Schlägt die Chemo-Therapie an? Geht die Zahl der Krebszellen zurück? In dieser Woche werden Diana Krüger und Michael Schultka mit ihrem Sohn Tamino (17) in der Uni-Klinik Dresden neue Untersuchungsergebnissen bekommen. Die Werte entscheiden, ob die Medikamente neu dosiert oder verändert werden müssen. „Tamino ist optimistisch, er kann selbst gut mit der Krankheit umgehen“, sagt Michael Schultka. Der Vater aber muss bei diesen Worten schlucken: „Als Schulkind war Tamino kaum krank – ein paar Tage in all den Jahren“, erzählt er, „und nun kommt sowas und keiner weiß, warum und woher.“
Taminos Freunde melden sich regelmäßig, sie telefonieren oder sie besuchen ihn. Nur wenn es dem 17-Jährigen mal wieder nicht so gut geht, werden Besuche verschoben. Er gehört zu den A-Junioren des Spremberger Sportvereins SSV 1862 Fußball. In der Bambini-Mannschaft hatte er das Kicken früh gelernt. Nach einigen Jahren als Torwart wechselte er in die Abwehr. Doch seit Januar kann er nicht mehr „retten“. Die schwere Krebserkrankung macht ihn unheimlich müde.
Kurz nach Weihnachten hatte es angefangen, erzählt sein Vater. Tamino bekam immer wieder Fieber – täglich und zur gleichen Zeit zwischen 18 und 18.30 Uhr. „Das hatte uns stutzig gemacht, obwohl morgens dann immer alles erst einmal wieder gut war“, sagt Michael Schultka.

Diagnose Blutkrebs: Mutter gibt die Arbeit für den Sohn auf

Als das Fieber nicht mehr unter 39 bleibt, sondern auf 40 Grad klettert, fährt der Vater ihn in die Spremberger Notaufnahme. Er muss weiter nach Hoyerswerda, wo es noch eine Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum gibt. Ist es nur eine Infektion? Nach einer Knochenmarkuntersuchung bekommt die Familie die schwer fassbare Diagnose: Leukämie. „Inzwischen fühlen wir uns an der Uni-Klinik in Dresden richtig gut aufgehoben“, sagt Michael Schultka.
Ambulante und stationäre Phasen in der Behandlung wechseln sich ab. Diana Krüger begleitet ihren Sohn in Dresden. Die Arbeit hat sie deshalb vorerst aufgeben. „Ich“, so erzählt der Maler Michael Schultka, „arbeitet inzwischen wieder. Unser zweiter Sohn, 16 Jahre ist er, braucht mich doch hier in Spremberg.“

Diagnose Blutkrebs: Tamino muss Ausbildung unterbrechen

Kaum dass Tamino und sein Bruder laufen konnten, flitzten sie mit ihrem Vater über den Fußballplatz des SSV 1862. „Ich gehöre seit 35 Jahren zum Verein, da ist es normal, die Kinder mitzunehmen“, sagt Michael Schultka. Im Herbst nach den Sommerferien hatte Tamino seine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik bei Actemium in Schwarze Pumpe gestartet. Sie macht dem jungen Spremberger nicht nur Spaß, sondern erlaubt ihm auch, weiter in seinem Verein Fußball zu spielen. Nur die schulische Ausbildung läuft im sächsischen Königsbrück. „Zwar musste er jetzt die Ausbildung unterbrechen, aber er wird sie fortsetzen können“, sagt Michael Schultka. Das habe Actemium schon versichert und das motiviere auch Tamino.
Viel Unterstützung, viel Interesse erlebt die Familie. „Es war anfangs gar nicht so einfach für mich, mit den vielen Nachfragen umzugehen“, sagt der Vater. Er selbst spielt bei den Alten Herren mit. „Nur wenn Diana und Tamino von Dresden ein paar Tage nach Hause kommen, will ich mich derzeit nicht so auf Sportplätzen herumtreiben“, sagt er.

Diagnose Blutkrebs: Drohende Zuzahlungen für Medikamente

Sorgen bereitet den Eltern jetzt, dass die Krankheit teuer wird. Noch ist Tamino 17 Jahre, die Medikamente sind frei. Aber schon im Mai wird der junge Sprembeger 18. Eine Zuzahlung für die vielen Medikamente droht. Schon jetzt habe die Familie mehr Ausgaben, um Nebenwirkungen etwas zu lindern – für Cremes zum Beispiel. „Um Taminos Immunsystem nicht zusätzlich zu belasten, putzen wir mehr“, sagt Michael Schultka. Ob noch weitere Hilfsmittel gebraucht werden? Einen Rollstuhl nutzen sie schon. „Wir gehen oft spazieren. Das will Tamino, auch um aktiv zu bleiben. Wenn er unterwegs dann doch erschöpft ist, setzt er sich ein Weilchen in den Rollstuhl“, so der Vater.
Für Tamino ist nicht nur der Fußball wichtig. „Sind Spieltage oder Vereinsfeste vorzubereiten, ist etwas aufzubauen, ist Tamino dabei“, sagt Stefan Oelmann, vom Vorstand des SSV 1862. Als der Verein von den Sorgen der Familie hörte, überlegten die Mitglieder sofort, wie sie helfen könnten. „Die Anfahrten, die teuren Medikamente, die vielen Stunden des Bangens und Hoffens – seine Eltern können ihre berufliche Tätigkeit kaum noch voll aufrecht halten ist. Das ist nicht nur emotional schwierig, sondern auch finanziell“, sagt Oelmann.

Spremberger Sportverein organisiert Spendenaufruf für Tamino

Eine Spendenplattform hat der Verein gesucht und am 10. April die Seite für Tamino eingerichtet. Mehr als 32.000 Euro sind inzwischen gespendet worden – und das nicht nur von Sprembergern. Die Macher der Online-Kampagne werben mit Reichweite. Wann die Familie auf die Spenden zurückgreifen kann, soll in den nächsten Tagen besprochen werden. Gut tun auf jeden Fall auch die Worte zu den Spenden. „Halte durch, Tamino“, „Wir wünschen der Familie Kraft“ oder „Bleib stark, Kleiner.“
Kleiner? Die Familie ist sehr dankbar für die viele Anteilnahme. Aber über „Kleiner“ muss Michael Schultka, doch ein bisschen schmunzeln: „Tamino ist inzwischen größer als ich“, sagt er, „aber auf einen Schlag hatte mein Junge Anfang des Jahres zehn Kilogramm abgenommen“.

Leukämie trifft Männer öfter als Frauen

In Deutschland ist im Jahr 2019 bei rund 12.720 Menschen Leukämien diagnostiziert worden. Wie das Zentrum für Krebsregisterdaten im Robert Koch Institut informiert, waren etwa vier Prozent dieser Betroffenen unter 15 Jahre alt. Das Erkrankungsrisiko für Leukämien sinke bis zum 30. Lebensjahr mit zunehmendem Alter. Danach aber steige es laut Statistik wieder deutlich an. Auffallend sei zudem eine deutlich höhere Inzidenzrate bei den Männern im Vergleich zu den Frauen. Einer von 75 Männern und eine von 99 Frauen erkrankt im Laufe des Lebens an einer Leukämie, teilt das Zentrum mit.