Die aktuelle Allgemeinverfügung ist gerade einmal drei Tage in Kraft, da kündigt Oberspreewald-Lausitz-Landrat Siegurd Heinze schon die nächste an. Im Kampf gegen die Corona-Pandemie sollen ab kommenden Freitag, 11. Dezember, verschärfte Regeln gelten. Das sei dringend notwendig. „Die Lausitz ist ein Hotspot geworden“, hat Heinze bei einer Online-Pressekonferenz am Mittwoch betont. Während der Oberspreewald-Lausitz-Kreis mit „fast bescheidenen“ Zahlen durch die erste Welle gekommen sei, liege OSL in Brandenburg jetzt ganz vorn, was die Inzidenz angeht. Aktuell beträgt die Sieben-Tage-Inzidenz 374. Die neue Verfügung werde deshalb „ganz wesentliche Verschärfungen“ mit sich bringen. Ein Überblick:
Kontaktbeschränkung: So gilt ab kommenden Montag, 14. Dezember, kreisweit eine Ausgangssperre zwischen 20 Uhr und 5 Uhr. Die Wohnung oder das Haus darf in dieser Zeit nur noch aus triftigem Grund verlassen werden, etwa bei Gefahr für Leib und Leben, für den Arbeitsweg oder den Lebensmittel-Einkauf.
Außerdem gilt auch eine Maskenpflicht in der Öffentlichkeit, wenn der Mindestabstand von 1,50 Meter nicht eingehalten werden kann.

Weiterführende Schulen in OSL werden ab Montag geschlossen

Schulen und Kitas: Weitreichende Maßnahmen kündigt Siegurd Heinze auch für den Schul- und Kitabetrieb an. So werden ab kommenden Montag alle weiterführenden und berufsbildenden Schulen ab der Jahrgangsstufe 7 bis zum 8. Januar geschlossen bleiben und Distanzunterricht geben müssen. Ab dem 17. Dezember sollen auch die Grundschulen und Kindergärten geschlossen bleiben. Der Landkreis versuche eine Notbetreuung für Kinder bis zur Klassenstufe 6 zu organisieren, deren Eltern in sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiten.
Veranstaltungen: Weihnachten mit Gottesdienst zu Heiligabend fällt in diesem Jahr aus in OSL. Ob draußen oder drinnen – es wird keine Veranstaltungen geben, betont Heinze. Bei Hochzeiten und Bestattungen dürfen nur noch maximal zehn Personen anwesend sein. Auf Wochenmärkten dürfen nur noch Lebensmittel und Produkte aus der Land- und Forstwirtschaft verkauft werden. Weihnachtsmärkte sind ohnehin untersagt.

Einzelhandel in Oberspreewald-Lausitz soll offen bleiben

Einzelhandel: Beim Blick auf den Einzelhandel wolle man abwarten, ob sich – wie teilweise im Frühjahr – wieder ein Einkaufs-Tourismus aus Sachsen entwickelt. Sollte das geschehen, „steuern wir gegebenenfalls noch einmal nach“, erläutert Siegurd Heinze. Zunächst aber sollen alle Geschäfte offen bleiben.
Weitere Regelungen: Es gilt ein Besuchsverbot in Krankenhäusern sowie in Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen, in denen eine den Krankenhäusern vergleichbare medizinische Versorgung erfolgt. Verschärft werden soll auch noch einmal das Alkoholverbot in der Öffentlichkeit. Bei weiter steigenden Zahlen seien noch vor Weihnachten erneute Maßnahmen in Betracht zu ziehen, „damit sich das Virus nicht weiter unkontrolliert ausbreitet“, kündigt Heinze an.

OSL-Landrat Heinze kritisiert Corona-Leugner scharf

Angesichts der hohen Corona-Fallzahlen und einer zunehmend gefährdeten Gesundheitsversorgung von akut kranken Personen im Landkreis findet der OSL-Landrat vor zahlreichen Medienvertretern deutliche Worte: „Wer Corona als Pandemie noch immer leugnet, hat offensichtlich nicht nur ein Problem mit der Wahrheit, sondern bringt sich und vor allem andere in Gefahr, im Einzelfall in Lebensgefahr. Die vielen Erkrankten und mittlerweile leider auch Verstorbenen sind der Beweis dafür, dass die Lage bitterernst, sogar lebensbedrohlich ist. Wir sind gezwungen, weitere Maßnahmen einzuleiten und werden sie auch durchsetzen.“
Unterdessen spitzt die Lage im Klinikum Niederlausitz weiter zu. Aufgrund vieler Ausfälle fehlt es an Personal, um alle zur Verfügung stehenden Betten zu betreiben, sagt Klinikum-Geschäftsführer Tobias Vaasen. Derzeit sucht das Klinikum öffentlich nach Helfern, um handlungsfähig zu bleiben, ergänzt Pflegedirektorin Denise Hausdorf, die von einem zeitweise massiven Ausfall von bis zu 90 Mitarbeitern berichtet, die entweder krank oder in Quarantäne sind. Nach dem am vergangenen Samstag gestarteten Hilferuf haben sich schon 120 Menschen gemeldet, die ihre Arbeitskraft anbieten wollen.

Klinikum Niederlausitz verlegt 20 Patienten

Zum Ende der vergangenen Woche hin hatte das Klinikum zehn Patienten verlegen müssen, um die Gesundheitsversorgung für die Menschen in der Region weiter gewährleisten zu können. Am Montag wurden weitere zehn Patienten verlegt. „Wir befinden uns in einer Situation, die wir so noch nie hatten. Die Kliniken stoßen mit der Behandlung von erkrankten Menschen an ihre Grenzen, mit drohenden fatalen Auswirkungen für die Bürgerinnen und Bürger. Wir müssen jetzt alles auf den Prüfstand stellen, was dazu beiträgt, das Infektionsgeschehen zeitnah abzusenken. Die medizinische Versorgung gerät in Gefahr“, betont Landrat Siegurd Heinze.
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In einem Dossier gibt es zudem Hintergründe zum Coronavirus in der Lausitz.