Vom 28. November bis 2. Dezember heißt es in Lübbenau und Lehde: Nach der Spreewaldweihnacht ist vor der Spreewaldweihnacht. Zwei von vier Veranstaltungstage sind vorbei und Steffen Franke von der Kahnfährgenossenschaft im Großen Spreewaldhafen in Lübbenau kann zumindest mit Blick auf die Verkaufszahlen für das Kombiticket soweit zufrieden sein mit dem ersten Wochenende. 5.500 bis 6000 Fahrten im Kahn nach Lehde und zurück inklusive Museumsbesuch seien gebucht worden. Damit zeichnet sich ein ähnlicher Zuspruch ab wie 2019. Damals kamen – Besucher mit hinzugerechnet, die zu Fuß gekommen sind – an beiden Wochenenden 15.000 Menschen.
Zwischen Spreewaldhafen und Freilandmuseum Lehde sind die Kähne nonstop unterwegs.
Zwischen Spreewaldhafen und Freilandmuseum Lehde sind die Kähne nonstop unterwegs.
© Foto: Daniel Preikschat
Franke empfiehlt den Besuch der Spreewaldweihnacht am kommenden Sonntag, 4. Dezember, weil für diesen Tag noch ausreichend viele Tickets gebucht werden können. Am ersten Wochenende sei der Sonntag der deutlich entspanntere Veranstaltungstag gewesen. Wobei es auch am Samstag nicht hektisch zuging. Im geordneten Fährbetrieb nahmen die rund 50 Kähne die Besucher am Großen Spreewaldhafen auf – und entließen sie wieder am Kahnanleger vor dem Museumseingang.
Neu in diesem Jahr war der zweite Eingangsbereich am Gasthaus Oppott am anderen Ende der kleinen Höfe-Siedlung. Sechs Euro zahlen Erwachsene dort, das Kombiticket mit der Kahnfahrt hin und zurück kostet 14 Euro. Man könnte sich also durchaus fragen: Ein Weihnachtsmarkt mit Eintritt, will ich das? Tausende Besucher allein am ersten Adventssamstag haben die Frage für sich mit Ja beantwortet und den Aufenthalt offensichtlich sehr genossen.
Aus Großenhain war Anne Sandmann (oben rechts) mit Ehemann, Kindern und einer Begleiterin angereist. "Sofort mit dem Betreten kommt Weihnachtsstimmung auf", sagt sie, "dafür sorgt neben den alten Häusern das überall ausgelegte Stroh. Es ist enorm beeindruckend, was hier geboten wird. Man fühlt sich in die dörfliche Idylle früherer Jahrhunderte zurückversetzt."
Aus Großenhain war Anne Sandmann (oben rechts) mit Ehemann, Kindern und einer Begleiterin angereist. “Sofort mit dem Betreten kommt Weihnachtsstimmung auf“, sagt sie, „dafür sorgt neben den alten Häusern das überall ausgelegte Stroh. Es ist enorm beeindruckend, was hier geboten wird. Man fühlt sich in die dörfliche Idylle früherer Jahrhunderte zurückversetzt.“
© Foto: Peter Becker
Die Potsdamerin Manuela Bedow kam mit ihrem Leipziger Partner Thomas Zelsmann. Sie sagt: "Bei uns ist es schon Tradition, diesen einmaligen Weihnachtsmarkt zu besuchen. Die Kahnfahrt setzt dem noch die Krone auf. Wo gibt es denn so etwas noch? Die Online-Buchung klappte auch problemlos."
Die Potsdamerin Manuela Bedow kam mit ihrem Leipziger Partner Thomas Zelsmann. Sie sagt: „Bei uns ist es schon Tradition, diesen einmaligen Weihnachtsmarkt zu besuchen. Die Kahnfahrt setzt dem noch die Krone auf. Wo gibt es denn so etwas noch? Die Online-Buchung klappte auch problemlos.“
© Foto: Peter Becker
Christina Brecher ist mit ihrem Partner Andy Ainslie aus Leuna angereist. "Wir waren schon mehrmals zur Spreewaldweihnacht in Lehde. Langjährige Freunde aus Raddusch haben uns vor Jahren diesen Tipp gegeben. Inzwischen ist es eine Tradition geworden." Der gebürtige Schotte Andy Ainslie kennt diese Form der vorweihnachtlichen Feiern nicht. "Wir kennen auch keinen Heiligen Abend, unsere Bescherung ist immer am 25. Dezember, dafür gleich morgens."
Christina Brecher ist mit ihrem Partner Andy Ainslie aus Leuna angereist. „Wir waren schon mehrmals zur Spreewaldweihnacht in Lehde. Langjährige Freunde aus Raddusch haben uns vor Jahren diesen Tipp gegeben. Inzwischen ist es eine Tradition geworden.“ Der gebürtige Schotte Andy Ainslie kennt diese Form der vorweihnachtlichen Feiern nicht. „Wir kennen auch keinen Heiligen Abend, unsere Bescherung ist immer am 25. Dezember, dafür gleich morgens.“
© Foto: Peter Becker
Christin Müller und Sohn Emil gehören zu einer zwölfköpfigen Gruppe aus Michendorf. "Wir sind von der Größe und vor allen Dingen von der weihnachtlichen Atmosphäre dieses Marktes beeindruckt. Die Kahnfahrt ist noch ein zusätzliches Plus. Schade, dass die Toilettensituation nicht zufriedenstellend ist, wir mussten sehr lange anstehen."
