Hilfe für krebskranken Sandro aus Lübben: Gutes tun per Klick – darauf sollten Spender achten

Wer für den guten Zweck spenden will, kann dies inzwischen einfach und unkompliziert per Mausklick tun. Über sogenannte Crowdfunding-Plattformen. Was gilt es bei der digitalen Schwarmfinanzierung zu beachten?
© fizkes/adobe.stock.comSeit Oktober 2023 berührt das Schicksal eines jungen Mannes aus Lübben die Region. Diagnose: Lymphdrüsenkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Während sich der 28-jährige Sandro in Behandlung begibt, bittet seine Bekannte auf der Crowdfunding-Plattform GoFundMe um Spenden für Sandro und seine Angehörigen.
Und auch die Geschichten des 17-jährigen Tamino Krüger aus Sprember oder des 16-jährigen Julien aus Weißwasser sorgten in der Region für große Anteilnahme und Spendenbereitschaft.
Vielen solcher Aufrufe, in denen es um Einzelschicksale geht, kommt die hohe Reichweite der Online-Spendenplattformen zugute. Denn hier können die Aufrufe schnell mit potenziellen Spendern geteilt werden. Hilfesuchende erreichen per Crowdfunding im Internet auch Menschen, die sie nicht persönlich kennen. Im Fall des erkrankten Sandro sind so inzwischen über 400 Menschen dem Aufruf gefolgt und haben mehr als 15.200 Euro gesammelt (Stand: 9. November 2023).
Keine reinen Spendenplattformen
Schaut man sich ein wenig auf den Crowdfunding-Plattformen um, wird schnell klar: Spendenaufrufe gibt es viele. Aber nicht immer geht es dabei um traurige Einzelschicksale.
Tatsächlich bieten Webseiten wie GoFundMe, Betterplace, Kickstarter und Patreon Raum für die unterschiedlichsten Vorhaben und Organisationen: von jungen Start-ups und gemeinnützigen Vereinen bis hin zu Kunstprojekten und sogar privaten Reisevorhaben. Die Schwierigkeit: Für den Spender ist es durch die schiere Menge an Aufrufen nicht immer leicht zu erkennen, ob sich dahinter eine gute Tat oder Abzocke verbirgt – wie eine Recherche vor Kurzem ergab.
Aber worum geht es bei dem Konzept „Crowdfunding“ eigentlich? Wie finanzieren sich die Plattformen? Und worauf sollten Spender achten?
Crowdfunding – ein Konzept mit unterschiedlichen Methoden
Der Begriff kommt aus dem Englischen und setzt sich aus „Crowd“ (Menschenmenge) und „Funding“ (Finanzierung oder Förderung) zusammen. Er beschreibt eine Finanzierungs-Methode, bei der Produkte, Aktionen oder Ideen durch Fremdkapital außenstehender Investoren finanziert werden. Gespendet werden zumeist nur kleinere Beträge, die sich mit der Zeit zum angestrebten Gesamtbetrag summieren können.
Crowdfunding ist aber nicht gleich Crowdfunding. Laut Bundeswirtschaftsministerium müsse man bei dieser alternativen Finanzierungsform vier Modelle unterscheiden.
●Investierendes Crowdfunding: Investoren unterstützen ein Vorhaben und erhalten im Gegenzug eine Rendite, ähnlich einer Aktie.
● Verleihendes Crowdfunding: Die Spender erhalten das investierte Kapital am Ende zurück.
● Belohnendes Crowdfunding: Die Unterstützer erhalten ein zumeist nicht-finanzielles Dankeschön, oft im Zusammenhang mit dem Projekt oder Produkt.
● Spendenbasiertes Crowdfunding: Dabei handelt es sich um die klassische Spende ohne Gegenleistung.
Die Verbraucherzentrale rät daher, sich vorher genau darüber zu informieren, ob es sich beim Projekt um eine Spende (Crowdfunding) oder eine Investition (Crowdinvesting) handelt. Zudem sei es ratsam, sich darüber zu informieren, „was mit dem Geld geschieht, wenn das Projekt nicht zustande kommt“, so die Verbraucherzentrale.
So finanzieren sich die Plattformen
Crowdfunding-Plattformen sind das Bindeglied zwischen Hilfesuchenden und Spendenwilligen. Dabei gilt es jedoch zu bedenken, dass die Plattformen häufig einen Teil der Spenden einbehalten, um sich selbst zu finanzieren, so die Verbraucherzentrale Brandenburg.
