Dekra in Klettwitz
: Sind Frauen die besseren Autofahrer? Was ein Verkehrspsychologe sagt

Was passiert mit dem Führerschein-Wissen nach einer bestimmten Zeit? Dieser Frage will Dekra in Klettwitz in einer Studie nachgehen. Auch die Geschlechter der Teilnehmenden werden bei dem Aktionstag erfasst.
Von
Rita Seyfert
Klettwitz
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Dr. Thomas Wagner, leitender Verkehrspsychologe von Dekra in Klettwitz, wertet die Probanden-Studie zur Führerscheinprüfung für den neuen Verkehrssicherheitsreport 2024 aus.

Steffen Rasche

In der „Flensburger Sündenkartei“, auch Fahreignungsregister genannt, entfallen 90 Prozent der Eintragungen auf Männer, und nur zehn Prozent auf Frauen. Liegt das daran, dass die Herren schneller vergessen – oder was ist der Grund? Dass Männer die meisten Punkte kassieren, begründet Dr. Thomas Wagner, leitender Verkehrspsychologe von Dekra, vor allem mit geschlechtsspezifischen Eigenschaften.

„Frauen gelten insgesamt als deutlich sorgfältiger, regelorientierter und gewissenhafter“, erklärt er. Der Fahrstil von Männern könnte im Vergleich zur Damenwelt als risikofreudiger und sorgloser beschrieben werden. Ob es auch im Theoriewissen größere Unterschiede zwischen beiden Geschlechtern gibt, glaubt Dr. Thomas Wagner aber weniger.

Teilnehmer gesucht – Studie bei Dekra in Klettwitz

Gewissheit könnte der Aktionstag von Dekra in Klettwitz am 25. November bringen. Im Rahmen einer Probandenstudie soll untersucht werden, wie sich das theoretische Verkehrswissen mit zunehmendem zeitlichen Abstand von der Fahrerlaubnisprüfung verändert – und zwar bei Männern und Frauen.

Wie Dekra-Sprecher Wolfgang Sigloch erklärt, müssen die Freiwilligen parallel zur Theorieprüfung einen demographischen Begleitfragebogen ausfüllen. Dieser soll helfen, nach bestimmten Hypothesen zu forschen. „Da wäre auch interessant zu schauen, ob es Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt.“

Was die Gedächtnispsychologie herausgefunden hat

Im Fokus stehe aber vor allem die Frage, wie sehr Verkehrsregeln, die irgendwann für den Führerschein auswendig gelernt wurden, im Kopf präsent geblieben sind? Laut Verkehrspsychologe Dr. Thomas Wagner halbiert sich gelerntes Wissen kontinuierlich nach Tagen oder Wochen. „Es sei denn, es wird permanent wiederholt“, so die allgemeine Regel der Gedächtnispsychologie, aufgestellt durch Hermann Ebbinghaus vor fast 150 Jahren.

Der Wissenschaftler entwickelte und erforschte im Jahr 1885 an der Humboldt Universität zu Berlin die „Vergessenskurven“ für Erlerntes. Im heroischen Selbstversuch arbeitete er mit sinnlosen Silben. Sein Ziel war es, zu schauen, wie die „Gedächtnisspuren“ abnehmen. Je länger die Führerscheinprüfung her ist, desto dünner sollte die Gedächtnisspur sein, so die Überlegung.

Theoriefrage: Wann darf ich rechts überholen?

Betroffen seien vor allem solche Wissenselemente, die nur für die Prüfung gelernt wurden. Wann blinke ich im Kreisverkehr oder wann darf ich rechts überholen – also Stichwort Einfädelspur auf die Autobahn. Diese Dinge wisse man intuitiv, so der Verkehrspsychologe. Allerdings sei nicht gesagt, dass man auch die dazu gehörige Theoriefrage richtig beantworten kann.

Ein weiterer Aspekt, der beim Aktionstag der Dekra in Klettwitz untersucht werden soll, bezieht sich auf im Ausland abgelegte Prüfungen. Wie wirken sich abweichende Ausbildungen und unterschiedliche Prüfwesen auf das Gesamtergebnis aus? Zur Erklärung führt der Verkehrspsychologe die Interferenzproblematik ins Feld.

Wie sich früher Gelerntes auf das heutige Wissen auswirkt

Früher Gelerntes stört aktuelle Wissenselemente. „Heißt, die beißen sich“, erklärt er. Das Abrufen der Gedächtnisregel werde durch das früher Gelernte erschwert. Dies könne dazu führen, dass Personen, die nicht in Deutschland die Fahrerlaubnisprüfung abgelegt haben, eine höhere Fehlerzahl haben könnten.

So komme es vor, dass es für gleiche Verkehrszeichen im In- und Ausland unterschiedliche Regeln gibt. Während beispielsweise in Deutschland der Autofahrer anzuhalten hat, wenn eine Person den Fußgänger-Überweg betritt, so gilt in Italien nur die freundliche Empfehlung; heißt, der Fußgänger hat nicht explizit Vorrang.

So verständlich sind Verkehrszeichen laut Studie

Auch die Frage, wie Menschen anderer Kulturen unsere Verkehrszeichen verstehen, wurde 2019 in einer Studie untersucht. Chinesischen Studenten, zuvor noch nie in Deutschland zu Besuch, wurde eine Liste mit 15 deutschen Verkehrszeichen vorgelegt. Die Aufgabe war es, den Bedeutungskern zu erraten.

In zwei Drittel aller Fälle wurden Warnschilder – mit international ähnlicher Semantik – richtig eingestuft. Im Gegenteil dazu wurden das Ende-einer-Vorfahrtsstraße- sowie Rechts-vor-Links-Schild mit weniger als einem Prozent fast gar nicht erraten. Der symbolische Bedeutungsgehalt dieser Schilder sei so realitätsfern, dass man sich da als „Nicht-Ortskundiger“ auch keine Eselsbrücken bauen könne, schlussfolgerten die Forscher.

Ab wann das Verkehrswissen intuitiv angewandt wird

Zugleich gehen die Experten davon aus, dass die Häufigkeit, mit der einem ein Verkehrszeichen in der Vergangenheit begegnet ist, auch die Quote der richtig erratenen Bedeutung beeinflusst. Besonders selten vorkommende Verkehrszeichen würden demnach vermutlich eher falsch zugeordnet werden. Und umgekehrt: Je intensiver man am Straßenverkehr teilnimmt, desto stärker geht das Gelernte in Fleisch und Blut über und wird irgendwann intuitiv angewandt.

Aktionstag bei Dekra: So melden Sie sich an

● Die Aktion findet statt am Samstag, 25. November, im Dekra Technology Center, Senftenberger Straße 30, in Klettwitz.

● Die RUNDSCHAU ist exklusiver Medienpartner dieser Aktion – die Verantwortlichen von Dekra freuen sich, wenn möglichst viele Leserinnen und Leser mitmachen.

● Aus organisatorischen Gründen und um lange Wartezeiten auszuschließen, ist eine Anmeldung unter der E-Mail-Adresse kundencenter@dekra.com unbedingt erforderlich.

● Interessenten sollten die Betreffzeile „Probandenstudie Verkehrssicherheitsreport“ verwenden, eine Telefonnummer angeben und vermerken, ob sie am Aktionstag ganztägig, nur am Vormittag oder nur am Nachmittag Zeit haben.

● Unter den Teilnehmenden werden 50x2 DTM-Tickets am Rennwochenende 25./26.5.2024 am DEKRA Lausitzring verlost (Tribünenkarten für einen Tag für zwei Personen).