Christin Müller und Sohn Emil gehören zu einer zwölfköpfigen Gruppe aus Michendorf. „Wir sind von der Größe und vor allen Dingen von der weihnachtlichen Atmosphäre dieses Marktes beeindruckt. Die Kahnfahrt ist noch ein zusätzliches Plus. Schade, dass die Toilettensituation nicht zufriedenstellend ist, wir mussten sehr lange anstehen.“
© Foto: Peter Becker
An ihren Verkaufsständen hatten es zum Beispiel Marlies Siegert vom Weltladen in Lübben auf der Obstwiese oder die Dresdnerin Christiane Keil im Haus Kittlitz des Museums durchweg mit komplett entspannten, friedfertigen Kunden zu tun, die auch gewillt waren, Geld auszugeben. Christiane Keil kann sich keinen geeigneteren Ort vorstellen, ihre handbestickte antike Wäsche anzubieten. Manch Kunde fragte: Kann ich das kaufen oder ist das Museumsbestand?
Auch Kurt Mario Jende aus Ragow, der gegenüber dem Wohn- und Stallhaus aus Lehde seinen Stand hatte, war mehr als zufrieden. Er habe mehr von seinen kleinen selbst gefertigten Figuren, Bäumchen, Teelichtern und Sternen aus Holz verkaufen können als zuletzt bei der Spreewaldweihnacht. „Die Leute wollen es sich schön machen und ein gemütliches Zuhause haben“, so sein Eindruck. Das helfe auch, Lasten besser zu tragen.

Wofür Besucher Geld ausgeben

Viel los war auch in der Kulturscheune am Stand mit den handverzierten Christbaumkugeln. Selbstgemachtes und Einzelstücke seien nach wie vor gefragt, war von verschiedenen Händlern zu hören. Gerade Anbieter höherwertiger Textilware hingegen stellten aber auch eine gewisse Kaufzurückhaltung fest. Es sei „schwierig“, hieß es.
Caterer Enrico Lehmann aus Dürrenhofe, der im Museumsdorf an zwei Ständen Glühwein und Gegrilltes verkauft, konnte nicht klagen. Bratwürstchen, Frikadellen und Steaks gingen gut, sagt er. Beim Glühwein sei noch Luft nach oben. Für das Heißgetränk war es wohl noch etwas zu warm. Moderat um 50 Cent angehobene Preise scheinen den Adventsmarktbesuchern nicht so viel auszumachen. Der Glühwein beispielsweise kostet jetzt 3,50 Euro ohne Schuss. Wie übrigens auch an den Ständen beim Weihnachtsmarkt am Großen Spreewaldhafen. Man komme, so Lehmann, wegen der gestiegenen Einkaufspreise, die man selbst zahlen muss, aber auch wegen des Mehrwegbestecks und der Personalkosten an der Preiserhöhung nicht vorbei.
Händler und Gastronomen müssen in Lehde außerdem mit der Insellage umgehen. Auf vier Kähnen, sagt Enrico Lehmann, musste er die Waren befördern. Doreen Neugärtner und Paul Schulz von der Suppeninsel in Lübbenau waren erstmals bei der Spreewaldweihnacht dabei und konnten ihre heiße Ware ebenfalls nicht bis an den Stand heranfahren. Vom Auto bis ins Museumsdorf hinein mussten die Behältnisse geschleppt werden. „Logistisch interessant“, nannte das Paul Schulz. Mit dem Verkauf zeigten sich die Suppeninsulaner am Ende des ersten Tages zufrieden.
Ebenfalls ein beliebtes Fotomotiv, der Lehdsche Nachtwächter.
Ebenfalls ein beliebtes Fotomotiv, der Lehdsche Nachtwächter.
© Foto: Daniel Preikschat
Peter Lehmann, als Lehd'scher Nachtwächter ein fast genauso beliebtes Fotomotiv auf zwei Beinen wie das geheimnisvolle Bescherkind, fiel angenehm auf, dass es weniger eng zuging diesmal. Vor den Ständen bildeten sich selten Warteschlangen. Gründe dafür: Zum einen sei der Adventsmarkt größer geworden durch zusätzliche Stände auf der Obstwiese. Zum anderen gebe es weniger Begegnungsverkehr wegen der zwei Ein- und Ausgänge.
Daniela Schwalbe vom gleichnamigen Dresdner Wandertheater bei der stündlichen Aufführung von Frau Holle.
Daniela Schwalbe vom gleichnamigen Dresdner Wandertheater bei der stündlichen Aufführung von Frau Holle.
© Foto: Peter Becker
Im Preis inbegriffen sind in Lehde Blechbläsermusik und Theater. Für Letzteres zuständig sind Daniela und Thomas Schwalbe aus Dresden. Sie mischen sich unter das Publikum und wirken dabei in ihren Kostümen wie aus der Zeit gefallen. Diesmal versuchten die Theaterleute Trödel zu verkaufen, den „niemand braucht und der nur selten so teuer ist, wie bei uns.“ Kindern wird „Frau Holle“ in Erinnerung bleiben, eine weitere Darbietung im Stundentakt.
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