Industriepark Lausitz
: Schwarzheides BASF-Chef über Zukunft, Jobs und neue Chancen

InterviewIn Schwarzheide startet die neue BASF-Tochter InfraService & Solutions Lausitz GmbH. Geschäftsführer Jürgen Fuchs erklärt, warum das kein Sparkurs ist – und was Beschäftigte jetzt wissen müssen.
Von
Jan Augustin
Schwarzheide
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BASF-Chef Jürgen Fuchs gut gelaunt in seinem Büro in Schwarzheide. Der 58-Jährige ist auch der Geschäftsführer der neuen InfraService & Solutions Lausitz GmbH.

BASF-Chef Jürgen Fuchs gut gelaunt in seinem Büro in Schwarzheide. Der 58-Jährige ist auch der Geschäftsführer der neuen InfraService & Solutions Lausitz GmbH.

Jan Augustin

Mit der Gründung der BASF InfraService & Solutions Lausitz GmbH beginnt für Schwarzheide ein neues Kapitel: Der traditionsreiche Standort firmiert künftig als Industriepark Lausitz. Geschäftsführer Jürgen Fuchs spricht im Interview über Chancen für die Region, Investoren – und die Sorgen der Belegschaft.

Herr Fuchs, am 1. September nimmt die neue Betreibergesellschaft in Schwarzheide offiziell ihre Arbeit auf. Wie heißt das Unternehmen – und wer steht an der Spitze? 
Die neue Gesellschaft trägt den Namen BASF InfraService & Solutions Lausitz GmbH. Ich freue mich sehr, als Vorsitzender der Geschäftsführung den Start unserer neuen Gesellschaft in Schwarzheide gemeinsam mit meiner Kollegin Anne Francken, kaufmännische Geschäftsführerin und Arbeitsdirektorin, zu begleiten. Gemeinsam mit 900 Mitarbeitenden werden wir künftig als Standortbetreiber die Weiterentwicklung des Standortes gestalten.

Was genau verspricht sich die BASF von der Neugründung?
Unsere Aufgabe als Standortbetreiber ist es, eine leistungsfähige Plattform für Unternehmen in der chemischen und den verwandten Industrien zu schaffen. Durch gemeinsam genutzte Services und eine leistungsstarke Infrastruktur entstehen Synergien, die unseren Kunden einen echten Mehrwert bieten. Die Trennung zwischen Standortbetrieb und Produktion ist strategisch wichtig. Vorteil: Jedes Unternehmen kann sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren. Dafür sorgen wir als Betreibergesellschaft.

Darum heißt der Chemiepark Schwarzheide jetzt Industriepark

Bisher war vom „Chemiepark Schwarzheide“ die Rede. Bleibt es bei diesem Namen?
Tatsächlich nicht. Wir treten künftig als Industriepark Lausitz auf, der von der BASF InfraService & Solutions Lausitz GmbH betrieben wird. Wir haben uns bewusst für die Bezeichnung und den Namen Industriepark entschieden, um deutlich zu machen: Der Standort in Schwarzheide ist mit seiner Infrastruktur und seinen Services sowohl für die klassische Chemieindustrie als auch für andere Industriezweige der bevorzugte Partner – wie zum Beispiel die Halbleiterindustrie, Unternehmen der Kreislaufwirtschaft oder der Erneuerbaren Energie.

Die BASF Schwarzheide GmbH ist seit 1990 Teil der BASF-Gruppe und beschäftigt rund 2000 Mitarbeiter. Der Betrieb versteht sich als strukturbestimmendes Unternehmen, dessen Wurzeln in der Region verankert sind.

Die BASF Schwarzheide GmbH hat in den vergangenen Jahren mehr als 300 Millionen Euro in die Modernisierung der Infrastruktur gesteckt.

BASF Schwarzheide GmbH/Quint

Was unterscheidet den neuen Industriepark künftig von einem klassischen BASF-Werk?
Der Standort in Schwarzheide war noch nie ein klassisches BASF-Werk. Auch vor dem 1. September sind über 60 weitere Unternehmen am Standort tätig. Allein deshalb hat der Standort schon eine Art Industrieparkcharakter. Anders ist ab heute, dass der Industriepark Lausitz nun durch die Standortbetreibergesellschaft gemanagt wird, die selbst keine Produktionstätigkeiten mehr wahrnimmt, sondern als Dienstleister mit einer starken Infrastruktur und einem umfassenden Serviceportfolio auftritt. Wir haben in den letzten Jahren über 300 Millionen Euro in die Modernisierung unserer Infrastruktur investiert. Das ist ein wichtiger Grundpfeiler für die Wettbewerbsfähigkeit und die Attraktivität des Industrieparks.

Welche Unternehmen möchten Sie für den Industriepark gewinnen? 
Unser Fokus liegt auf zukunftsweisenden Branchen, die unsere Infrastruktur gewinnbringend nutzen kann für ihre Produktion – zum Beispiel Unternehmen aus den Bereichen erneuerbare Energien, Kreislaufwirtschaft, Halbleiter- oder Batteriematerialien. Auch die klassische Chemie bleibt ein wichtiger Pfeiler.

Bisher mehr als 60 Firmen im Schwarzheider Industriepark

Gibt es schon Interessenten?
Wir führen bereits Gespräche mit mehreren potenziellen Investoren, können aber zum jetzigen Zeitpunkt aus Gründen der Vertraulichkeit keine Namen nennen.

