Von dem Mann, der seit Ende Mai 2022 vermisst wird, existiert offiziell nur ein einziges Foto. Der ältere Herr mit rotem Hemd, blauer Jacke und weiß-grauem Haaren grinst in die Kamera. Den Mann, der den Arm um seine Schulter legt, kann man nicht erkennen. Der ältere Herr ist Gerhard Noack, 94 Jahre alt, aus Hoyerswerda. Zurzeit weiß niemand, wo er ist.
Es ist der zurzeit wohl mysteriöseste Vermisstenfall in der Lausitz. Er beginnt am 31. Mai 2022. An diesem Dienstag verlässt Gerhard Noack vermutlich kurz vor 10 Uhr das Haus an der Hoyerswerdaer Goethestraße. Er steigt in sein Auto, einen grauen Seat Ibiza, und fährt los. Wohin er will, ist bekannt. Er fährt zu einem Bekannten in den Lohsaer Ortsteil Hermsdorf. Die Fahrt dauert knappe 30 Minuten. Hoyerswerda ist etwa 25 Kilometer von Hermsdorf entfernt.
In Hermsdorf kauft Gerhard Noack in der Eichenallee Eier bei seinem Bekannten. Laut Polizeidirektion Görlitz hat der Rentner das regelmäßig getan. „Er fuhr diese Strecke wie immer mit seinem Pkw“, heißt es. Was jedoch danach passiert ist, ist unbekannt. Hat sich Gerhard Noack wieder auf den Rückweg nach Hoyerswerda gemacht? Ist er noch woanders hingefahren? Sein grauer Seat hat das Kennzeichen HY - NP 65.
Plötzlich verliert sich die Spur des 94-Jährigen. Er wird als vermisst gemeldet. Dann beginnt bei der Polizei die Arbeit. „Nach Eingang der Vermisstenanzeige bei der Polizei wird immer sofort eine Gefährdungsanalyse durchgeführt und dann die notwendigen, sehr unterschiedlichen, Ermittlungen, durchgeführt“, betont Kai Siebenäuger, Sprecher der Polizeidirektion Görlitz.

Polizei versucht 94-Jährigen zu orten – erfolglos

Aus diesen Ermittlungen ergeben sich dann verschiedene polizeiliche Maßnahmen, betont Siebenäuger. Ziel Nummer eins ist, irgendwie den möglichen Aufenthaltsort des Vermissten herauszubekommen. Heutzutage hat fast jeder Mensch ein Smartphone, ein Tablet oder eine Smartwatch dabei. Oftmals lässt sich die Person darüber orten und die Polizei weiß quasi metergenau, wo der- oder diejenige ist. Immer wieder besteht auch die Chance, ein Auto zu orten.
Bei Gerhard Noack hat diese eine oft wirkungsvolle Maßnahme nicht funktioniert. „Da Herr Noack sein Handy nicht mitführt und sein Fahrzeug nicht GPS-fähig ist, sind die Ermittlungen erschwert“, betont der Polizeisprecher. Gerhard Noack bleibt verschwunden.

Polizei sucht mit Hubschrauber nach dem Auto des Vermissten

Was hat die Polizei danach getan? „Es wurde frühzeitig eine polizeiliche Fahndung nach Person und Auto eingeleitet und umfangreiche Umfeld-Ermittlungen geführt“, sagt Kai Siebenäuger. „Darüber hinaus wurden zeitnah Suchmaßnahmen durch die Polizei realisiert, unterstützt durch einen Polizeihubschrauber, der einen möglichen Standort des Fahrzeuges aus der Luft abgeprüft hat.“ Darüber hinaus hat die Polizei zweimal über die Medien versucht, Hinweise zum Aufenthaltsort von Gerhard Noack oder zum Standort seines Autos zu bekommen – bislang ohne Ergebnis.
Die Polizei betont, Gerhard Noack könnte sich in einer hilflosen Lage befinden, denn er benötigt bestimmte Medikamente. Kann es sein, dass der 94-Jährige Medikamente dabei gehabt hat, als er sich auf den Weg nach Hermsdorf gemacht hat? Das sei unbekannt, heißt es seitens der Polizeidirektion Görlitz. Bekannt sei jedoch, dass einige vom Pflegedienst vorbereitete Medikamente in seinen Wohnräumen gefunden worden sind.
Wie oft passiert es, dass Menschen in der Oberlausitz einfach so verschwinden? Eine genaue Zahl kann die Polizeidirektion Görlitz nicht mitteilen. Sie verweist darauf, dass die Zahl ständig variiert. Jederzeit würden Vermisste wieder aufgefunden werden, so Kai Siebenäuger. Es kämen jedoch immer wieder neue Vermisstenfälle dazu.
Wie die Polizeidirektion Görlitz betont, gibt es sehr individuelle Gründe, weshalb Menschen ihr häusliches und familiäres Umfeld verlassen. „Manche Menschen gehen spazieren und erleiden dann gesundheitliche Probleme. Einige möchten aus dem Leben scheiden. In wenigen Fällen fallen Menschen Straftaten zum Opfer oder möchten gar ein neues Leben beginnen“, sagt Polizeisprecher Siebenäuger.

Viele Vermisste werden schnell gefunden

Wie oft tauchen Vermisste wieder auf? In diesem Fall hat die Polizeidirektion Görlitz eine genaue Statistik. Die Auswertung der Vermisstenfälle des Jahres 2021 zeigen, dass etwa drei Viertel aller Vermissten innerhalb eines Tages wieder gefunden werden. Weitere 20 Prozent werden innerhalb der ersten Woche wiedergefunden.
Suche nach Vermisstem in Spremberg Wo ist der Nachtdienst im Behinderten-Wohnheim?

Spremberg

Das bedeutet: Etwa fünf Prozent der Vermissten bleiben länger als sieben Tage verschwunden. Der 94-jährige Gerhard Noack wird schon fast seit vier Wochen vermisst. Natürlich hat die Polizei auch bei Angehörigen und Bekannten nach möglichen Aufenthaltsorten des Seniors gefragt. Wer sachdienliche Hinweise hat, wo sich Gerhard Noack aufhalten kann, sollte sich umgehend an die nächste Polizeidienststelle wenden. Die Nummer des Polizeireviers in Hoyerswerda lautet 03571 465-0.