Wahl 2024 in Hoyerswerda: Worauf die SPD ihren Fokus legen will

Sechs Frauen und zwölf Männer kandidieren für die SPD zur Stadtratswahl 2024 in Hoyerswerda.
SPD Hoyerswerda/Katharina KorchBei der Kommunalwahl am 9. Juni setzt die SPD in Hoyerswerda auf den Oberbürgermeister-Effekt und ihren Anteil an der erfolgreichen Entwicklung der Stadt. „Wir wollen das Ergebnis der letzten Kommunalwahl von gut 13 Prozent wiederholen und noch etwas ausbauen“, sagt Uwe Blazejczyk.
In Hoyerswerda hätten die Sozialdemokraten in den vergangenen Jahren doppelt so hohe Stimmenanteile wie im Landesdurchschnitt erreicht. „Wir werden nicht die meisten Stimmen bekommen, aber auch nicht die wenigsten“, so Blazejczyk.
Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat verweist auf die gute Arbeit von Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh (SPD). Er habe die Probleme des Strukturwandels entschlossen angepackt, rund 100 Millionen Euro seien nach Hoyerswerda flossen. Projekte wie die Sanierung von Ossi, Lausitzbad und Lausitzhalle kämen allen Bürgern zugute. Neben dem Gewinn an Lebensqualität sieht der Stadtrat, der erneut kandidiert, noch einen weiteren Effekt.
Mit diesen Projekten steige die Attraktivität der Stadt auch nach außen. Statt einem gebe es beispielsweise künftig zwei Becken im Lausitzbad sowie ein Therapiebecken. Blazejczyk und die SPD und plädieren dafür, solche weichen Standortfaktoren zu stärken. Hoyerswerda würde dadurch auch für Zuziehende und Rückkehrer attraktiv.
Hoyerswerda braucht junge Familien
„Wir brauchen hier mehr junge Leute und Familien. Um sie anzuziehen, sind ansprechende Lebensbedingungen und eine gute Infrastruktur notwendig, in die wir weiter investieren müssen. Dafür wollen wir auch den von uns initiierten Bürgerhaushalt nutzen“, sagt Blazejczyk. Das gelte auch für den Scheibe-See, der zügig eine anziehende Infrastruktur brauche.
Nach den Vorstellungen der SPD soll der Bau neuer Wohnungen durch die Wohnungsgesellschaft, die Genossenschaft LebensRäume und private Investoren fortgesetzt werden. Deren Neubauten seien sehr gefragt. Und günstige Mieten und attraktive Wohnungen seien ein gewichtiges Argument, damit sich junge Familien nach Hoyerswerda orientierten, nicht in die deutlich teureren Städte Dresden und Leipzig. Auch der Bau von Spielplätzen müsse weitergehen.

Uwe Blazejczyk, SPD-Fraktionsvorsitzender im Stadt.rat Hoyerswerda.
BlazejczykParallel wollen sich die Sozialdemokraten dafür einsetzen, dass die Sanierung von Plattenbauten weitergeht und dort barrierefreie und barrierearme Wohnungen entstehen, in denen auch hochbetagte Senioren lange leben können. Das sei aber nicht für alle Wohnungen leistbar, auch der langfristige Bedarf müsse beachtet werden. Die Stadt und die Großvermieter könnten diese Aufgabe aber nicht allein lösen, Unterstützung vom Freistaat und dem Bund müsse über förderfähige Projekte gesichert werden.
Sehr gutes Bildungssystem in Hoyerswerda bewahren
Der SPD-Kandidat sieht in einem stärkeren Tourismus einen wichtigen Teil der künftigen Entwicklung der Stadt. Dabei gehe es nicht nur um Wirtschaft und Einnahmen, sondern auch um die Verbreitung eines neuen Bildes der Stadt. Denn aus Touristen und Besuchern der Stadt könnten über positive Eindrucke und eine entsprechende Gesamteinschätzung auch neue Einwohner werden.
