) ein 70 Jahre altes Schulsegelflugzeug. Dieses und weitere können am Sonntag auf dem Schwarzheider Flugplatz bewundert werden.
Torsten Richter-ZippackDas sei alles andere als einfach gewesen, erinnert sich Carsten Kiese. Sämtliche Teile mussten auseinandergenommen und alle Leimungen gelöst werden. Der größte Teil des Flugzeugs bestehe aus Sperrholz. Mit am anspruchsvollsten sei das neue Bespannen der Tragflächen gewesen. Warum: „Weil dies heute nicht mehr üblich ist, und wir erst Erfahrungen sammeln mussten“, erklärt Kiese. Letztendlich handele es sich um das gleiche Prinzip als ob eine Trommel bespannt wird. Für das nunmehr rekonstruierte Flugzeug, das sogar mit originaler DDR-Farbe gestrichen worden sei, werde jetzt ein neuer TÜV angestrebt. Dann könne es wieder in die Luft steigen.

Blick auf den Flugplatz Schwarzheide/Schipkau, für den es seit knapp einem Jahr kein Flugrecht mehr gibt. Im Hintergrund ist der Kran für den im Bau befindlichen Höhenwindturm auf der Hochkippe Schipkau zu sehen.
Torsten Richter-ZippackAllerdings nicht mehr in Schwarzheide. Mit dem Entzug des Luftrechts im Herbst 2024 endete auch die lange und erfolgreiche Ära der Segelflugausbildung in der Chemiestadt. Pro Jahr hatten ein bis zwei Flugschüler die entsprechende Lizenz erworben. Derzeit schulen die Schwarzheider auf dem Flugplatz in Nardt bei Hoyerswerda. Das Problem: Dort könne aus Platzgründen nur ein Flugzeug abgestellt werden.
Was es mit der „Favorit“ und der „Libelle“ auf sich hat
Darüber hinaus will der Aero-Club diesen Sonntag zwei weitere Oldie-Segelflugzeuge in Schwarzheide präsentieren. Von einer der beiden Fluggeräte seien nur fünf Exemplare gebaut worden. Die „Favorit“ hatte anno 1962 ihren Erstflug bestritten. Darüber hinaus ist die „Libelle“ zu sehen, die aus dem Jahr 1959 stammt.
Segelflugzeuge fliegen grundsätzlich ohne Motor. Sie nutzen vor allem die Thermik, einen natürlichen Aufwind. In die Luft gelangen die Maschinen unter anderem mittels Winden oder durch Motorflugzeuge. Das Landen funktioniert über ausfahrbare Bremsklappen. Wer Segelflieger werden will, muss mindestens 50 bis 70 Starts bewältigt haben. Hinzu kommt die theoretische Ausbildung.
So kommen die Besucher zum Flugplatz Schwarzheide/Schipkau
Der Flugplatz Schwarzheide/Schipkau ist mit dem Auto über die offizielle Zufahrt zu erreichen, die unmittelbar an der Autobahnanschlussstelle Schwarzheide beginnt. Dort weist auch ein Schild in die entsprechende Richtung. Wer mit dem Fahrrad anreist, kann auch verschiedene Wege aus dem Schwarzheider Stadtgebiet nutzen. Am bekanntesten dürfte der verlängerte Forstweg sein.