Ein genauer Blick in die Geschäftsbedingungen der jeweiligen Webseiten gibt häufig Aufschluss darüber, wie viel der Spende beim Empfänger ankommt und wie viel an die Plattform geht. Die gängigste Art, wie die Anbieter Geld verdienen, sind Plattform-Gebühren. Diese werden entweder den Initiatoren oder den Investoren in Rechnung gestellt. Beispielsweise erhebt Patreon, ein vor allem bei Künstlern beliebter Anbieter, eine Gebühr zwischen fünf und zwölf Prozent der monatlich generierten Einnahmen. Ähnlich verhält es sich bei der Plattform Kickstarter, die Gebühren zwischen 5 und 8 Prozent der Gesamt-Spendensumme erhebt.
Eine weitere Möglichkeit, wie Crowdfunding-Plattformen Geld verdienen, sind Gebühren für die Zahlungsabwicklung. Diese Bearbeitungsgebühren belaufen sich in der Regel auf einen Prozentsatz des Spendenbetrages und werden ebenfalls entweder den Geldgebern oder Initiatoren in Rechnung gestellt. GoFundMe erhebt beispielsweise pro Spende eine Abwicklungsgebühr von 2,9 Prozent plus 0,25 Euro.
Für einen im Dezember 2022 erschienen Artikel nahm Stiftung Warentest sechs Online-Spendenportale genauer unter die Lupe. Darunter auch Betterplace, GoFundMe und PayPal. Im Fazit heißt es: „Nicht immer kommt die gesamte Spende bei den Empfängern an.“ Auch könne die Höhe der Gebühren davon abhängen, ob die Spende an Privatpersonen oder gemeinnützige Organisationen geht. „Wer das übersieht, finanziert damit das Spendenportal.“
Darauf sollten Spender achten
„Transparenz ist das A und O jeder Spendensammlung“, rät Stiftung Warentest und weist darauf hin, dass „seriös arbeitende Organisationen alle wichtigen Informationen übersichtlich auf ihrer Webseite“ zur Verfügung stellen. Dazu zählen Jahresberichte über Einnahmen und Ausgaben und eine Aufschlüsselung von Werbe- und Verwaltungskosten. „So können Spenderinnen und Spender nachvollziehen, wie viel von ihrem Geld direkt an ein Hilfsprojekt fließt.“ Zudem sollte immer die Möglichkeit gegeben sein, mit der Organisation oder den Initiatoren des Spendenaufrufs direkt in Kontakt zu treten, denn „zur Transparenz gehört auch, auf Fragen der Spender zu antworten.“
Die Verbraucherzentrale rät außerdem, auf aussagekräftige Siegel und Zertifikate zu achten, wie das Siegel des Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen (DZI). Es ist jedoch nicht zwangsläufig ein schlechtes Zeichen, wenn eine Organisation kein DZI-Siegel hat, so die Verbraucherzentrale weiter, da die Zertifizierung ausschließlich auf freiwilliger Basis stattfindet und nur Organisationen mit jährlichen Gesamteinnahmen von über 25.000 Euro geprüft werden.
Spendenbereitschaft hat trotz Inflation kaum nachgelassen
Jedes Jahr veröffentlicht der Deutsche Spendenrat e.V. die sogenannte „Bilanz des Helfens“, die aufschlüsselt, wofür und wie viel die Bevölkerung im zurückliegenden Jahr gespendet hat.
Das Fazit für 2022 besagte, dass 28 Prozent aller Privatpersonen (ab 10 Jahren) mindestens einmal im Jahr Geld gespendet hat. Zwar sei der Trend seit einigen Jahren rückläufig, dennoch blieb die Gesamt-Spendensumme im Vergleich zu 2021 fast unverändert.
Das bedeutet: die Anzahl der Spender sank leicht, dafür stieg die durchschnittliche Spendensumme.
Insgesamt seien 2022 so knapp 5,7 Milliarden Euro Spendengelder gesammelt worden, so der Deutsche Spendenrat in der Bilanz.
Aus einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts Gfk geht zudem hervor: Besonders häufig werden Organisationen für die Kindernothilfe, den Tierschutz sowie Not- und Katastrophenhilfen begünstigt.