Der langjährige Schulleiter nennt als ein Anliegen der SPD die Bewahrung des sehr guten Bildungssystems in Hoyerswerda, beginnend mit den spezialisierten Kitas und ausreichenden Plätzen in den Einrichtungen. Weil die ganze Stadt ein Schulbezirk sei, könnten sich die Eltern entscheiden, an welcher Grundschule mit eigenem Profil ihre Kinder die für sie besten Bedingungen vorfinden. Beibehalten und gestärkt werden sollen auch die Gymnasien mit ihren verschiedenen Ausrichtungen, die insgesamt beispielgebend auch über die Region hinaus seien.
SPD will Strukturwandel-Regionen besser vernetzen
Blazejczyk und die Sozialdemokraten treten für eine stärkere Vernetzung der Kommune in der Region ein. Im Zusammenwirken mit Senftenberg und Cottbus, die ebenfalls den Strukturwandel meistern müssen, lasse sich mehr für die drei Kommunen und die Lausitz erreichen, betont der Fraktionsvorsitzende.
Den Wahlkampf in Hoyerswerda sieht er als eher ruhig und konstruktiv an. „Die Akteure kennen sich und es gibt viel Respekt, das ist hier anders als beispielsweise in Dresden und Leipzig.“ Hinzu komme die gemeinsame Arbeit für Hoyerswerda im Stadtrat. Auch an den Infoständen gehe es ruhig zu,
„Für die Kommunalwahl haben wir ein gutes Kandidatenteam aufgestellt und uns verjüngt. Das ist auch an unserer Spitzenkandidatin Katharina Korch zu sehen, einer jungen Polizistin, aber auch an Anna Garbotz. Mit den jungen Leuten sind auch neue Ideen und neue Formen der Wahlwerbung gekommen, so in den sozialen Netzwerken oder auch mit Einstecksendungen.“ Es bleibe aber dabei, dass die SPD in Hoyerswerda auf Großaufsteller setze, keine Plakate mit Köpfen aufhänge, sagt Blazejczyk. Bei der Vielzahl der Kandidaten für den 9. Juni würde dies wenig bringen.
Diese Parteien und Initiativen stehen zur Wahl
Bei der Stadtratswahl sind 30 Mandate zu vergeben, aber mehr als dreimal so viele Frauen und Männer treten als Bewerber an. Insgesamt 105 Namen werden auf dem Wahlschein stehen — nominiert von acht Parteien und Wählervereinigungen. Es sind alles Parteien und Wählergruppen, die auch gegenwärtig im Stadtrat vertreten sind.
Die meisten Kandidaten hat die CDU nominiert. 21 Frauen und Männer gehen für die Christdemokraten ins Rennen. Die CDU hat für ihren Wahlkampf ein klares Ziel ausgerufen: Sie will im Stadtrat von Hoyerswerda wieder klar größte Fraktion werden.
Mit 15 Kandidaten tritt die AfD an. Die Partei hatte vor fünf Jahren die meisten Stimmen von den Wählern in Hoyerswerda erhalten und wird deshalb in diesem Jahr den Listenplatz 1 auf dem Wahlschein einnehmen.
Für die Linke gehen 13 Kandidaten ins Rennen. Mit Henri Müller ist der jüngste Kandidat zum Zeitpunkt der Wahl 27 Jahre alt, mit Ralf Haenel wird der älteste Kandidat am Wahltag 75 Jahre alt sein.
Für die Freie Wählervereinigung StadtZukunftHoyerswerda treten elf Bewerber an. Die Freien Wähler treten nach eigenen Angaben als parteiunabhängige Wählergruppe und mit einem modern-konservativen Wertebild zu den Kommunalwahlen an.
Das vor zehn Jahren gegründete Bürgerbündnis „Aktives Hoyerswerda“ stellt aktuell zwei Stadträte in Hoyerswerda. Dass es in der neuen Legislatur deutlich mehr sein sollen, zeigt die Kandidatenliste mit 13 Namen.
Während Frauen auf den meisten Wahllisten in der Unterzahl sind, tritt Bündnis 90/Die Grünen mit fünf Frauen und vier Männern an. Die Partei will mindestens in Fraktionsstärke (zwei Räte) vertreten sein, um eigene Anträge einbringen zu können.
Neu und doch nicht ganz neu ist das Konservative Bürgerbündnis Hoyerswerda (KBH). Gegründet wurde es von Michael Ratzing und Marco Gbureck, die beide bis Anfang März noch der AfD-Fraktion im Stadtrat Hoyerswerda angehörten.