Wie verhindern Sie, dass neue Unternehmen am Standort in Konkurrenz zur BASF treten?
Unser Industriepark ist so konzipiert, dass Synergien im Vordergrund stehen. In Zeiten, in denen Innovation, Nachhaltigkeit und Kosteneffizienz entscheidend sind, bieten wir Lösungen, die sowohl unseren Kunden als auch der Region zugutekommen. Aktuell sind über 60 Unternehmen am Standort tätig, die zum einen von den umfassenden Serviceleistungen und der modernen Infrastruktur profitieren und zum anderen mit ihrem Serviceangebot am Standort zum Erfolg beitragen.

Können Sie schon abschätzen, mit welchem Investitionsvolumen in den kommenden Jahren zu rechnen ist – auch durch externe Partner?
Zum aktuellen Zeitpunkt können wir dazu noch keine konkreten Zahlen nennen. Wir sind aber schon mit potenziellen Investoren und Unternehmen im engen Austausch über mögliche Ansiedlungen und Partnerschaften.

Etwa die Hälfte der rund 2.000 BASF-Mitarbeitenden soll in die neue Gesellschaft wechseln. Gibt es dabei Nachteile für die Beschäftigten?
Nein, das kann ich klar sagen. Beide Gesellschaften, sowohl die Standortbetreibergesellschaft als auch die Produktionsgesellschaft, bleiben im Flächentarifvertrag der Chemie. Es wird keine Zwei-Klassen-Belegschaft geben. Die soziale Absicherung der Mitarbeitenden bleibt voll erhalten und beide Gesellschaften bleiben in der BASF-Gruppe.

Was der Industriepark der Lausitz und den Menschen bringen soll

Ist das Ganze also ein Zukunftsplan – oder doch eine verkappte Sparmaßnahme?
Es ist ganz klar ein strategischer Zukunftsplan. Wir wollen ein führender Industrie- und Innovationsstandort in Europa werden – mit Fokus unter anderem auf Kreislaufwirtschaft, klimafreundliche Produktion und technologischer Vernetzung. Unsere Aufgabe ist es, die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit unsere Kunden hier erfolgreich sind und effizient wachsen können. Das ist unser Ziel und unser Plan, aber eins ist auch klar: Wir sind auch abhängig von den wirtschaftlichen Entwicklungen in Deutschland, Europa und der Welt.

BASF-Mann Jürgen Fuchs zum Standort Schwarzheide: "Unser klares Ziel ist es jedoch, den Standort zukunftsfähig weiterzuentwickeln und langfristig zu stärken."

BASF-Mann Jürgen Fuchs zum Standort Schwarzheide: „Unser klares Ziel ist es jedoch, den Standort zukunftsfähig weiterzuentwickeln und langfristig zu stärken.“

BASF Schwarzheide/Quindt

Welche Vorteile bringt der Industriepark der Lausitz – über BASF hinaus?
Unser Standort ist und bleibt auch zukünftig ein zentraler Wirtschaftsmotor und Impulsgeber für die Lausitz und die Menschen. Als industrieller Leuchtturm der Region steht er für gute Arbeitsplätze mit hoher Wertschöpfung und Innovationskraft.

Viele Menschen sind vom Strukturwandel verunsichert. Was entgegnen Sie?
Wir handeln vorausschauend. Die neue Struktur gibt nicht nur unseren Kunden, sondern auch unseren Mitarbeitenden Perspektive. Wir haben die Weichen rechtzeitig gestellt und gestalten die Zukunft aktiv – das ist ein starkes Signal an die Region.

Es gibt jetzt drei BASF-Gesellschaften in Schwarzheide

Der Fachkräftemangel betrifft auch die Industrie zunehmend. Wie wollen Sie an qualifizierte Arbeitskräfte herankommen?
Unsere Ausbildung am Standort steht seit Jahrzehnten für höchste Qualität. Das ist ein starkes Fundament, auf dem wir weiter aufbauen. Auch in diesem Bereich öffnen wir uns künftig stärker für unsere Kunden: Wir bieten Ausbildungsleistungen in sechs verschiedenen Berufsfeldern an – und zwar nicht nur für BASF, sondern auch für Kunden und Partnerunternehmen im Industriepark. Damit schaffen wir ein echtes Alleinstellungsmerkmal in der Region und leisten einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Fachkräftesicherung. Zudem haben wir gute Arbeitsbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten.

Gibt es ein Risiko, dass Teile der Produktion ausgelagert oder geschlossen werden?
Die neu gegründete Standortbetreibergesellschaft und auch die Produktionsgesellschaft in Schwarzheide sind weiterhin 100-prozentige Töchter der BASF-Gruppe. Zusammen mit der Battery Materials and Recycling Schwarzheide GmbH haben wir bereits drei starke BASF-Gruppengesellschaften am Standort. Aktuell gibt es keine Pläne, Produktionslinien auszulagern oder zu schließen – natürlich immer in Abhängigkeit der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland und der Welt. Unser klares Ziel ist es jedoch, den Standort zukunftsfähig weiterzuentwickeln und langfristig zu stärken.

Jürgen Fuchs: BASF-Mann durch und durch

Jürgen Fuchs (58) ist BASF-Mann durch und durch. In seiner 35-jährigen Karriere beim weltweit größten Chemiekonzern hat er einige Stationen und Länder gesehen – unter anderem USA, Belgien, Spanien und natürlich die deutsche Zentrale in Ludwigshafen. Am 1. September 2025 arbeitet der im Saarland geborene und in Dresden wohnende Vater zweier Söhne (21 und 24 Jahre) genau neun Jahre am Standort in Schwarzheide.