Spreewaldweihnacht 2023: Märkte geöffnet – so schön ist der Advent in Lübbenau und Lehde

Besucher erreichen den Hafen des Spreewalddorfes Lehde. Mit fast 60 Kähnen, zu Fuß oder mit der Spreewald-Molly besuchten Hunderte Besucher den Spreewald und die Eröffnung der Spreewaldweihnacht.
Frank Hammerschmidt/dpaDas Spreewaldmuseum in Lehde und die Kahnfährleute vom Großen Hafen in Lübbenau haben sich auch 2023 zusammengetan, um ihren Gästen eine ganz besondere Spreewaldweihnacht zu kredenzen – und eine mit Abwechslung. Während der Lübbenauer Weihnachtsmarkt klassisch daherkommt, wirkt der Markt im Freilandmuseum in Lehde wie aus der Zeit gefallen. Dort tauchen Besucher nach der knapp einstündigen Kahnfahrt vom Großen Hafen durch die Winterlandschaft in eine Welt ein, wie sie vor über 100 Jahren im Spreewald vorzufinden war.
Fährmann Marko Schröter, sein Heimathafen ist ansonsten der Kleine Hafen am Spreeschlösschen in Lübbenau, hilft an diesem Tag aus, um die zahlreichen Besucherinnen und Besucher nach Lehde zu staken. Mit ihm sind weitere etwa 50 Kolleginnen und Kollegen unterwegs, die am Ende des Tages geschätzte 3.500 Gäste gefahren haben werden. „Ich denke, ich werde, wie die anderen auch, fünfmal hin und ebenso oft zurückfahren. Anfangs geht es mit vollem Kahn hin und später wird es umgekehrt sein, dann müssen wir die Besucher des Lehder Freilandmuseums wieder abholen“, erklärt er seinen ersten Gästen.

Vollbesetzte Kähne starten in der Mittagszeit in Richtung Lehde, die ersten Leerkähne kommen zurück.
Peter BeckerBei der Ausfahrt winkt Hafenkapitän „Hermann Petersen“
Kraftvoll schiebt Marko Schröter seinen vollbesetzten Kahn durch das stellenweise dünne Eis. Mit sinkenden Temperaturen am Abend hatten die Fährleute zunehmend mit der Eisbildung am Rudel zu tun, eine neue Erfahrung für manche Fährleute.
Bei der Ausfahrt winkt ihnen Hafenkapitän „Hermann Petersen“ (Matthias Ullrich) nach. Er kommt aus dem sächsischen elbnahen Niedervogelgesang, „was mich allein schon deshalb zum Spree-Kapitän erhebt“, wie er Neugierigen auf deren Nachfrage schmunzelnd erklärt.
Kerstin Rohrbeck ist mit ihrem Mann aus Magdeburg angereist und ist von der Winterlandschaft fasziniert: „Wir sind mit dem Wohnmobil auf dem Lübbenauer Campingplatz, wo wir schon im Sommer eine Woche zugebracht haben. Der Winter und zudem noch die Vorweihnachtszeit vermitteln einen ganz anderen Eindruck vom Spreewald – schön, dass es solch eine Möglichkeit gibt, ihn mal ganz anders kennenzulernen.“

In einem Haus im Freilandmuseum Lehde fertigt ein Handwerker aus Weidenruten ein Futterhäuschen für Vögel.
Frank Hammerschmidt/dpaEine der selbstverständlichsten Arbeiten auf dem Land
Am Eingang zum Freilandmuseum im beschaulichen Spreewalddörfchen Lehde hackt Oliver Wegendorf Erlenholz und erklärt den Städtern, dass dies früher eine der selbstverständlichsten Arbeiten auf dem Land war, wenn man es warm haben wollte. Der gesamte begehbare Museumsbereich ist mit Stroh und Holzschnitzel abgedeckt, um die Rutschgefahr auf dem hier und da vorhandenen Eis zu minimieren. Eine Besucherin ist jedoch der Meinung, dass „man die Holzstufen an den Brücken hätte abföhnen müssen“, was bei ihrer Begleitung und den Umstehenden doch ein wenig Kopfschütteln auslöst.
In den Häusern und auf dem Gelände geht es traditionell weihnachtlich zu; zahlreiche Stände bieten an, was sich als Geschenk eignet oder Hunger und Durst stillen kann. Enrico Jank bietet Hochprozentiges feil. Anfangs sei er ein wenig skeptisch gewesen, gibt er zu. „Die Leute haben schon viel Geld bezahlt, um überhaupt auf den Markt zu gelangen – ob sie dann noch gewillt sind, für meine Produkte Geld auszugeben? Doch ich wurde vom Gegenteil überzeugt“, erzählt Jank sichtlich erfreut, während er einer Oberlausitzer Besuchergruppe Spreewaldlikör zum Probieren anbietet. Mario Krause aus „Äberschbach“ lobt diesen über alle Maßen in seinem mit vielen „R’s“ gespickten Dialekt.

Der Rumpodich, der Spreewälder Nikolaus, beschenkt die Kinder.
Peter BeckerDer Spreewälder Nikolaus verteilt Geschenke
Zwischen den Besuchern ist der Spreewälder Nikolaus, auch Rumpodich genannt, unterwegs und verteilt aus dem großen Sack Geschenke an die „lieben“ Kinder. Das Jänschwalder Bescherkind geht mit der Begleitfrau Grit Stahlberg umher, um schweigend und die Rute auf die Schulter auflegend, Glück- und Segenswünsche zu erteilen. Das Schweigen ist dem Umstand geschuldet, dass in der Zeit der Wintersonnenwende die bösen Geister ihr Unwesen treiben und diese Wünsche nicht hören dürfen – so die Überlieferung.

Das verhüllte Jänschwalder Bescherkind ist wie immer dabei und wird von Grit Stahlberg, der Begleitfrau, geführt.
Peter BeckerDerweil haben es die Geschwister Daniela und Thomas Schwalbe vom Dresdner Wandertheater nicht einfach, ihren Leiterwagen durch die vielen Menschen zu ziehen. Stammbesucher der Veranstaltungen im Lehder Freilandmuseum kennen die beiden und ihren Unterhaltungswert. Wenn sie nicht gerade „Frau Holle“ geben, sind sie als „Geschwister Reibach“ unterwegs und preisen lautstark an: „Hier bei uns bekommen sie alles, was sie Weihnachten nicht brauchen, höchstens danach!“ Ihr Verkaufsschlager wäre angeblich eine Diätpfanne mit lediglich fünf Zentimeter Durchmesser.
Auch gut zu wissen: Das Lübbenauer Wohnungsunternehmen WiS hat einen Fotopunkt eingerichtet: Wer will, kann zu der anderen „Frau Holle“ (Anne-Sophie Herzberg) ins Bett steigen und sich fotografieren lassen, wovon der Fitnessclub Niesky reihenweise Gebrauch macht.
Im Stundenrhythmus von Lübbenau nach Lehde
Langsam ist die Zeit zur Heimfahrt gekommen. Viele nutzen den Kahn-Shuttle, um noch einmal die Winterlandschaft genießen zu können, andere wählen den Fußweg nach Lübbenau oder die „Spreewald-Molly“: Betreiber Christoph Domke pendelt im Stundenrhythmus zwischen der Bahnhofstraße in Lübbenau und der Lehder Wendeschleife. Dankbar nehmen die Fahrgäste die beheizte Fahrgelegenheit an, denn so mancher ist inzwischen doch recht durchgefroren.

Christoph Domke mit seiner Spreewald-Molly am Lehder Wendepunkt
Peter BeckerViele nutzen an diesem ersten Tag (2. Dezember 2023) der Adventsfeierlichkeiten in und um Lübbenau den Weihnachtsmarkt am Großen Hafen für einen abschließenden Besuch, für Glühwein und ein wärmendes Feuer. Um dieses hat sich auch eine Familie aus Taiwan gruppiert, die es „very cold in Germany“ findet. Kinder gruppieren sich um das Marionettentheater Tobias Klug, welches sich den Auftritt mit der Musikschule Fröhlich teilt.
Die Händler scheinen zunächst eine etwas vorsichtige Bilanz zu ziehen, denn man hatte eigentlich noch mehr Besucher erwartet, wie herauszuhören ist. „Vielleicht liegt es an der Kälte oder an den sonstigen samstäglichen Einkäufen?“, vermutet eine Standbetreiberin. Die Preise sind im durchschnittlichen Bereich, der Glühwein kostet zwischen drei und vier Euro.
Dennoch scheint sich etwas im Kaufverhalten verändert zu haben, wie der Werbener Koch Jörg Thiele beschreibt: „Wie gewohnt, sind die Besucher von der festlichen Atmosphäre der Spreewaldweihnacht verzaubert, denn die traditionelle Freundlichkeit, Neugierde und Kommunikationsfreude der Gäste sind auch in diesem Jahr da. Doch eine bemerkenswerte Veränderung im Kaufverhalten zeichnet sich ab, denn es werden nun Spezialitäten bevorzugt, die nicht nur lange haltbar, sondern auch preisgünstig sind, wie etwa der schwarze Knoblauch.“
Zwei Märkte - eine Kahnfahrt
● Die Spreewaldweihnacht („Zwei Märkte – eine Kahnfahrt“) findet jährlich an den beiden ersten Adventswochenenden statt (mehr Informationen gibt es hier).
● Nach der ersten Spreewaldweihnacht am 2./3. folgt die zweite am 9./10. Dezember 2023. Danach gibt es noch weitere Adventsfeierlichkeiten in und um Lübbenau.
● Am dritten Adventswochenende, 16. und 17. Dezember, bietet die Interessengemeinschaft Altstadt-Lübbenau (IGEA) in Kooperation mit dem Kleinen Hafen am Spreeschlößchen auch dieses Jahr einen Weihnachtsmarkt mit fünfzigminütiger Theaterkahnfahrt. An den Ufern des Erlenhorstes werden weihnachtliche Schauspiel- und Musikeinlagen geboten. Tickets hierfür gibt es online unter: www.kahnfahrten.org/adventstheaterkahnfahrt
● Einen kurzen Fußweg vom Kleinen Hafen entfernt erwartet Besucher auf dem Kirchplatz ein klassischer Weihnachtsmarkt mit Bühnenprogramm für die ganze Familie.
● Wie erstmals 2022 schließt auch 2023 ein Großes Weihnachtssingen im Außenbereich des Gasthauses Wotschofska die Adventsfeierlichkeiten in Lübbenau ab. Am Samstag, 23. Dezember, stimmt der Kittlitzer Chormix Weihnachtslieder an, Besucher sind von 11 bis 17 Uhr eingeladen mitzusingen. Schwedenfeuer sorgen stimmungsvoll für Wärme.
